So funk­tio­niert die neue Be­triebs­ren­te

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON UWE SCHMIDT-KASPAREK

Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung soll Al­ters­ar­mut ver­hin­dern. Die jüngs­te Neu­re­ge­lung bringt Vor­tei­le, bei der Ziel­ren­te aber auch neue Ri­si­ken. Vom Staat gibt es mehr För­de­rung, bei Ries­ter-Ren­ten über den Be­trieb ei­ne Steu­er­er­spar­nis.

DÜSSELDORF Die Be­triebs­ren­te wird lu­kra­ti­ver. Die staat­li­che För­de­rung steigt. Auch Ar­beit­ge­ber er­hal­ten Steu­er­vor­tei­le, wenn sie Ge­ring­ver­die­nern Zu­schüs­se zur Ren­te zah­len. Zu­dem gibt es mit der Ziel­ren­te bald ei­ne neue Spiel­art. Sie soll die Ren­di­te für Be­triebs­rent­ner ver­bes­sern. Da­für ist sie aber ris­kan­ter. Ent­gelt­um­wand­lung Die Be­triebs­ren­te ist nach der ge­setz­li­chen Ren­te die zwei­te Säu­le der Al­ters­vor­sor­ge. Da­ne­ben kann man noch pri­vat vor­sor­gen. Seit 2002 gibt es für je­den Ar­beit­neh­mer ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, auch wenn man nur Teil­zeit ar­bei­tet oder nur ei­nen 450Eu­ro-Job hat. Das Zau­ber­wort heißt Ent­gelt­um­wand­lung: Der Ar­beit­neh­mer kann von sei­nem Chef ver­lan­gen, dass ein Teil des Ge­hal­tes zu­sätz­lich für die Al­ters­vor­sor­ge ge­spart wird. Staat­li­che För­de­rung Die Bei­trä­ge aus dem Brut­to­ge­halt kön­nen steu­er- und so­zi­al­ab­ga­ben­frei ein­ge­zahlt wer­den. Zwar muss die spä­te­re Be­triebs­ren­te ver­steu­ert wer­den, da aber der Steu­er­satz im Ren­ten­al­ter meist nied­rig ist, lohnt sich die Be­triebs­ren­te. Der Ar­beit­ge­ber kann die Vor­sor­ge un­ter­schied­lich or­ga­ni­sie­ren. Mög­lich ist bei­spiels­wei­se ei­ne Pen­si­ons­zu­sa­ge. Da­bei ver­pflich­tet sich das Un­ter­neh­men, bei Ren­ten­ein­tritt die ver­ein­bar­te Leis­tung aus­zu­zah­len. Da­für muss der Ar­beit­ge­ber Rück­stel­lun­gen bil­den. Au­ßer­dem gibt es die Pen­si­ons- und Un­ter­stüt­zungs­kas­sen. Das sind selbst­stän­di­ge Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen, die vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­ziert wer­den. Zu­dem kann der Ar­beit­ge­ber ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung nut­zen. Dann schließt er für sei­nen Be­schäf­tig­ten ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung bei ei­nem ex­ter­nen Un­ter­neh­men ab und zahlt Bei­trä­ge ein. Ziel­ren­te Der Ar­beit­ge­ber muss da­für ge­ra­de­ste­hen, dass der Mit­ar­bei­ter spä­ter die Ren­te auch er­hält. Die­se Haf­tung ist nach Ein­schät­zung von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) bis­her der „Haupt-Hemm­schuh“da­für, dass klei­ne­re Un­ter­neh­men ih­ren Be­schäf­tig­ten von sich aus meist kei­ne Be­triebs­ren­te an­bie­ten. Wäh­rend in gro­ßen Be­trie­ben mit mehr als 1000 Be­schäf­tig­ten et­wa 83 Pro­zent be­reits ih­re Be­triebs­ren­te an­spa­ren, sind es bei Fir­men mit we­ni­ger als zehn Ar­beit­neh­mern ge­ra­de ein­mal 28 Pro­zent. Mit der neu­en Ziel­ren­te soll das nun ge­än­dert wer­den. Sie kann ab 2018 über Ta­rif­ver­trä­ge ver- ein­bart wer­den. Bei der so­ge­nann­ten „Nah­les-Ren­te“gibt es aber auch kei­ne Ga­ran­ti­en mehr. Das Geld der Ar­beit­neh­mer kann dann voll in Ak­ti­en am Ka­pi­tal­markt an­ge­legt wer­den und soll so hö­he­re Ren­di­ten brin­gen. Ob das bei den Ar­beit­neh­mern an­kommt, ist frag­lich. „Die neue Ziel­ren­te ist nur ein In­aus­sicht­stel­len. Erst­mals kön­nen dann auch Be­triebs­ren­ten sin­ken“, warnt bei­spiels­wei­se Ma­thi­as Ul­brich (Hoch­schu­le Schmal­kal­den). Mehr För­de­rung Im­mer­hin müs­sen sich ab 2019 die Ar­beit­ge­ber bei neu­en Ver­trä­gen mit min­des­tens 15 Pro­zent an der Be­triebs­ren­te be- tei­li­gen. Ins­ge­samt dürf­te die Re­form ei­nen Wachs­tums­schub bei Be­triebs­ren­ten be­wir­ken. Denn die „al­ten“Durch­füh­rungs­we­ge blei­ben und wer­den zu­dem ver­bes­sert.

Als be­son­ders ge­lun­gen be­zeich­net Tho­mas Dom­mer­muth vom In­sti­tut für Vor­sor­ge und Fi­nanz­pla­nung (Al­ten­stadt) die Re­form der Ries­ter-Ren­te, die man grund­sätz­lich auch über den Be­trieb ab­schlie­ßen kann. „Das soll­ten Ge­ring­ver­die­ner un­be­dingt nut­zen“, so der Wis­sen­schaft­ler. Laut Dom­mer­muth wä­ren nun für Ge­ring­ver­die­ner För­der­quo­ten von weit mehr als 80 Pro­zent mög­lich. So wird die Gr­und­zu­la­ge beim Ries- tern über den Be­trieb von 154 auf 175 Eu­ro jähr­lich er­höht. Gleich­zei­tig gibt es ei­ne Ver­bes­se­rung bei der Aus­zah­lung: Wer ab 1. Ja­nu­ar 2018 ei­ne Be­triebs-Ries­ter-Ren­te be­kommt, muss da­von kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge mehr ab­füh­ren. Für Ge­ring­ver­die­ner gibt es zu­dem ei­nen Frei­be­trag bei der Grund­si­che­rung. Zu­satz­ren­ten bis 202 Eu­ro sind nun an­rech­nungs­frei. Die­ser Frei­be­trag soll re­gel­mä­ßig an­ge­passt wer­den. In Zu­kunft dürf­ten da­mit die Be­triebs­rent­ner mehr von ih­rer zu­sätz­li­chen Vor­sor­ge ha­ben.

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