Ster­ben­dem Mann das Han­dy ge­stoh­len

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST -

Das Amts­ge­richt ver­ur­teil­te ges­tern ei­ne Frau, die ein Un­fall­op­fer be­stahl. Am En­de gab sie sich reu­ig.

(RP) Vier Mo­na­te Haft auf Be­wäh­rung: Das ist das Ur­teil des Amts­ge­richts ge­gen ei­ne 57-jäh­ri­ge Frau, die im Ju­ni 2015 ei­nem Mann das Han­dy stahl, als er nach ei­nem Ver­kehrs­un­fall am Bo­den lag. Der 67Jäh­ri­ge starb we­nig spä­ter an ei­nem Schä­del-Hirn-Trau­ma.

Der Mann war auf der Bis­marck­stra­ße zwi­schen zwei par­ken­den Au­tos auf die Stra­ße ge­tre­ten. Ein Rad­fah­rer, ein 57-Jäh­ri­ger aus Weg­berg, hat­te noch ge­ru­fen – doch es kam trotz­dem zum Zu­sam­men­stoß zwi­schen ihm und dem Fuß­gän­ger. Das Ver­fah­ren ge­gen den Rad­fah­rer we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung war im April 2016 ein­ge­stellt wor­den, nach­dem meh­re­re Zeu­gen über­ein­stim­mend be­rich­tet hat­ten, dass das Op­fer mit dem Han­dy han­tiert hat­te und da­her ab­ge­lenkt ge­we­sen war.

Pas­san­ten rie­fen ei­nen Kran­ken­wa­gen. Wäh­rend Ret­tungs­sa­ni­tä­ter den schwer ver­letz­ten 67-Jäh­ri­gen be­han­del­ten, lag sein Han­dy et­was ent­fernt auf die Stra­ße – wo es die nun ver­ur­teil­te Frau sah, ein­steck­te und sich in Rich­tung Char­lot­ten­stra­ße da­von­mach­te. Dort wur­de sie von ei­ner Pas­san­tin ge­stoppt, die den Un­fall und den Dieb­stahl be­ob- ach­tet hat­te. „Das hät­test du doch auch ge­macht“, soll die Han­dy-Die­bin zu der Pas­san­tin ge­sagt ha­ben. Die­se Wor­te be­stritt die An­ge­klag­te ges­tern vor Ge­richt. Den Vor­wurf, das Han­dy ge­stoh­len zu ha­ben, räum­te sie da­ge­gen ein. „Das Han­dy lag meh­re­re Schrit­te ent­fernt auf dem Bo­den.“Die Rück­sei­te ha­be sich vom Ge­rät ge­löst, sie ha­be es nur re­pa­rie­ren und dann zu­rück­ge­ben wol­len, sag­te sie vor Ge­richt. Sie will au­ßer­dem nicht ge­wusst ha­ben, wem das Mo­bil­te­le­fon ge­hör­te.

War­um die 57-Jäh­ri­ge es nicht gleich an die Po­li­zei wei­ter­ge­ge­ben hat, konn­te sie nicht er­klä­ren. Oh­ne­hin stieß sie mit die­ser Ver­si­on der Er­eig­nis­se nicht auf of­fe­ne Oh­ren bei der Amts­rich­te­rin. Denn die Frau ist mehr­fach vor­be­straft. Sie ha­be den Dieb­stahl „vol­ler Ge­fühls­käl­te“be­gan­gen, sag­te der Staats­an­walt. Au­ßer­dem sei sie völ­lig un­ein­sich­tig. Das Ge­richt ver­ur­teil­te die Frau zu vier Mo­na­ten auf Be­wäh­rung. Die 57-Jäh­ri­ge zeig­te sich am En­de des Pro­zes­ses reu­ig. Sie sei ge­ra­de zum vier­ten Mal Groß­mut­ter ge­wor­den und ha­be sich vor­ge­nom­men, nun ei­ne bes­se­re Oma zu wer­den.

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