Sech­zig Se­kun­den für Frie­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Im Stadt­teil Nie­der­kas­sel, in dem vie­le ja­pa­ni­sche Fa­mi­li­en woh­nen, gibt es ei­nen wun­der­schö­nen ja­pa­ni­schen Gar­ten mit ei­nem tra­di­tio­nel­len Haus und ei­nem bud­dhis­ti­schen Tem­pel. Am Ein­gang des Tem­pels ist ein klei­ner Kas­ten mit vie­len klei­nen kunst­voll ge­fal­te­ten Pa­pier-Kra­ni­chen.

So ein Ori­ga­mi-Kra­nich hat ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung. Nach ei­ner Le­gen­de er­fül­len die Göt­ter ei­nen Wunsch, wenn je­mand tau­send Ori­ga­mi-Kra­ni­che ge­fal­tet hat. Dar­an glaub­te auch Sa­da­ko Sa­sa­ki. Als Zwei­jäh­ri­ge hat­te sie den Ab­wurf der Atom­bom­be auf Hi­ro­shi­ma mit­er­lebt. Zehn Jah­re spä­ter er­krank­te sie an Leuk­ämie, ver­ur­sacht durch die frei­ge­wor­de­ne Strah­lung. Sie kämpf­te ge­gen ih­re Er­kran­kung und fal­te­te 644 Ori­ga­mi-Kra­ni­che, ehe sie nach acht Mo­na­ten im Ok­to­ber 1955 starb.

Die Ge­schich­te von Sa­da­ko Sa­sa­ki be­rührt mich: Die­ses zwölf­jäh­ri­ge Mäd­chen gibt nicht auf. Sie hofft, sie bangt, sie fal­tet Kra­ni­che und am En­de stirbt sie. An ih­rer kur­zen Le­bens­ge­schich­te wer­den mir der gan­ze Irr­sinn ei­nes Krie­ges und be­son­ders der Ein­satz von Atom­waf-

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Jörg Jer­zem­beck-Kuhl­mann ist Pfar­rer der Evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de He­erdt.

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