Meis­ter am Ran­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Gleich zwei ku­rio­se Wett­be­wer­be wur­den am Wo­che­n­en­de in der Lan­des­haupt­stadt aus­ge­tra­gen: die Düs­sel­dor­fer Meis­ter­schaft im Tisch­fuß­ball und die Tan­dem-Meis­ter­schaft im Skat. Ein­blick in die

Wel­ten zwei­er Sport­ar­ten, die un­ter­schied­li­cher nicht sein könn­ten.

le zu über­tö­nen. 200 Men­schen sind der Ein­la­dung des Tisch­fuß­ball­clubs Düsseldorf (TFC Düsseldorf) ins Zakk ge­folgt und spie­len um Punk­te für die deut­sche Rang­ord­nung. Die Teil­neh­mer­plät­ze sind gänz­lich be­legt, et­li­che Teams aus ganz Deutsch­land sind an­ge­reist. Das Spiel um den klei­nen Kunst­stoff­ball hat sich zu ei­nem ech­ten Sport mit Li­gen und Ver­ei­nen ent­wi­ckelt. Statt des Bauch­ge­fühls der Kn­ei­pen­be­su­cher ent­schei­det ein in­ter­na­tio­na­les Re­gel­werk, das Pa­ti­na al­ter Ki­cker­ti­sche weicht per­fekt ent­wi­ckel­ten Ge­rä­ten.

„Die Mit­glie­der­zah­len in den Ver­bän­den stei­gen ste­tig. Es grün­den sich im­mer mehr Ver­ei­ne und Mann­schaf­ten“, sagt Jens Uh­le­mann, Prä­si­dent des nord­rhein-west­fä­li­schen Tisch­fuß­ball­ver­ban­des. Die pro­fes­sio­nel­le Ver­eins­struk­tur in Deutsch- land sei welt­weit ein­zig­ar­tig, so dass mitt­ler­wei­le auch vie­le Spie­ler aus dem Aus­land zu Tur­nie­ren kä­men.

An den Ti­schen ste­hen Spie­ler in je­dem Al­ter, vie­le ha­ben Tri­kots ih­rer Ver­ei­ne an. Schnell er­kennt man: Wer ex­tra für ein sol­ches Tur­nier an­reist, der möch­te auch ge­win­nen. Kon­zen­triert bli­cken die Spie­ler auf das Feld und hal­ten die Fi­gu­ren mit den Stan­gen im­mer in Be­we­gung. Ge­spielt wer­den drei Sät­ze, je­weils bis fünf To­re. Je­der Hand­griff, je­de Be­we­gung scheint durch­dacht, mit enor­mem Tem­po pas­sen sich die Spie­ler den Ball durch die Rei­hen.

Der Sport ha­be ei­nen ho­hen Wett­be­werbs­fak­tor, sagt Nuß­baum. „Du stehst dei­nem Geg­ner di­rekt ge­gen­über und musst dich schnell auf ihn ein­rich­ten. Ei­ne kon­kre­te Tak­tik kris­tal­li­siert sich oft erst wäh­rend des Spiels raus, wenn man weiß, wie der Geg­ner tickt.“Um die Schwä­chen des Geg­ners zu fin­den und aus­zu­nut­zen, sei es wich­tig, voll­kom­men kon­zen­triert zu sein, er­klärt Micha­el Kam­per­mann: „Du darfst nur an den Ball den­ken und musst al­les an­de­re im Kopf ab­schal­ten!“Der Sport ma­che ihm so viel Spaß, dass er re­gel­mä­ßig zu Tur­nie­ren au­ßer­halb Düs­sel­dorfs fah­re, dort so­gar ge­gen die deut­schen Meis­ter spie­le.

Alex­an­der Di Bel­lo ist ei­ner von ih­nen. Er steht auf Platz 3 der Welt­rang­lis­te, in die­sem Früh­jahr hat er in der Na­tio­nal­mann­schaft bei der WM ge­spielt. Der 25-Jäh­ri­ge hat wie die meis­ten in der Kn­ei­pe mit dem Ki­ckern an­ge­fan­gen. Schnell ha­be er den Ehr­geiz ent­wi­ckelt im­mer bes­ser zu wer­den. „In den ers­ten Jah­ren ha­be ich je­den Tag trai­niert. Nach ei­ner Zeit dach­te ich, ich könn­te schon spie­len, bei den Tur­nie­ren ha­be ich aber voll auf die Müt­ze be­kom­men“, er­in­nert er sich. Weil er schnell Freun­de un­ter den Spie­lern ge­fun­den ha­be, woll­te er trotz­dem wei­ter­ma­chen und trai­nier­te noch mehr. „Tisch­fuß­ball ist wie Schach“, er­klärt di Bel­lo, „ein rei­nes Kopf­spiel.“Bei der WM sei­en die Teil­neh­mer al­le gleich gut. „Spie­le­risch tut sich da nicht mehr viel. Da ent­schei­det sich al­les im Kopf.“

Paul Nacht­w­ey

Es geht Schlag auf Schlag am Tisch von Roland Bü­ten und sei­nen Geg­nern. Kar­ten wer­den ge­mischt, ver­teilt, ge­spielt. Im Mi­nu­ten­takt. 48 Run­den gilt es, in­ner­halb von zwei St­un­den zu spie­len. Es ist die sechs­te Par­tie die­ser Art an dem Wo­che­n­en­de für die Skat­spie­ler. In den letz­ten Run­den wird sich nun ent­schei­den, wer die Tan­dem-Meis­ter­schaft gewinnt. „Es ist fast un­mög­lich, Platz 1 noch auf­zu­ho­len, die Spie­ler dort ha­ben ge­ra­de 17.000 Punk­te Vor­sprung“, sagt Bü­ten. Aber Platz 2, der wä­re noch drin. „Das sind bloß 500 Punk­te. Das kön­nen wir schaf­fen.“

Roland Bü­ten ist aus Er­kelenz zur Tan­dem-Meis­ter­schaft des Deut­schen Skat­ver­ban­des nach Düsseldorf ins Ma­ri­tim-Ho­tel ge­kom­men. Wie der Na­me „Tan­dem“ver­mu­ten lässt, tre­ten die Spie­ler da­bei nicht al­lei­ne, son­dern im Team an. Sie spie­len al­ler­dings nicht zu­sam­men, son­dern an ver­schie­de­nen Ti­schen um die Punk­te, die dann ad­diert wer­den. Bü­ten und sei­ne Geg­ner am Tisch be­le­gen mit ih­ren Part­nern ge­ra­de die Plät­ze fünf bis acht. Je­der von ih­nen will mög­lichst vie­le Spie­le in der letz­ten Run­de für sich ent­schei­den – schließ­lich kön­nen sie bis zu 1000 Eu­ro ge­win­nen. „Aber um das Preis­geld geht es mir nicht, ich bin hier, weil mir das Spaß macht“, sagt Hel­mut Schul­te, der eben­falls mit am Tisch sitzt. „Geht mir auch so, das ist mein Hob­by – ob­wohl ich in der Bun­des­li­ga spie­le“, sagt Oli­ver Gü­the aus Rem­scheid. Ob­wohl die Män­ner (ab­wech­selnd spie­len im­mer drei von ih­nen, der Vier­te gibt die Kar­ten) sich im Spiel nichts schen­ken, ha­ben sie im­mer ei­nen Witz auf den Lip­pen, zie­hen sich ge­gen­sei­tig auf, se­hen den Zug des an­de­ren vor­aus, fach­sim­peln.

Skat auf Ver­eins­ebe­ne, das ist ih­nen wich­tig zu be­to­nen, hat we­nig mit dem Kli­schee der rau­chen­den und trin­ken­den Kar­ten­spie­ler in der Kn­ei­pe zu tun. Im Ge­gen­teil: Rau­chen und Trin­ken auf Wett­be­wer­ben ist ver­pönt. „Es gibt Tur­nie­re, wo man gra­tis trin­ken kann. Da fah­re ich nicht mehr hin“, sagt Roland Bü-

Scrabb­le-Meis­ter­schaft Mas­ken­bild­ner-Meis­ter­schaft Im April kämpf­ten die Schmink­pro­fis ge­gen­ein­an­der. WMimBa­de­wan­nen-Ren­nen Im Düs­sel­strand fin­det die­ses ku­rio­se Ren­nen re­gel­mä­ßig statt. ten. Dass Ti­sch­nach­bar und Geg­ner Oli­ver Gü­the sich trotz­dem ein Bier ge­neh­migt, nimmt er hin – ist aber si­cher, dass des­sen schlech­ter Lauf mit dem Bier zu tun hat.

Skat hat in der Tat ein Image­pro­blem. Nur al­te Men­schen spie­len es, so lau­ten Vor­ur­tei­le, vor­nehm­lich al­te Män­ner, die dann – wie eben er­wähnt – da­bei rau­chen und trin­ken. Das hört Pe­ter Trip­ma­ker, Prä­si­dent des Deut­schen Skat­ver­ban­des, gar nicht gern. „Je­des Jahr bil­den wir bis zu 1500 Schü­ler im Skat­spie­len aus, be­treu­en AGs in Schu­len in ganz Deutsch­land“, er­zählt er. Sie lern­ten dann Kon­zen­tra­ti­on – und Kopf­rech­nen. „Wenn man Schü­ler heut­zu­ta­ge fragt, was drei mal neun er­gibt, kom­men vie­le ins Schleu­dern. Ein Skat­spie­ler wird das oh­ne zu zö­gern be­ant­wor­ten kön­nen.“Na­tür­lich kon­kur­rie­re man ge­ra­de bei den jun­gen Leu­ten mit Sport­ar­ten wie Fuß­ball. Aber selbst wer mit dem Skat auf­hö­re, kom­me ir­gend­wann zu­rück, sagt Trip­ma­ker. Al­ler­dings: Die Mehr­zahl der Spie­ler ist schon äl­ter, das zeigt auch der Blick in die Men­ge der 298 Du­os, die im Ma­ri­tim an­tre­ten. Und auch mehr Frau­en könn­ten es sein: 15 Pro­zent der mehr als 20.000 Mit­glie­der im Deut­schen Skat­ver­band sind weib­lich, schätzt der Prä­si­dent.

Für ihn, der selbst lei­den­schaft­lich ger­ne Skat spielt, gibt es kei­ne bes­se­re Sport­art. „Man muss kon­zen­triert blei­ben bei so ei­nem Tur­nier, und das über Ta­ge. Trotz­dem ist es ge­sel­lig, man fach­sim­pelt zu­sam­men, hat Spaß“, sagt er und liegt mit Bü­ten und Kol­le­gen da­mit voll auf ei­ner Li­nie. Bü­ten hat der­weil sein Ziel knapp ver­fehlt und es le­dig­lich auf Platz 4 ge­schafft. Spaß ge­macht hat es ihm trotz­dem. Lau­ra Ihme

RP-FO­TOS: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Micha­el Kam­per­mann und Falk Nuß­baum (v.l.) am Ki­cker: Als Schü­ler sind die bei­den im Tisch­fuß­ball ge­gen­ein­an­der an­ge­tre­ten.

Sie schen­ken sich nichts – scher­zen aber trotz­dem mit­ein­an­der: die Skat­spie­ler Hel­mut Schul­te, Han­si Eder, Roland Bü­ten und Oli­ver Gü­the (v.l.).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.