Sohn täuscht Dieb­stahl von 60.000 Eu­ro vor

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Sei­ne 79-jäh­ri­ge Mut­ter woll­te mit dem Geld ih­ren He­im­platz fi­nan­zie­ren.

(sg) Die Ge­schich­te war schon ein biss­chen haar­sträu­bend, mit der ein ehe­ma­li­ger Frem­den­le­gio­när sei­ner Mut­ter den Ver­lust von 60.000 Eu­ro er­klä­ren woll­te. Und weil der 57Jäh­ri­ge in die­se Ge­schich­te auch die Po­li­zei ver­wi­ckelt hat, ver­ur­teil­te ihn ges­tern das Amts­ge­richt zu ei­ner halb­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe.

Die Mut­ter des An­ge­klag­ten ist 79 Jah­re alt, hat ih­re Woh­nung auf­ge­ge­ben und war in ein Al­ten­heim ge­zo­gen. Zur Fi­nan­zie­rung die­ses He­im­plat­zes hat­te sie ih­ren Sohn mit dem Ver­kauf der Ei­gen­tums­woh­nung be­auf­tragt. Der brach­te 60.000 Eu­ro ein, und die­ses Geld ha­be die Se­nio­rin un­be­dingt in bar se­hen wol­len – da­mit be­ginnt die Ge­schich­te des Ver­ur­teil­ten.

Weil die Mut­ter sich nicht mit ei­nem Kon­to­aus­zug zu­frie­den ge­ben woll­te, ha­be er die Schei­ne ein­ge­packt und sich da­mit auf den Weg ins Se­nio­ren­heim ge­macht. Un­ter­wegs ha­be ihn die Frau Ma­ma dann noch ein­mal an­ge­ru­fen und ge­be­ten, doch ei­ne Piz­za mit­zu­brin­gen. Und das brach­te den Sohn in Be­dräng­nis. Die be­vor­zug­te Piz­ze­ria der Se­nio­rin näm­lich lie­ge in ei­ner nicht sehr si­che­ren Ge­gend. Und da woll­te er das vie­le Geld lie­ber nicht mit sich her­um­tra­gen. Denn der ExSöld­ner sitzt im Roll­stuhl, und im Fal­le ei­nes Über­fal­les hät­te er ei­nen Räu­ber nicht ver­fol­gen kön­nen. Al­so ha­be er das Geld zur Si­cher­heit im Au­to de­po­niert, das er ex­tra in der Nä­he ei­ner Po­li­zei­wa­che ge­parkt ha­be.

Doch als er dann mit der Piz­za zu­rück zum Wa­gen kam, muss­te er fest­stel­len: Ein Bö­se­wicht hat­te das Au­to auf­ge­bro­chen und das gan­ze Geld ge­stoh­len. So hat der Mann die Ge­schich­te dann auch der Po­li­zei er­zählt, die zu­erst nach ei­nem Au­to- mar­der fahn­de­te, dann aber doch ei­nen Ver­dacht ge­gen den 57-Jäh­ri­gen ent­wi­ckel­te. Den teil­te auch die Staats­an­walt­schaft, die den ExSöld­ner, der 15 Vor­stra­fen im Re­gis­ter hat, we­gen Vor­täu­schens ei­ner Straf­tat an­klag­te. Auch die Amts­rich­te­rin moch­te die Ge­schich­te des 57-Jäh­ri­gen nicht glau­ben, ver­ur­teil­te ihn und setz­te die Ver­bü­ßung der sechs Mo­na­te zur Be­wäh­rung aus.

Die Mut­ter lebt un­ter­des­sen noch im­mer im Heim. Ob und wie sie die 60.000 Eu­ro noch zu­rück­be­kom­men wird, blieb ges­tern of­fen.

RP-FO­TO: OLI­VER BURWIG

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