Hö­fer – der Na­gels­mann von Un­ter­rath

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON THO­MAS SCHUL­ZE

Der 25-Jäh­ri­ge hat mit den Un­ter­ra­ther B-Ju­nio­ren­fuß­bal­lern et­was Ein­ma­li­ges ge­schafft, in­dem er von der Leis­tungs­klas­se in die Bun­des­li­ga durch­mar­schiert ist. Aber er er­lebt auch ei­ne gro­ße Ent­täu­schung – und geht.

Es war ein gro­ßer Tag für die SG Un­ter­rath. Ent­spre­chend wur­de nach dem 5:2-Sieg der B-Ju­nio­ren ge­gen die Sport­freun­de Ham­born auch ge­fei­ert. Die Mann­schaft hat et­was er­reicht, dass zu­vor noch kei­ne Düs­sel­dor­fer Mann­schaft ge­schafft hat: Sie ist von der Leis­tungs­klas­se über die Nie­der­rhein­li­ga di­rekt in die Bun­des­li­ga durch­mar­schiert. Ein wah­res Husa­ren­stück, das für al­le ei­ne gro­ße Über­ra­schung ist. Der Va­ter des Er­folgs ist Trai­ner Chris­ti­an Hö­fer.

Der Nach­na­me ist Düs­sel­dor­fer Fuß­ball­freun­den ein Be­griff, und tat­säch­lich ist es der Sohn von Al­bert, dem ehe­ma­li­gen For­tu­nen. Er trai­nier­te Mit­te der 90er Jah­re die U17 des Ver­eins und war auch meh­re­re Jah­re als Scout für die Flin­ger­ner tä­tig. Der Fuß­ball wur­de dem Fi­li­us qua­si in die Wie­ge ge­legt. Doch er hat sich schon früh als ak­ti­ver Spie­ler zu­rück­ge­zo­gen, um als Trai­ner zu ar­bei­ten. „Das hat mich schon im­mer fas­zi­niert“, sagt Chris­ti­an Hö­fer. „Ich woll­te im­mer ver­ste­hen, was die Trai­ner da ma­chen und war­um.“

Acht Jah­re stand er als Co-Trai­ner im zwei­ten Glied, ehe ihm im Som­mer 2015 die Ver­ant­wor­tung für die B-Ju­nio­ren in Un­ter­rath über­tra­gen wur­de. „Die U17 war da­mals aus der Nie­der­rhein­li­ga ab­ge­stie­gen, aber ich hat­te mei­ne Zu­sa­ge für bei­de Li­gen ge­ge­ben“, er­in­nert er sich. Der Wie­der­auf­stieg war an­ge­peilt, der Durch­marsch in die Bun­des­li­ga aber na­tür­lich nicht. „Da hat auch wirk­lich nie­mand mit ge­rech­net“, sagt er. „Of­fi­zi­ell war der Klas­sen­er­halt das Ziel, in der Ka­bi­ne ha­ben wir uns Platz eins bis sechs zum Ziel ge­steckt.“

Als Grün­de für den Er­folg nennt Hö­fer den Zu­sam­men­halt der Mann­schaft, die aus­ge­gli­chen be­setzt sei und in der es kei­nen Star ge­be. „Das war ei­ne ge­schlos­se­ne Mann­schafts­leis­tung, und das ist kei­ne Flos­kel“, sagt er. „Ei­nen Spie­ler her­aus­zu­he­ben, wür­de den an­de­ren nicht ge­recht. Was die Jungs ge­leis­tet ha­ben, ist Wahn­sinn. Mal ha­ben wir ver­dient ge­won­nen, mal den Sieg er­kämpft, mal hat­ten wir Glück, das ge­hört un­be­dingt da­zu.“Vor al­lem aber war Un­ter­rath für die Li­ga­ri­va­len ein un­an­ge­neh­mer Geg­ner. Nicht un­fair, aber schwer zu kna­cken; ein Team mit ei­ner gu­ten Grund­ord­nung.

Ein Er­folgs­re­zept hat Hö­fer nicht, oder viel­leicht eben doch: „Ich ha­be die Jungs ein­fach in Ru­he ge­las­sen. Es gab ein paar Grund­prin­zi­pi­en, aber an­sons­ten vie­le Frei­hei­ten. Im Som­mer hat­ten wir al­ler­dings ei­ne har­te Vor­be­rei­tung, in der die Jungs sehr gut mit­ge­zo­gen ha­ben. Und dann war es ei­ne Mi­schung aus Ta­lent, Kön­nen und Glück.“

Hö­fer ist zwei Mal mit der Mann­schaft auf­ge­stie­gen – und geht. Er wä­re ger­ne ge­blie­ben. „Mir war zu­ge­sagt, dass ich die B-Ju­nio­ren lang­fris­tig trai­nie­ren kann“, be­rich­tet er. „Dann hieß es im Win­ter, dass ich die A-Ju­gend über­neh­men soll, weil Sa­scha Walbröhl die Mann­schaft über­nimmt. Ich war ent­täuscht und fand die Art und Wei­se merk­wür­dig. Und weil für mich das Wort zählt, ha­be ich mich an­der­wei­tig um­ge­schaut.“Fün­dig ge­wor­den ist er beim FC Bü­de­rich, wo er die U19 über­nimmt.

Hö­fer – der Na­gels­mann von Düs­sel­dorf. Hö­fer lacht. „Ich war in die­ser Sai­son der er­folg­reichs­te Ju­gend­trai­ner in Düs­sel­dorf, aber im Som­mer geht al­les von vor­ne los. Wer zum Sai­son­be­ginn sechs Mal ver­liert, der ist weg. Je­der muss sei­nen ei­ge­nen Weg fin­den. Was Na­gels­mann in Hof­fen­heim macht, ist über­ra­gend. Aber man muss auch das Ver­trau­en der rich­ti­gen Leu­te be­kom­men. Aber Na­gels­mann ist sehr weit weg.“

Die gro­ße Büh­ne ist auch nicht Hö­fers Me­tier. „Ich ste­he nicht ger­ne im Vor­der­grund“, sagt er be­schei­den, und so wirkt er auch. „All das ist nur dank der Mann­schaft mög­lich.“Trotz­dem wür­de er ger­ne ei­nes Ta­ges „mal mit dem Fuß­ball Geld ver­die­nen. Zu­min­dest hin­zu­ver­die­nen. Wenn es zum Le­ben rei­chen wür­de, wä­re es toll“.

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