Die Ein­sam­keit der First La­dy

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FILM - VON ELENA ERBRICH

In „ Ja­ckie“gibt Na­ta­lie Port­man ei­ne be­ein­dru­cken­de Vor­stel­lung.

Wie in Tran­ce wan­delt Ja­ckie Ken­ne­dy durch die ge­styl­ten Räu­me im Wei­ßen Haus. Mit zit­tern­den Hän­den streift sie sich die blut­ver­schmier­te Strumpf­ho­se von den Bei­nen. Un­ter der Du­sche fließt ihr das Blut den Na­cken ent­lang. Es ist das ih­res Man­nes, des US-Prä­si­den­ten John F. Ken­ne­dy. Der Film „Ja­ckie: Die First La­dy“er­zählt vom At­ten­tat auf den Prä­si­den­ten und von den Ta­gen da­nach.

Rah­men­hand­lung des Films ist ei­ne In­ter­view­si­tua­ti­on zwi­schen Jac­que­line Ken­ne­dy, ge­spielt von Na­ta­lie Port­man, und dem Jour­na­lis­ten Theo­do­re H. Whi­te vom „Li­fe“-Ma­ga­zi­ne ei­ni­ge Ta­ge nach der Be­er­di­gung ih­res Man­nes. Ja­ckies Blick ist leer, ih­re Haut zer­knit­tert. Sie steckt sich ei­ne Zi­ga­ret­te nach der an­de­ren an, will aber nicht, dass Whi­te das er­wähnt. Sie er­zählt ihm von den Ge­scheh­nis­sen in Te­xas, dem At­ten­tat und was dar­auf folg­te.

An­de­re Sze­nen zei­gen ihr Le­ben mit John vor dem At­ten­tat, als al­les schein­bar gut war. Mit glat­ter, zar­ter Haus tritt sie vor ein Fern­seh­team und führt es durch das Wei­ße Haus. Stolz, aber mit hau­chen­der Stim­me er­zählt Ja­ckie dem Pu­bli­kum von den Um­bau­ten und den Mö­beln. Re­gis­seur Pa­blo Lar­raín dreh­te die TV-Auf­nah­men selbst, in Schwarz­weiß, an­ge­lehnt an die Auf­nah­men, die 1962 tat­säch­lich ge­macht wur­den.

Zu­rück in Far­be: Ja­ckie sitzt ne­ben dem Sarg ih­res Man­nes im Au­to und fragt den Fah­rer, ob er Ja­mes Gar­field kennt. Die­ser ver­neint. Sie fragt nach Wil­li­am McKin­ley, auch der wur­de er­mor­det. Wie­der ein Nein. Aber Lin­coln kennt er. Dar­auf­hin steht für Ja­ckie fest, dass die Be­er­di­gung ih­res Man­nes ge­nau­so wer­den muss.

Na­ta­lie Port­man spielt die viel­schich­ti­ge Per­sön­lich­keit der Ja­ckie Ken­ne­dy her­vor­ra­gend. Es ist be­klem­mend, wenn sie di­rekt nach dem At­ten­tat ih­re Hän­de auf die of­fe­ne Stel­le im Schä­del ih­res Man­nes presst, wenn sie in der Bord­toi­let­te der Air Force One das Blut aus ih­rem Ge­sicht wischt und wenn sie bei der Ve­rei­di­gung von Lyn­don B. John­son im blut­ver­schmier­ten Ko­s­tüm da­ne­ben­steht und Zu­schaue­rin ih­res ei­ge­nen Le­bens wird.

Re­gis­seur Pa­blo Lar­raín kommt Ja­ckie ganz nah. Er zeigt vie­le Groß­auf­nah­men ih­res Ge­sichts und so be­kommt auch der Zu­schau­er den Ein­druck, die­ser Per­son nä­her zu kom­men. Ein­drucks­voll ist ne­ben Na­ta­lie Port­mans Spiel die Mu­sik des Fil­mes. Die bri­ti­sche Elek­tro­ni­kMu­si­ke­rin und Kom­po­nis­tin Mi­ca Le­vi hat ei­nen Sound­track er­schaf­fen, der sich gleich­sam in die Köp­fe der Zu­schau­er bohrt. Die Ak­kor­de wie­der­ho­len sich per­ma­nent, spit­zen sich zu, fal­len wie­der ab und ver­lei­hen dem Bild so noch mehr Dra­ma­tik.

„Ja­ckie: Die First La­dy“ist ein be­ein­dru­cken­des Dra­ma, das man ge­se­hen ha­ben soll­te.

FO­TO: DPA

Na­ta­lie Port­man als Ja­ckie Ken­ne­dy.

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