Ge­richt: 1,61 Me­ter gro­ße Frau kann zur Po­li­zei

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

DÜS­SEL­DORF (RP/dpa) Ei­ne 161,5 Zen­ti­me­ter gro­ße Frau darf nicht von der Be­wer­bung für die Po­li­zei aus­ge­schlos­sen wer­den, weil sie zu klein ist. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf ges­tern ent­schie­den. Ge­klagt hat­ten die Kre­fel­de­rin Jo­han­na Fee Dill­mann so­wie vier wei­te­re ab­ge­lehn­te Be­wer­be­rin­nen – mit Er­folg. Die Rich­ter kri­ti­sier­ten ges­tern die per Er­lass er­folg­te Fest­set­zung von Min­dest­kör­per­grö­ßen für Män­ner und Frau­en für den Po­li­zei­dienst. Dem­nach müs­sen männ­li­che Be­wer­ber min­des­tens 1,68 Me­ter groß sein, Frau­en 1,63 Me­ter. Da­durch sei­en et­wa Män­ner, die nur 1,67 Me­ter groß aber an­sons­ten ge­eig­net sind, vom Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen. „Wir brau­chen ein Ge­setz, weil Grund­rech­te im Spiel sind“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Andre­as Mül­ler in ei­ner kur­zen Be­grün­dung.

Im Grund­satz se­he das Land 163 Zen­ti­me­ter Kör­per­län­ge als aus­rei­chend für Män­ner und Frau­en im Po­li­zei­dienst an, ar­gu­men­tier­te Rich­ter Mül­ler. Für ei­ne Aus­nah­me vom Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se brau­che es aber ein Ge­setz statt ei­nes Er­las­ses. Die Pra­xis las­se un­ter Um­stän­den auch fach­lich we­ni­ger ge­eig­ne­te Frau­en zum Po­li­zei­dienst zu. „Frau­en­för­de­rung steht nicht über al­lem.“

Die Ge­werk­schaft der Po­li­zei NRW (GdP) for­der­te ei­ne Ab­schaf­fung der star­ren Min­dest­grö­ßen und ei­ne bun­des­wei­te Re­ge­lung. „Na­tür­lich kommt es im Po­li­zei­be­ruf auch auf die kör­per­li­che Durch­set­zungs­fä­hig­keit an“, sag­te der GdP-Vor­sit­zen­de in NRW, Ar­nold Pli­ckert. Dies hän­ge aber nicht al­lein da­von ab, ob Be­wer­ber we­ni­ge Zen­ti­me­ter grö­ßer oder klei­ner sei- en. Klei­ne­re Be­wer­ber könn­ten, wie et­wa heu­te schon in Bay­ern, durch ei­nen sport­li­chen Vor­test ih­re Leis­tungs­fä­hig­keit be­wei­sen.

Jo­han­na Fee Dill­mann fühlt sich durch das Ur­teil be­stä­tigt, auch wenn es am En­de eher ein for­ma­ler Grund ist, der sie bei der Po­li­zei wie­der ins Spiel bringt. „Ich möch­te in ei­ne Di­enst­stel­le mit ei­ner Hun­dert­schaft.“Das Land prüft das Ur­teil jetzt gründ­lich. Wie hoch die Min­dest­grö­ße schließ­lich aus­fal­len wird, ist of­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.