Die Rös­te­rei von Pem­pel­fort

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON NI­CO­LE KAMPE

Im Au­gust vor sechs Jah­ren er­öff­ne­te Ol­ga Gal­li­na ihr Ca­fé an der Schwer­in­stra­ße.

PEM­PEL­FORT Der schöns­te Platz in Ol­ga Gal­li­nas Ca­fé ist die klei­ne Fens­ter­bank, die sie mit Kis­sen aus­ge­legt hat, gleich ne­ben der Röst­ma­schi­ne. Ein paar Ju­te-Sä­cke mit auf­ge­druck­ten Buch­sta­ben hat sie dort hin­ge­stellt, zur De­ko­ra­ti­on, die „Gie­sen“selbst aber nutzt die 42Jäh­ri­ge fast täg­lich. Sie pro­du­ziert ih­ren ei­ge­nen Kaf­fee, wenn die Gäs­te weg sind, sie ih­re Ru­he hat im Ca­fé. Vor sechs Jah­ren hat die Mut­ter ei­nes 25 Jah­re al­ten Soh­nes „Die Kaf­fee Pri­va­t­rös­te­rei“an der Schwer­in­stra­ße er­öff­net, ein Ca­fé woll­te Ol­ga Gal­li­na schon im­mer ha­ben. In der Gas­tro­no­mie hat sie lan­ge ge­ar­bei­tet und ge­lernt, dass sie sich auf ein be­stimm­tes Pro­dukt spe­zia­li­sie­ren will. In ih­rem Fall ist das Kaf­fee, mehr als 20 Sor­ten ver­kauft sie in dem klei­nen La­den in Pem­pel­fort. Ein paar Stü­cke Ku­chen lie­gen in der Vi­tri­ne, ei­ne Hand­voll Crois­sants in ei­nem Korb auf dem Tre­sen – sonst steht nichts au­ßer Kaf­fee auf der Kar­te.

Die Gäs­te kön­nen sich selbst et­was zu Es­sen mit­brin­gen, „das ist so­gar er­wünscht“, sagt Gal­li­na. Ku­chen, Bröt­chen, ei­ne Quiche – al­les, was es im Stadt­teil zu kau­fen gibt. Gleich­zei­tig be­zeich­net sich Ol­ga Gal­li­na als Koch, „ich kre­iere“, sagt sie. Ei­ne Wis­sen­schaft für sich ist Kaf­fee, nie­mals hät­te sie ge­dacht, dass sie noch mal Erd­kun­de pau­ken muss. In der Schu­le hat sie das Fach ge­hasst, sel­ten auf­ge­passt. Ei­ni­ges fehlt ihr heu­te, das holt Gal­li­na jetzt nach. Denn sie will wis­sen, wo­her ihr Kaf­fee kommt, wie der Bo­den dort be­schaf­fen, wie das Kli­ma ist. In­di­en, Thai­land, Gua­te­ma­la, Ko­lum­bi­en und bald be­kommt sie Boh­nen aus Ba­li. Bis­her ha­ben Ol­ga Gal­li­na Geld und vor al­lem Zeit ge­fehlt, in die Län­der zu rei­sen, ir­gend­wann aber will sie sich ih­ren Traum er­fül­len. Ganz oben auf der Lis­te steht In­di­en, dort, wo der Kaf- fee wür­zi­ger schmeckt, kräf­ti­ger. „Ein gu­ter Kaf­fee für den Mor­gen“, fin­det sie. Abends emp­fiehlt sie ei­ne fruch­ti­ge­re Sor­te, aus Süd­ame­ri­ka zum Bei­spiel. Dass es Men­schen gibt, die an­de­re ver­ur­tei­len, weil sie Zu­cker und Milch in ih­ren Kaf­fee schüt­ten, das kann Gal­li­na nicht nach­voll­zie­hen. „Ein Cap­puc­ci­no oder Lat­te sind wie Cock­tails“, sagt sie. „Ich bin eben für De­mo­kra­tie beim Kaf­fee­trin­ken.“

Ge­bo­ren ist Ol­ga Gal­li­na in Kir­gis­tan, sie hat deut­sche, rus­si­sche und ukrai­ni­sche Wur­zeln. Als sie nach Deutsch­land kam, war ihr ers­tes Ziel Bre­mer­ha­ven. „Dort war es so pro­vin­zi­ell“, sagt die 42-Jäh­ri­ge, „ich war ein­fach nicht ver­liebt in die Stadt.“In Düsseldorf wag­te sie ei­nen Neu­an­fang – 1999 war das. In Düsseldorf soll­te sie sich ver­lie­ben, nicht nur in die Stadt, son­dern auch in ei­nen Mann. Vor Kur­zem hat Gal­li­na ge­hei­ra­tet, im Früh­jahr ist sie zur „Un­ter­neh­me­rin des Jah­res“aus­ge­zeich­net wor­den. Viel zu fei­ern gab es bei ihr, das Preis­geld in Hö­he von 1000 Eu­ro hat sie ih­ren Mit­ar­bei­tern ge­schenkt, „oh­ne das Team gä­be es das Ca­fé nicht“.

RP-FOTO: NI­CO­LE KAMPE

Ol­ga Gal­li­na rös­tet die Boh­nen selbst. In ih­rem klei­nen Ca­fé an der Schwer­in­stra­ße steht ei­ne Röst­ma­schi­ne.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.