Me-and-All-Ho­tel hat ja­pa­ni­sche Klos

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON ALESSA BRINGS

Das Me-and-All-Ho­tel an der Im­mer­mann­stra­ße hat für sei­ne Gäs­te ei­nen be­son­de­ren Ser­vice. Ei­ne High-Tech-Toi­let­te rei­nigt den Nut­zer per Was­ser­strahl und föhnt ihn an­schlie­ßend tro­cken. Vie­le Be­su­cher fin­den das höchst amü­sant.

STADTMITTE Ken­nen Sie die­se Hilf­lo­sig­keit, die ei­nen über­kommt, wenn man be­merkt, dass der Part­ner das Toi­let­ten­pa­pier auf­ge­braucht und kein neu­es nach­ge­legt hat? Na­tür­lich be­mer­ken Sie das erst, wenn es zu spät ist. Ei­ne Lö­sung wä­re in die­sem Fall die Sa­ni­tär­an­la­ge, die ein Düs­sel­dor­fer Ho­tel in­stal­liert hat. Das „Me and All“auf der Im­mer­mann­stra­ße stellt sei­nen Gäs­ten Toi­let­ten zur Ver­fü­gung, die sonst in Düs­sel­dorf nicht zu fin­den sind: Sie rei­ni­gen den Nut­zer mit Was­ser, so dass der kein Pa­pier mehr braucht.

Hin­ter­grund: Das Ho­tel hat sich mit Rück­sicht auf sei­ne La­ge im „Ja­pan-Vier­tel“auch den ja­pa­ni­schen Hy­gie­ne­stan­dards an­ge­passt. Die so­ge­nann­te Dusch-Toi­let­te sei in Ja­pan sehr be­liebt, sagt ei­ne Spre­che­rin der Lin­der-Ho­tel-Ket­te, zu der die Me-and-all-Ho­tels ge­hö­ren. Rein­lich ist die Dusch-Toi­let­te al­so be­stimmt. Aber an­ge­nehm und nut­zer­freund­lich?

Wäh­rend ei­nes Bu­si­ness­mee­tings soll­te man das WC je­den­falls nicht be­nut­zen. Und viel­leicht auch nicht, wenn man ein Da­te hat und „nur mal eben“ver­schwin­den möch­te. Denn beim Be­tre­ten der Ka­bi­ne merkt man so­fort: Das braucht Zeit. Ne­ben der Toi­let­te ist ei­ne fla­che Tas­ta­tur mit Touch­screen und vie­len Be­die­nungs­mög­lich­kei­ten an­ge­bracht. Zum Glück gibt es ei­ne An­lei­tung – die al­ler­dings sehr lang ist. Toll, was sich der Nut­zer al­les aus­su­chen darf.

Das Ho­tel­per­so­nal be­rich­tet, dass gera­de die Da­men­toi­let­te re­gel­mä­ßig sehr lang be­setzt sei. „Frau­en ge- hen ja ger­ne zu zweit auf die Toi­let­te. Wir wis­sen ge­nau, dass wir nur kurz war­ten müs­sen, nach­dem die Toi­let­ten­tü­re zu­ge­fal­len ist“, sagt ein Re­zep­tio­nist und lacht be­reits bei der Vor­stel­lung. Spä­tes­tens dann sei näm­lich meist lau­tes La­chen zu hö­ren.

Wäh­rend al­so bei­spiels­wei­se die Frau be­geis­tert und in al­ler See­len­ru­he die Wahl zwi­schen drei Was­ser­strahl­ar­ten zur Rei­ni­gung hat, kann der Mann sich in der Lounge des Ho­tels auf der elf­ten Eta­ge zu­rück­leh­nen. Koch und Zu­lie­fe­rer des Hau­ses ist üb­ri­gens Spit­zen­koch Ant­ho­ny Sar­pong, er lie­fert täg­lich chi­ne­si­sche Teig­ta­schen mit Ge­mü­se in ei­ner Brü­he oder Sa­la­te und Pul­led-Pork-Bur­ger ins Ho­tel.

Doch zu­rück zum Ge­sche­hen in der Toi­let­ten­ka­bi­ne. Dort ent­deckt die Be­su­che­rin in­zwi­schen, dass sie nicht nur die Wahl zwi­schen der „La­dy­du­sche“, dem leicht schwin­gen­den oder ei­nem Mas­sa­ge­strahl hat, son­dern auch die Was­ser­tem­pe­ra­tur und den Was­ser­druck ih­ren Wün­schen ent­spre­chend an­pas­sen kann. Jetzt ist schon klar, war­um das Ho­tel­per­so­nal re­gel­mä­ßig La­chen aus den Ka­bi­nen hört.

Aber der Clou folgt erst noch: Nach dem Du­schen wird man ge­föhnt. Im­mer­hin ist das Ziel der rei­ni­gen­den Toi­let­te, dass man kein Pa­pier mehr nut­zen muss. Wie­der ste­hen meh­re­re Knöp­fe zur Ver­fü­gung, näm­lich zur Ein­stel­lung der Luft­tem­pe­ra­tur und zum Star­ten und Stop­pen der Luft­zu­fuhr: Ser­vice wird in die­sem Ho­tel auf je­den Fall groß ge­schrie­ben.

Ein wei­te­rer Vor­teil des WCs ist üb­ri­gens, dass un­an­ge­neh­me Ge­rü­che ab­ge­saugt wer­den. Dies ist auch ein Trend aus Ja­pan: Dort sind schon vie­le Sa­ni­tär­an­la­gen so aus­ge­stat­tet, dass sie kaum mehr an ei­ne eu­ro­päi­sche Toi­let­te er­in­nern. Mitt­ler­wei­le gibt es so­gar ei­nen Wand­ap­pa­rat, der auf Wunsch ein lau­tes Ge­räusch von sich gibt und es nach ei­ner ge­wis­sen Zeit wie­der be­en­det. Gera­de ja­pa­ni­sche Frau­en sind Für­spre­cher des Ap­pa­ra­tes, da ihnen die Vor­stel­lung an­ge­nehm ist, auf der Toi­let­te ge­hört wer­den zu kön­nen. Die­se Funk­ti­on hat das Ex­em­plar in Düs­sel­dorf üb­ri­gens nicht.

Auch man­cher Mann ist von der sa­ni­tä­ren Ein­rich­tung des Ho­tels fas­zi­niert. Andre­as H. war mit Freun­den in der Bar und spiel­te Tisch­ten­nis. Als er an je­nem Abend die Toi­let­te be­trat, war er so be­geis­tert, dass er nicht nur ei­ne hal­be St­un­de in der Ka­bi­ne ver­brach­te, son­dern gleich ei­ne An­schaf­fung ei­ner sol­chen Toi­let­te für sei­ne Woh­nung zu pla­nen be­gann. „Wie ent­span­nend das wä­re, die Toi­let­te ist ja so­gar vor­ge­heizt“, schwärmt er. Das könn­te je­doch ei­ne teu­re An­ge­le­gen­heit wer­den. Das Mo­dell „Sen­sia Are­na“von der Fir­ma Gro­he, das im Ho­tel in­stal­liert wur­de, liegt laut Her­stel­ler bei ei­nem Lis­ten­preis von knapp 2300 Eu­ro.

Ob das Ho­tel die­se Sum­me wirk­lich in­ves­tiert hat, weil es sich auf ja­pa­ni­sche Gäs­te vor­be­rei­ten woll­te, oder weil die Toi­let­ten bei je­dem Be­su­cher ein biss­chen Auf­se­hen er­re­gen, bleibt of­fen. Je­den­falls bringt die­se Toi­let­te – ne­ben den Win­ke­kat­zen und dem ja­pa­ni­schen Kirsch­baum­holz der Ho­tel-Ein­rich­tung – noch et­was mehr ja­pa­ni­schen Flair in die Lan­des­haupt­stadt.

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