Kin­der bau­en ei­ne Stadt im Süd­park

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON PAUL NACHTWEY

Drei Wo­chen lang pla­nen, ge­stal­ten und bau­en die Teil­neh­mer des Fe­ri­en­pro­gramms „Düs­sel­dörf­chen“ei­ne ei­ge­ne Ha­fen­stadt.

OBERBILK Auf ei­nem gro­ßen Holz­schiff sitzt der 13 Jahre al­te Emil und blickt auf die Ha­fen­stadt, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im Süd­park ent­stan­den ist. „Für mich kommt in den Fe­ri­en nichts an­de­res in Fra­ge als das Düs­sel­dörf­chen“, er­zählt er. Emil und sein Freund Ni­k­las (12) sind von den 350 jun­gen Be­woh­nern zu Bür­ger­meis­tern ge­wählt wor­den. Jetzt ha­ben sie al­le Hän­de voll zu tun: Emil ar­bei­tet an sei­nem Wahl­ver­spre­chen und sucht Mit­ar­bei­ter für das Ka­si­no, das heu­te noch er­öff­nen soll. Ni­k­las zählt un­ter­des­sen die Steu­ern, die al­le Be­woh­ner in der Wäh­rung „Düs­se­l­eu­ro“zah­len müs­sen – und die im­mer wie­der zu Dis­kus­sio­nen füh­ren. Ei­ne Par­tei, die das Team als Bür­ger­meis­ter her­aus­for­der­te, woll­te die Steu­ern ab­schaf­fen. „Wir ha­ben dann gut be­grün­det, war­um wir im Düs­sel­dörf­chen Steu­ern brau­chen“, er­in­nert sich Emil, der den Wahl­kampf mit sei­nem Freund doch ge­wann.

Das Düs­sel­dörf­chen ist eben ei­ne rich­ti­ge klei­ne Ha­fen­stadt. Wo vor drei Wo­chen noch ei­ne Wie­se war, wu­seln heu­te die Be­woh­ner durch die Gas­sen, schnit­zen Werk­zeu­ge am La­ger­feu­er oder ver­kau­fen laut­stark Li­mo­na­de in selbst­ge­bau­ten Lä­den. In 20 Werk­stät­ten ha­ben die Kin­der ei­ge­ne Häu­ser und ein Schiff mit Ka­jü­ten und Aus­guck ge­baut. Im Mu­se­um kön­nen die Be­woh­ner Was­ser­kunst be­stau­nen, am Stadt­strand ru­hen sich die Bür­ger nach ge­ta­ner Ar­beit aus, und das Ki­no und der Zir­kus zei­gen re­gel­mä­ßig Vor­füh­run­gen. Mit der „Fla­schen­post“hat die Ha­fen­stadt so­gar ei­ne Zei­tung, die täg­lich neu er­scheint. „Die Kin­der ler­nen, wie ei­ne Stadt funk­tio­niert“, er­klärt Son­ja Hirsch­berg, die das Pro­gramm or­ga­ni­siert. Das Fe­ri­en­pro­gramm für Acht- bis 14-Jäh­ri­ge wird von der Ein­rich­tung Ak­ki ver­an­stal­tet und fin­det jähr­lich in der ers­ten Som­mer­fe­ri­en­hälf­te statt. „Hier lernt man auf ei­ne spa­ßi­ge Wei­se viel für das Le­ben“, fin­det Emil. Die bei­den Bür­ger­meis­ter sind sich ei­nig, dass sie spä­ter nicht als Po­li­ti­ker ar­bei­ten möch­ten. „Aber ich ha­be ei­ne neue Er­fah­rung ge­macht“, re­sü­miert Ni­k­las. Näm­lich wie Wahl­kampf funk­tio­niert und wel­che Auf­ga­ben auf ei­nen Bür­ger­meis­ter war­ten.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Ni­k­las (l.) und Emil ha­ben als Bür­ger­meis­ter der Ha­fen­stadt viel zu tun. Ge­mein­sam mit 350 Kin­dern ha­ben sie die Stadt ge­baut.

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