Wel­che Ab­ga­ben muss ich auf die Ren­te zah­len?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Wann kann ich in Ren­te ge­hen? Was pas­siert mit mei­ner Wit­wen­ren­te, wenn ich hei­ra­te? Un­se­re Le­ser hat­ten vie­le Fra­gen.

DÜS­SEL­DORF (anh) Das In­ter­es­se der Le­ser bei un­se­rer Te­le­fon­ak­ti­on war groß, die Fra­gen viel­fäl­tig. Sechs Ex­per­ten ga­ben ges­tern Aus­kunft. Ei­ne Aus­wahl der The­men. Wenn mein Mann künf­tig 2600 Eu­ro an ge­setz­li­cher Ren­te be­kommt, wird dann mein Ren­ten­an­spruch (vor­aus­sicht­lich 900 Eu­ro) ge­kürzt? ANT­WORT Nein, je­der er­wirbt durch sei­ne Bei­trä­ge ei­ge­ne Ren­ten­an­sprü­che. Die­se wer­den nicht ver­rech­net. An­rech­nun­gen gibt es nur bei der Wit­wen­ren­te: Die­se wird ge­kürzt, wenn die ei­ge­ne Ren­te hoch ist. Die ei­ge­ne Ren­te wird aber in je­dem Fall un­ge­kürzt aus­ge­zahlt. Ich be­kom­me Wit­wen­ren­te und möch­te wie­der hei­ra­ten. Was pas­siert dann mit mei­ner Wit­wen­ren­te? ANT­WORT Ih­re Wit­wen­ren­te fällt nach der Hei­rat weg. Aber Sie kön­nen ei­ne Wit­wen­ren­ten-Ab­fin­dung in Hö­he des 24-fa­chen Wit­wen­ren­ten­be­tra­ges be­an­tra­gen. Das Geld wird in ei­ner Sum­me aus­ge­zahlt. Mei­ne Kin­der wur­den 1983, 1989 und 1993 ge­bo­ren. Für wie vie­le Jah­re be­kom­me ich Müt­ter­ren­te? ANT­WORT Für die Kin­der, die vor 1992 ge­bo­ren sind, wer­den je­weils zwei Jah­re Kin­der­er­zie­hungs­zeit an­ge­rech­net. Für das 1993 ge­bo­re­ne Kind wer­den drei Jah­re an­ge­rech­net. Ein Jahr Kin­der­er­zie­hungs­zeit ent­spricht 31,03 Eu­ro Mo­nats­ren­te. Mein Mann hat über 30 Ent­gelt­punk­te an­ge­sam­melt, ich nur zehn. Wie kann das sein? Wir ha­ben doch bei­de ge­ar­bei­tet. ANT­WORT Ihr Mann wird deut­lich mehr ver­die­nen als Sie. Der­zeit ent­spricht ein Ent­gelt­punkt ei­nem Jah­res­ver­dienst von 37.103 Eu­ro. Mei­ne Frau ist selbst­stän­dig und hat von frü­he­rer Tä­tig­keit ei­nen Ren­ten­an­spruch von 300 Eu­ro im Mo­nat. Sie will 50.000 Eu­ro ein­zah­len, um den An­spruch zu er­hö­hen. Geht das? ANT­WORT Nein. Aber sie könn­te sich frei­wil­lig mit lau­fen­den Ein­zah­lun­gen ver­si­chern. Der mo­nat­li­che Min­dest­bei­trag ist 84,15 Eu­ro, der mo­nat­li­che Höchst­bei­trag liegt bei 1187,45 Eu­ro. Ein Bei­spiel: Wenn sie ein Jahr den Min­dest­bei­trag zahlt, er­höht sich ih­re spä­te­re Mo­nats­ren­te um rund 4,43 Eu­ro. Ich bin im Fe­bru­ar 1955 ge­bo­ren. Ich ha­be 45 Jah­re ge­ar­bei­tet. Wann kann ich in Ren­te ge­hen? ANT­WORT Mit 45 Be­schäf­ti­gungs­jah­ren geht das bei Ih­nen mit 63 Jah­ren und sechs Mo­na­ten, al­so ab Sep­tem­ber 2018. 2022 ha­be ich 45 Jah­re Ar­beits­jah­re voll. Ich bin 1960 ge­bo­ren. Kann ich mit 64 und vier Mo­na­ten oh­ne Ab­schlä­ge in Ren­te ge­hen? ANT­WORT Ja, Sie kön­nen ent­we­der mit 63 Jah­ren die Al­ters­ren­te für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te be­an­tra­gen und müs­sen dann 14,4 Pro­zent Ab­schlag hin­neh­men. Oder Sie nut­zen 2025, al­so mit 65 Jah­ren, die Al­ters­ren­te für be­son­ders lang­jäh­rig Ver­si­cher­te, die dann ab­schlags­frei ist. Wie hoch ist mein Be­steue­rungs­an­teil, wenn ich 2018 in Ren­te ge­he? ANT­WORT Dann sind grund­sätz­lich 76 Pro­zent Ih­rer Ren­te steu­er­pflich­tig. Ob Sie wirk­lich Steu­ern zah­len müs­sen, hängt da­von ab, ob Sie wei­te­re Ein­nah­men ha­ben oder wel­che Ab­zü­ge Sie gel­tend ma­chen kön­nen. Kann ich durch die neue Fle­xi­ren­te frü­her in Ru­he­stand ge­hen? WE­BER Nein, an den Vor­aus­set­zun­gen be­züg­lich des Ren­ten­be­ginns än­dert sich nichts. Muss ich auf die Be­triebs­ren­te auch Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge zah­len? ANT­WORT Wenn Sie in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sind: ja. Dann wird der vol­le Bei­trag fäl­lig. Wenn Sie pri­vat kran­ken­ver­si­chert sind: nein. Denn dann rich­tet sich Ihr Bei­trag ja nicht nach dem Ein­kom­men, son­dern Ih­ren per­sön­li­chen Ri­si­ken und Vo­r­er­kran­kun­gen. Ich be­kom­me spä­ter ei­ne Me­tall­ren­te. Stimmt es, dass ich dar­auf Ab­ga­ben zah­len muss? ANT­WORT Ja. Die Be­steue­rung wird ja seit ei­ni­gen Jah­ren suk­zes­si­ve auf die nach­ge­la­ger­te Be­steue­rung um­ge­stellt. Auch Be­triebs­ren­ten wie die Me­tall­ren­te fal­len dar­un­ter. Zu­dem muss seit 2004 auf al­le Be­triebs­ren­ten der vol­le Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag ge­zahlt wer­den. Ich be­kom­me ei­ne Be­triebs­ren­te, auf die ich den vol­len Satz zur Kran­ken­ver­si­che­rung zah­len muss. Nun wur­de doch die Be­triebs­ren­te re­for­miert. Än­dert sich für mich da­mit et­was? ANT­WORT Nein. Sie müs­sen wei­ter­hin den vol­len Satz von 14,7 Pro­zent plus Zu­satz­bei­trag auf die Be­triebs­ren­te zah­len. Im Rah­men der Be­triebs­ren­ten­re­form wur­den nur die Re­geln für Ries­ter-Ren­ten ge­än­dert: Wer ab 1. Ja­nu­ar 2018 ei­ne Be­triebs­Ries­ter-Ren­te be­kommt, muss da- von kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge mehr ab­füh­ren. Muss ich als Rent­ner ei­gent­lich auch Kir­chen­steu­er und So­li zah­len? ANT­WORT Wenn Sie ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sind, dann müs­sen Sie grund­sätz­lich auch Kir­chen­steu­er und den So­li-Zu­schlag zah­len. Ich ha­be mo­nat­lich 1600 Eu­ro ge­setz­li­che Ren­te und 500 Eu­ro Be­triebs­ren­te. Muss ich Steu­ern zah­len? ANT­WORT Im­mer mehr Jahr­gän­ge wach­sen in die Be­steue­rung der ge­setz­li­chen Ren­te hin­ein. Aber das wird Ih­nen das Fi­nanz­amt sa­gen. Ist die Ries­ter-Ren­te auch steu­er­pflich­tig? ANT­WORT Ja, die Ries­ter-Ren­te wird dem Ein­kom­men zu­ge­rech­net und ist da­mit grund­sätz­lich auch voll steu­er­pflich­tig. Den­noch er­ge­ben sich Vor­tei­le, weil Sie in der An­spar­pha­se Al­ters­vor­sor­ge-Auf­wen­dun­gen von der Steu­er ab­set­zen kön­nen. Zu­dem ist we­gen der pro­gres­si­ven Steu­er der Steu­er­satz im Be­rufs­le­ben in der Re­gel hö­her als im Al­ter. Wir ha­ben als Ehe­paar ei­ne ge­setz­li­che Ren­te von 16.000 Eu­ro im Jahr. Müs­sen wir dar­auf Steu­ern zah­len? ANT­WORT Wahr­schein­lich nicht, im De­tail müs­sen Sie Ihr Fi­nanz­amt fra­gen. Vor al­lem hängt die Fra­ge vom Ren­ten­be­ginn und der Fra­ge wei­te­rer Ein­kom­men ab: Wer 2005 Rent­ner wur­de, muss 50 Pro­zent sei­ner Be­zü­ge ver­steu­ern. Wer in die­sem Jahr in den Ru­he­stand geht, muss 74 Pro­zent ver­steu­ern. Aber nur, wenn er da­mit über dem jähr­li­chen Gr­und­frei­be­trag von 8820 Eu­ro (Ehe­paar: 17.640 Eu­ro) liegt. Mei­ne Toch­ter hat 2006 ei­nen Ries­ter-Ver­trag ab­ge­schlos­sen. Seit 2008 be­kommt sie Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Macht der Ries­ter­ver­trag dann noch Sinn? ANT­WORT Nein, denn Ih­re Toch­ter be­kommt ja kei­ne steu­er­li­che För­de­rung mehr. Sie soll­te den Ver­trag da­her ru­hend stel­len. Mein Sohn ar­bei­tet in den Nie­der­lan­den. Sind die Zei­ten ver­lo­ren für die deut­sche Ren­te? ANT­WORT Nein, spä­ter im Ren­ten­fall wer­den die deut­schen und nie­der­län­di­schen Zei­ten bei der Prü­fung der Ver­si­che­rungs­zei­ten zu­sam­men­ge­rech­net. Auch die nie­der­län­di­schen Zei­ten zäh­len al­so mit. Al­ler­dings wird es spä­ter zwei Zah­lun­gen ge­ben: ei­ne aus den deut­schen Zei­ten und ei­ne aus den nie­der­län­di­schen. Mein Sohn ist 31 Jah­re alt und will vor­sor­gen. Was kann er tun? ANT­WORT Das Wich­tigs­te ist, dass er ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ab­schließt. Dann soll­te er zur pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge ei­ne Ries­terRen­te mit Fondspar­plä­nen ab­schlie­ßen. Zur wei­te­ren pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge kann er auf staat­lich un­ge­för­der­ten Ver­mö­gens­auf­bau set­zen. So könn­te er Geld in In­vest­ment­fonds an­le­gen. Das eig­net sich für jun­ge Men­schen, die noch vie­le Jah­re ein­zah­len kön­nen. Mei­ne Ver­si­che­rung schlägt mir ei­ne Ster­be­geld-Po­li­ce vor. Die soll bei mei­nem Tod 10.000 Eu­ro zah­len für al­le Kos­ten. Brau­che ich die? ANT­WORT Nein, da­von ra­ten wir ab. Wenn Sie Ih­ren Er­ben hel­fen wol­len, Ih­re Be­er­di­gung zu be­zah­len, soll­ten Sie al­ter­na­tiv lie­ber Geld auf Spar­buch, Fest­geld- oder Ta­ges­gel­dKon­ten an­le­gen. Die sind zwar nied- rig ver­zinst, aber li­qui­de. Ih­re Fa­mi­lie kommt im To­des­fall schnell an das Geld. Ich bin 60 und in Al­ters­teil­zeit. Kann ich noch per Ein­mal­zah­lung mei­ne ge­setz­li­che Ren­te auf­bes­sern? ANT­WORT Nein, aber Sie kön­nen sich noch ein paar Jah­re frei­wil­lig ver­si­chern und durch lau­fen­de Ein­zah­lun­gen Ih­ren Ren­ten­an­spruch er­hö­hen. Ich ha­be 200.000 Eu­ro Ka­pi­tal. Wie le­ge ich die am bes­ten fürs Al­ter an? ANT­WORT Es bie­tet sich zum Bei­spiel der Ab­schluss ei­ner pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung in Form ei­ner So­fort­ren­te an, hier wird spä­ter nur der Er­trags­an­teil be­steu­ert und Sie kön­nen das Geld frei ver­er­ben. Oder Sie schlie­ßen ei­nen Aus­zah­lungs­plan bei ei­ner Bank ab. Las­sen Sie sich am bes­ten per­sön­lich be­ra­ten, dann kann auf Ih­re Wün­sche zu Ver­erb­bar­keit und Lauf­zei­ten ein­ge­gan­gen wer­den. Ich ha­be ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung,. Was pas­siert ei­gent­lich, wenn das Un­ter­neh­men plei­te geht? ANT­WORT Für die Bran­che wur­de ein Schutz­schirm na­mens Pro­tek­tor ver­ein­bart, der in­sol­ven­te Un­ter­neh­men auf­fan­gen wür­de. Die Ein­la­gen der Kun­den sind al­so ge­si­chert. In den Fonds müs­sen al­le Ver­si­che­rer ein­zah­len.

FO­TO: ORTHEN

Ex­per­ten (u.v.l.): Re­ne Drie­ver (PSD-Bank Rhein Ruhr), Pe­tra We­ber u. Fran­ces­co Fron­holt (Deut­sche Ren­ten­vers.); ste­hend (v.l.) Tho­mas Hent­schel (Ver­brau­cher­zen­tra­le), Sil­vo En­gels (Pro­vin­zi­al), Den­nis Ge­sie­rich (Com­merz­bank).

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