Nost­al­gie ist kein Ge­schäfts­mo­dell

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MICHA­EL BRÖCKER VON GE­ORG WIN­TERS ALS DIE BUN­DES­BANK . . . , SEITE B 2 VON TO­BI­AS KÄU­FER ALARMSTUFE ROT . . ., SEITE A 5

Die Ge­schich­te der deut­schen Au­to­in­dus­trie ist ei­ne der In­ge­nieurs­kunst, der Wohl­stands­si­che­rung für Mil­lio­nen, der Ex­port­stär­ke. Das Au­to war seit Carl Benz nie nur ein Fort­be­we­gungs­mit­tel. Es war Iden­ti­tät. Nost­al­gie ist aber kein Ge­schäfts­mo­dell. Und auch ei­ne Au­to­fah­rer­na­ti­on muss nicht ak­zep­tie­ren, dass die gro­ßen Her­stel­ler of­fen­bar über Jahr­zehn­te Ver­brau­cher ge­täuscht, Emis­sio­nen ver­schwie­gen und Auf­sichts­gre­mi­en aus­ge­trickst ha­ben. Sat­te Ge­win­ne auf Kos­ten der Um­welt. Und die Au­to­lob­by in den Mi­nis­te­ri­en und Be­hör­den schau­te zu.

Ei­ne Gra­tis-Um­rüs­tung der Mo­to­ren ist das Min­des­te, ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung für die Kun­den und ei­ne Ent­schul­di­gung wä­ren beim Die­sel-Gip­fel am Mitt­woch bes­ser. Die Kon­zer­ne kön­nen sich auf emp­find­li­che Stra­fen der EU ein­stel­len, wenn nur Bruch­tei­le der Kar­tell­vor­wür­fe zu­tref­fen.

Be­son­ders dra­ma­tisch ist, dass die Au­to­in­dus­trie die öko­lo­gi­sche Trend­wen­de ver­schläft. Die Welt­nach­fra­ge nach Pre­mi­um-Au­tos mit Ver­bren­nungs­mo­tor wird spä­tes­tens ein­bre­chen, wenn ab­gas­ge­plag­te Schwel­len­län­der wie Chi­na Fahr­ver­bo­te er­las­sen. Au­tos „Ma­de in Ger­ma­ny“wür­den zum La­den­hü­ter. Das ist das ei­gent­li­che Ri­si­ko für die 800.000 Be­schäf­tig­ten. BERICHT UNI­ON UND SPD IM DIE­SEL-CLINCH, TI­TEL­SEI­TE

Na­tür­lich kann man sa­gen, dass die Bun­des­bank nur ein Räd­chen im gro­ßen Ge­trie­be der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) und ih­re Be­deu­tung ge­gen­über den Zei­ten der D-Mark ra­di­kal ge­schrumpft sei. Die Geld­po­li­tik wird bei der EZB ge­macht, und da hat Deutsch­land nicht mehr Ge­wicht als je­des an­de­re Eu­ro-Mit­glieds­land.

Aber dar­auf darf man die Bun­des­bank nicht re­du­zie­ren. An ih­rem 60. Ge­burts­tag soll­te man sie auch ein­mal lo­ben – für ih­re vor­bild­li­che Rol­le als be­stän­di­ger War­ner vor den Fol­gen ei­ner zu lo­cke­ren Geld­po­li­tik. Als un­ent­behr­li­chen Ge­gen­pol zu je­nen Ver­tre­tern eu­ro­päi­scher No­ten­ban­ken, in de­ren Hei­mat­län­dern nied­ri­ge Zin­sen und An­lei­hen­käu­fe herz­lich will­kom­men sind, weil sich mit ih­rer Hil­fe wich­ti­ge Re­for­men hin­aus­schie­ben las­sen.

In der Wort­wahl zu­rück­hal­tend, aber in der Sa­che un­miss­ver­ständ­lich hat Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann die deut­sche Hal­tung im­mer wie­der ver­deut­licht. Ei­ne klu­ge Stra­te­gie auch mit Blick auf 2019, wenn die Nach­fol­ge Ma­rio Drag­his an der EZBSpit­ze ge­klärt wird. BERICHT

VVor­bild Bun­des­bank

Skru­pel­lo­se So­zia­lis­ten

en­e­zue­las re­gie­ren­de So­zia­lis­ten ha­ben im De­zem­ber 2015 die Par­la­ments­wah­len kra­chend ver­lo­ren. Doch an­statt den höchs­ten Sou­ve­rän zu re­spek­tie­ren, ha­ben sie sich ein ei­ge­nes Par­la­ment ge­bas­telt. Seit der Wahl­nie­der­la­ge igno­riert Prä­si­dent Ni­colás Ma­du­ro die Na­tio­nal­ver­samm­lung, re­giert mit Aus­nah­me­zu­stand und Son­der­de­kre­ten ge­gen den er­klär­ten Volks­wil­len. Als der Ver­such schei­ter­te, das Par­la­ment ju­ris­tisch zu ent­mach­ten, kam dem Ex-Bus­fah­rer die Idee, ein­fach ein li­ni­en­treu­es Ne­ben-Par­la­ment zu in­stal­lie­ren.

Die­sen Ver­fas­sungs­kon­vent gibt es nun seit dem blu­ti­gen Wahl­sonn­tag. Bei der Wahl blie­ben knapp zwei Drit­tel des Wahl­vol­kes zu Hau­se, und das ist noch schön ge­rech­net. Ei­ne Bla­ma­ge. Ma­du­ro hat sich skru­pel­los ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Par­al­lel­ge­sell­schaft ge­schaf­fen, die zur Welt­sicht der ve­ne­zo­la­ni­schen So­zia­lis­ten passt. Wer Kri­tik übt, ist ein Va­ter­lands­ver­rä­ter. Wer ei­ne an­de­re Mei­nung ver­tritt, ein La­kai der USA. Wer sei­ne Stim­me ei­ner an­de­ren Par­tei gibt, wird mit ei­nem neu­en Par­la­ment be­straft. Was für ein bit­te­rer Tag für Ve­ne­zue­la. BERICHT

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.