Ganz oder gar nicht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT -

Brauch­tum lässt sich nur über­zeu­gend auf­recht­er­hal­ten, wenn man es kon­se­quent lebt. Ve­rän­de­run­gen, die den Sinn der Tra­di­ti­on in Fra­ge stel­len, zer­stö­ren sie. Wenn ein In­ter­es­sent kei­ne Schüt­zen-Uni­form tra­gen will, ge­hört er nicht da­zu. Wenn er nur „Ge­sel­lig­keit“sucht, soll er in ei­ne Kn­ei­pe ge­hen… Ein Schüt­ze, der die Schüt­zen­uni­form ab­lehnt: Ab­surd. Es ist die­se Be­lie­big­keit im Ein­zel­nen, die so viel Tra­di­ti­on zer­stört und Be­son­der­hei­ten ein­eb­net. Heu­te wür­de man von „USP“(uni­que sel­ling po­si­ti­on) spre­chen. Im­mer wird an­geb­li­che To­le­ranz und Ne­ben­säch­lich­keit ei­nes De­tails be­tont. Und doch trifft man das Herz­stück der je­wei­li­gen Tra­di­ti­on. Bei den Schüt­zen ist es die Uni­form, das Mar­schie­ren und die sich dar­aus er­ge­ben­de Ge­sel­lig­keit. Was denn sonst? Das ge­mein­sa­me Trin­ken von Bier? Al­lein Ihr Hin­weis mit Aus­ru­fe­zei­chen! , dass es na­tür­lich um Schüt­zen­fes­te ge­he, zeigt, dass Sie den Sinn von Tra­di­ti­on nicht ver­stan­den ha­ben. Tra­di­ti­on ist et­was, „das seit vie­len Ge­ne­ra­tio­nen über­lie­fert ist und als kul­tu­rel­ler Wert gilt“. Ihr (weit ver­brei­te­ter) Ver­ständ­nis­feh­ler zeigt sich in un­se­rem Land auch im Gro­ßen: z.B. bei der deut­schen Staats­bür­ger­schaft. Man kann sie er­wer­ben, wenn man lan­ge ge­nug im Land ist, kei­ne Straf­ta­ten be­gan­gen hat usw. Leis­ten muss man da­für nichts, nur Selbst­ver­ständ­li­ches. Mit die­ser Be­lie­big­keit zer­stört man den be­son­de­ren Wert un­se­rer Staats­bür­ger­schaft. Aber wie sagt der Düs­sel­dor­fer: „wat nix kost is nix“. An­ders in den USA. Be­wirbt man sich dort um die Staats­bürg­schaft, muss man ei­ne Men­ge nach­wei­sen und leis­ten. Frü­her war es der Dienst in „Viet­nam“als Grund-Be­din­gung (heu­te Gott-seiDank nicht mehr – heu­te muss al­ler­dings ein Top-Di­plo­mat im Irak Dienst für sein Land ge­tan ha­ben. Sonst wird er kein Top-Di­plo­mat). Heu­te ste­hen an­de­re Leis­tun­gen im Vor­der­grund. Wenn der im­mi­grie­ren­de Be­wer­ber dann end­lich den US-Pass be­kom­men, ist er un­end­lich stolz. Und in Deutsch­land? Es ist ein Ver­wal­tungs­akt oh­ne Emo­ti­on, weil al­lem und je­dem die be­son­de­re Be­deu­tung ge­nom­men wird durch die so „coo­len“Stim­men der Be­lie­big­keit. Nein, Schüt­ze kann man nur mit Uni­form und al­lem Tra­ra sein – oder man ist es eben nicht. Cle­mens Jahn Meer­busch Ich war ge­schockt, als ich Ih­re Nach­richt las. Er war in den Acht­zi­gern bei der Be­zirks­re­gie­rung tä­tig und in der Frie­dens­be­we­gung en­ga­giert. Er war vom Typ her ei­ne Per­sön­lich­keit, die vom Auss­ter­ben be­droht ist. An­no 2004 war auch noch sein An­walts­kol­le­ge und Freund Wolf­gang Die­sing mit nur 53 Jah­ren in Ita­li­en plötz­lich ver­stor­ben. War­um lässt Gott oft die Gu­ten so früh ster­ben, fra­ge ich mich als Christ. Gün­ter H. Schul­len­berg Stadt­mit­te

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