„Wo je­mand her­kommt, ist uns nicht wich­tig“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - FO­TO: HORSTMÜLLER

Ein Jahr nach der Fu­si­on zieht der ers­te Vor­sit­zen­de des MSV Düs­sel­dorf ein po­si­ti­ves Fa­zit und traut der ers­ten Mann­schaft viel zu.

Die Zah­len le­sen sich be­ein­dru­ckend. 34 Spie­le, 23 Sie­ge, sechs Re­mis und nur fünf Nie­der­la­gen. Da­zu ein Tor­ver­hält­nis von 116:48. Kein Zwei­fel: Die ers­te Sai­son des Fu­si­ons­ver­eins MSV Düs­sel­dorf war mit der Meis­ter­schaft in der Fuß­bal­lBe­zirks­li­ga samt Auf­stieg in die Lan­des­li­ga ein vol­ler Er­folg. Doch der Klub hat noch viel mehr vor. Herr Mahnin, ken­nen Sie das Schick­sal der DJK SC Flin­gern? MAHNIN Ja, die Ge­schich­te ist mir be­kannt (Der Ver­ein, ent­stan­den 2003 aus der Fu­si­on zwi­schen Ale­man­nia 08 und der DJK Rhein­fran­ken, muss­te 2013 In­sol­venz an­mel­den, nach­dem man sich bei der Sa­nie­rung des Club­hau­ses ver­kal­ku­liert hat­te, Anm. d. Red). War­um wird dem MSV ein sol­ches Schick­sal er­spart blei­ben? MAHNIN Zu­nächst ein­mal, weil wir schul­den­frei sind. Wenn ich mich recht er­in­ne­re, hat Flin­gern da­mals für die Sa­nie­rung des Club­hau­ses und der Um­klei­de­ka­bi­nen mehr als 600.000 Eu­ro aus­ge­ge­ben. Da­zu sol­len sie noch Ver­trä­ge mit Braue­rei­en ab­ge­schlos­sen ha­ben. Ei­nes kann ich ver­spre­chen: So­lan­ge ich ers­ter Vor­sit­zen­der des MSV bin, wird es so­was nicht ge­ben. Der Ver­ein be­steht nun seit ei­nem Jahr – wie fällt Ihr Fa­zit aus? MAHNIN Sehr po­si­tiv. Un­se­re A-Ju­gend hat in die­sem Jahr den Sprung in die Leis­tungs­klas­se ge­schafft, die ers­te Mann­schaft hat den Kreis­po­kal ge­won­nen und ist in die Lan­des­li­ga auf­ge­stie­gen. Da­zu ha­ben wir un­se­re Ju­gend­ab­tei­lung aus­bau­en kön­nen. Ich den­ke, mehr kann man in ei­nem Jahr kaum er­rei­chen. Wo lie­gen noch die größ­ten Bau­stel­len? Viel­leicht in der In­fra­struk­tur? MAHNIN Ich sa­ge es mal so: In­fra­struk­tur wird in ei­nem Sport­ver­ein dann kom­pli­ziert, wenn das Eh­ren­amt nicht funk­tio­niert. Das fängt bei den Trai­nern an und geht bis zum Vor­stand. Da muss man auch das Glück ha­ben, die rich­ti­gen Leu­te da­für zu fin­den. Aber ich den­ke, dass uns auch un­ser sport­li­cher Er­folg in un­se­rer Ent­wick­lung ge­hol­fen hat. Wo­für möch­te der Ver­ein in Zu­kunft ste­hen? Eher als In­te­gra­ti­ons­ver­ein oder als Ver­ein für Je­der­mann? MAHNIN Ganz klar für Je­der­mann. Bei der Fu­si­on war schon an­ge­dacht, den Na­men Hil­lal weg­zu­las- sen, um die Tü­ren für al­le Na­tio­nen und Kul­tu­ren auf­zu­ma­chen. Se­hen Sie sich nur un­se­re Auf­stiegs­mann­schaft an. Da ha­ben Ma­rok­ka­ner zu­sam­men mit Tür­ken, Ja­pa­nern und Deut­schen ge­spielt. Da war es egal, ob sie Mos­lems, Chris­ten oder Ju­den wa­ren. Wo je­mand her­kommt, ist uns wirk­lich nicht wich­tig. Haupt­sa­che er passt zu uns. Er muss sich be­neh­men kön­nen und die Wer­te des Ver­eins mit­tra­gen. Mo­men­tan tei­len Sie sich ja die Sport­an­la­ge am Kik­weg in El­ler mit zwei an­de­ren Sport­ver­ei­nen. Wo soll in Zu­kunft die sport­li­che Hei­mat des Ver­eins lie­gen? MAHNIN In der Ver­gan­gen­heit ha­ben wir uns schon um ei­ne ei­ge­ne An­la­ge be­müht. Un­ser Pro­blem war nur, dass wir im­mer zu klein wa­ren. Der Kik­weg war dann su­per für uns. Wir konn­ten dort ei­ne Ju­gend­ab­tei­lung auf­bau­en. Aber jetzt ist un­ser Be­darf grö­ßer, schließ­lich stel­len wir ab der kom­men­den Sai­son von den Bam­bi­ni bis zur A-Ju­gend al­le mög­li­chen Ju­nio­ren­mann­schaf­ten. Aber die Ge­sprä­che mit der Stadt zu die­sem The­ma sind nicht ein­fach. Gibt es auf­grund die­ser Si­tua­ti­on nicht die Mög­lich­keit, mit an­de­ren Ver­ei­nen zu ko­ope­rie­ren? MAHNIN So weit woll­ten wir gar nicht ge­hen, weil wir ger­ne al­le Mann­schaf­ten auf ei­ner An­la­ge ha­ben wol­len. Trotz al­ler klei­ne­ren Pro­ble­me füh­len wir uns am Kik­weg hei­misch. Zu­mal wir auf­grund der zen­tra­len La­ge ei­nen gro­ßen Zu­lauf von Mit­glie­dern rund um El­ler ha­ben. Das Pro­blem ist nur, dass wir so­gar ei­ni­ge An­trags­stel­ler zu­rück­hal­ten müs­sen auf­grund un­se­rer be­grenz­ten Trai­nings­mög­lich­kei­ten. Zum Sport­li­chen: Die ers­te Mann­schaft hat auf An­hieb den Sprung in die Lan­des­li­ga ge­schafft – war das von An­fang so ein­ge­plant oder kam der Er­folg über­ra­schend? MAHNIN Prin­zi­pi­ell ge­ben wir als Vor­stand nie ein Ziel vor, weil im Ver­lauf ei­ner Sai­son so viel schief­lau­fen kann. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat sich die Mann­schaft zum Bei- spiel erst im Ok­to­ber ge­fun­den. Ab die­sem Zeit­punkt hat sie ge­merkt, dass sie et­was er­rei­chen kann. Gleich­zei­tig fing aber auch ku­rio­ser­wei­se der Trai­ner an zu wa­ckeln. Sie spre­chen es gera­de an. Im Win­ter tausch­ten Sie ih­ren Trai­ner To­ni Pi­s­a­no ge­gen Mo El­mi­mou­ni aus – war­um war die­ser Schritt not­wen­dig? MAHNIN Wir hat­ten das Ge­fühl, dass er die Mann­schaft nicht im Griff hat­te. Im Lau­fe der Hin­run­de hat­ten wir im­mer wie­der Spie­le da­bei, wo der Trai­ner trotz kla­rer Füh­rung wei­ter nach vor­ne ge­spielt hat – das hat uns dann oft Punk­te ge­kos­tet. Ab da wuss­ten wir, dass es so nicht wei­ter­ge­hen kann. Par­al­lel war Mo in Kaarst nicht so zu­frie­den, so dass wir im Win­ter das Ge­spräch mit ihm ge­sucht ha­ben. Das war bes­ser, als al­les so wei­ter­lau­fen zu las­sen und sich am En­de über ei­ne ver­pass­te Chan­ce, sprich den Auf­stieg, zu är­gern. Zu den be­kann­tes­ten Spie­lern der Auf­stiegs­mann­schaft zähl­ten u.a. die Abel­ski-Brü­der. Wie war es mög­lich, sol­che nam­haf­ten Spie­ler für die Be­zirks­li­ga zu ge­win­nen? MAHNIN Der da­ma­li­ge sport­li­che Lei­ter des Ra­ther SV, Mou­n­ir Bo­u­hou, hat den Kon­takt zu den Abels­kis und Mar­cel Pods­zus ver­mit­telt. Ben Abel­ski und Mar­cel wa­ren da­mals auch noch im Vor­stand des RSV tä­tig, ehe sie sich mit dem Ver­ein zer­strit­ten ha­ben, nicht mehr spie­len woll­ten und raus­ge­schmis­sen wur­den. Ich ha­be sie dann ge­fragt, ob sie nicht Lust hät­ten, bei MAHNIN Das hat auch mit dem Trai­ner zu tun. Er setzt auf jun­ge Spie­ler mit Per­spek­ti­ve, die den gro­ßen Sprung noch nicht ge­schafft ha­ben. Bei ihnen kann er noch das Op­ti­mum her­aus­ho­len. Jos­hua Sum­bu­nu ist da so ein Bei­spiel für. Der ist kör­per­lich ei­ne rich­ti­ge Ma­schi­ne, spielt aber min­des­tens zwei Li­gen zu nied­rig. Oder Enes Öz. Den ha­ben wir schon be­ob­ach­tet, als er zum TSV Meer­busch ge­wech­selt ist. Aber letzt­lich ist je­der in un­se­rer Mann­schaft wich­tig. Was trau­en Sie die­ser jun­gen Mann­schaft zu? MAHNIN Wir wol­len erst ein­mal die Li­ga ken­nen­ler­nen, denn es wird mit Si­cher­heit ei­ne harte Sai­son. Da sind mit Meer­busch, Ka­pel­len-Erft oder Vel­bert schon ei­ni­ge Ka­li­ber da­bei. Aber wenn die Mann­schaft ei­nen Schritt nach oben ge­hen möch­te, dann sol­len sie das ma­chen. Sie ent­schei­det dar­über, ob sie den Klas­sen­er­halt, ei­nen Mit­tel­feld­platz oder den Auf­stieg er­rei­chen will. DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TEN TO­BI­AS DINKELBORG UND MA­XI­MI­LI­AN LONN

Die ers­te Mann­schaft des MSV Düs­sel­dorf fei­ert den Auf­stieg in die Lan­des­li­ga.

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