Der nächs­te Die­sel­gip­fel kommt be­stimmt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON BIR­GIT MARSCHALL VON GE­ORG WIN­TERS VON LOTHAR SCHRÖDER ÖF­FENT­LI­CHE KUNST LEBT GE­FÄHR­LICH, SEI­TE B 4

Die Er­geb­nis­se des Die­sel­gip­fels las­sen zu wün­schen üb­rig. Mit Soft­ware-Up­dates bei fünf Mil­lio­nen Die­sel-Pkw wird das Pro­blem zu ho­her Stick­oxid-Emis­sio­nen nicht aus­rei­chend ge­löst. Zu­mal nicht klar ist, wie vie­le Die­sel­fah­rer dem Nach­rüs­tungs­auf­ruf fol­gen wer­den. Die ech­te Um­rüs­tung der Mo­to­ren wä­re für die In­dus­trie viel teu­rer ge­wor­den, des­halb woll­te sie die ver­hin­dern. Die Po­li­ti­ker poch­ten auf schnel­le Lö­sun­gen, die sie sich eher von den Up­dates er­hof­fen. Ech­te Um­rüs­tun­gen sind aber nicht vom Tisch.

Für die Au­to­mo­bil­wirt­schaft ist die Um­rüs­tung der ÖPNV-Flot­ten auf emis­si­ons­ar­me E-Fahr­zeu­ge der Kern des Maß­nah­men­pa­kets – ein Ar­muts­zeug­nis. Zu ei­ner Be­tei­li­gung an dem Fonds für Kom­mu­nen, die ih­re Bus­se um­rüs­ten sol­len, hat sie sich aber nur nach lan­gem Zö­gern wi­der­wil­lig durch­ge­run­gen. Wie schnell Kom­mu­nen re­agie­ren, ist of­fen. Eben­so wer­den „Um­stiegs­prä­mi­en“für Au­to­käu­fer we­nig be­wir­ken, weil sie nur Prei­se er­hö­hen dürf­ten. Auf EAu­tos stei­gen die Leu­te erst um, wenn Reich­wei­ten ver­bes­sert und Prei­se dras­tisch ge­senkt wer­den.

Die­ser Die­sel­gip­fel war si­cher nicht der letz­te. Die Ko­ali­ti­on hofft nur, dass der nächs­te un­an­ge­neh­me Ter­min erst nach der Bun­des­tags­wahl statt­fin­det. BE­RICHT NEUE SOFT­WARE FÜR FÜNF MIL­LIO­NEN . . ., TITELSEITE

IKei­ne Pa­nik bei Ei­ern

m Skan­dal um mit Schäd­lings­be­kämp­fungs­mit­teln ver­seuch­te Eier hat die nie­der­län­di­sche Le­bens­mit­tel­be­hör­de ges­tern ein Ei­gen­tor ge­schos­sen. Wer der Na­ti­on erst emp­fiehlt, über­haupt kei­ne Eier mehr zu es­sen, und dann wie­der zu­rück­ru­dert, setzt sich dem Ver­dacht aus, er ha­be die La­ge nicht mehr im Griff. Das ist der schlimms­te Ein­druck, den man ver­un­si­cher­ten Ver­brau­chern ver­mit­teln kann. Was hilft, ist fort­lau­fen­de In­for­ma­ti­on über neue Er­kennt­nis­se und be­trof­fe­ne Be­trie­be. Al­les an­de­re löst nur Pa­nik aus.

Jetzt be­ginnt die Su­che nach den Schul­di­gen. Das sind am we­nigs­ten die Be­trie­be, die Le­ge­hen­nen hal­ten. Al­ler­dings gilt für sie die drin­gen­de Auf­for­de­rung, sich so­fort zu mel­den, wenn sie be­trof­fen sind. Wer das nicht tut, macht sich mit­ver­ant­wort­lich für die Aus­wei­tung des Skan­dals. Schon lei­den jetzt al­le, die mit den Ei­ern Geld ver­die­nen – Be­trie­be, Su­per­märk­te, ver­mut­lich so­gar Hö­fe, die nichts mit ver­seuch­ten Ei­ern zu tun ha­ben. Die Er­fah­rung lehrt, dass auch die Un­schul­di­gen von Ver­brau­chern aus Angst in Sip­pen­haft ge­nom­men wer­den. BE­RICHT FÜNF DEUT­SCHE EIERBETRIEBE GE­SPERRT, TITELSEITE

Es man­gelt an Re­spekt

Mo­der­ne Kunst ist im bes­ten Sin­ne im­mer ei­ne Art Pro­vo­ka­ti­on: ein Wi­der­stand ge­gen die Kon­ven­ti­on, ei­ne Ir­ri­ta­ti­on im Ge­wohn­ten, ei­ne Stö­rung des schein­bar Rei­bungs­lo­sen. Ein ge­wis­ses Streit­po­ten­zi­al ge­hört zu ih­rem We­sen, das noch ge­stei­gert wird, wenn sich Kunster­fah­rung nicht im ge­si­cher­ten Ter­rain von Mu­se­en er­eig­net, son­dern im so­ge­nann­ten öf­fent­li­chen, un­ge­schütz­ten Raum. Dann kommt es zu Kon­fron­ta­tio­nen, die hef­ti­ger sind als üb­lich und bei de­nen auch Res­sen­ti­ments ge­gen al­les Mo­der­ne zum Aus­druck kom­men. Der zu­neh­men­de Van­da­lis­mus – wie jetzt bei der wie­der­hol­ten Be­schä­di­gung von Kunst­wer­ken in Müns­ter – ver­wei­gert je­den Streit. In der Kunst-Ver­nich­tung steckt die Un­fä­hig­keit zur Ar­ti­ku­la­ti­on, der Man­gel an Re­spekt und die Ver­wei­ge­rung, sich auf An­de­res über­haupt ein­zu­las­sen. Wer Kunst zer­stört, möch­te ih­re Über­lie­fe­rung be­en­den. Man muss nicht je­de Kunst mö­gen. Van­da­lis­mus aber ist ein be­denk­li­ches Sym­ptom für un­se­re Ge­sell­schaft. Weil der Lust an Zer­stö­rung im­mer auch der Ver­lust an Neu­gier, Of­fen­heit und To­le­ranz in­ne­wohnt. BE­RICHT

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