Uni si­mu­liert Woh­nungs­brand mit Con­tai­ner

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON JU­LIA DAGG

Un­se­re Au­to­rin hat ge­tes­tet, wie man sich in ei­nem kom­plett ver­rauch­ten Raum be­wegt.

Hel­lig­keit um­gibt mich, doch se­hen kann ich nichts. Lang­sam set­ze ich ei­nen Fuß vor den an­de­ren, will die Um­ge­bung er­tas­ten. Doch mei­ne aus­ge­streck­te Hand ver­schwin­det im Ne­bel. Das lau­te Ge­räusch des Rauch­mel­ders ent­nervt mich. Doch da: Im nächs­ten Mo­ment spü­re ich die Tür­klin­ke un­ter mei­ner Hand, drü­cke sie her­un­ter – und se­he Ta­ges­licht. Ich ha­be die Run­de durch den Ver­rau­chungs­con­tai­ner auf dem Uni-Ge­län­de gut über­stan­den.

Der 6,5 Me­ter lan­ge Con­tai­ner stand für kur­ze Zeit zwi­schen dem Ge­bäu­de 25.02 und der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek. Stu­den­ten und Be- schäf­tig­te konn­ten dort in ei­ner Si­mu­la­ti­on er­le­ben, wie es sich an­fühlt, bei ei­nem Brand durch ei­nen völ­lig ver­rauch­ten Raum zu lau­fen. Der Con­tai­ner ist mit meh­re­ren Kar­tons, zwei Stüh­len und ei­nem Tisch ge­füllt. Ei­ne Ma­schi­ne er­zeugt wei­ßen Ne­bel, der we­der gif­tig noch ge­fähr­lich ist, aber die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit bei ei­nem Feu­er deut­lich macht. Die St­ab­stel­le des Brand­und Um­welt­schut­zes der Uni­ver­si­tät ko­ope­riert da­für mit der Brand­schutz­fir­ma Bas­ler.

In ei­ner Ein­füh­rung er­klärt de­ren Mit­ar­bei­ter Ben­ja­min Bas­ler mir die Ge­fah­ren von Rauch­gas: Der schwar­ze Rauch, der bei ech­ten Brän­den ent­steht, nimmt ei­nem die Sicht und brennt in Au­gen und Lun­ge. Ga­se wie Koh­len­stoff­di­oxid und Koh­len­stoff­mon­oxid ha­ben ver­hee­ren­de Fol­gen. Das Koh­len­di­oxid zum Bei­spiel ver­drängt den le­bens­not­wen­di­gen Sau­er­stoff aus der Luft. Es kommt zu Atem­not und Be­wusst­lo­sig­keit. „In Fil­men wird häu­fig über­mit­telt, man kön­ne pro­blem­los durch ver­rauch­te Flu­re flie­hen. De fac­to ist das je­doch un­mög­lich“, sagt Bas­ler.

Die ers­te Run­de im Con­tai­ner ist vor al­lem span­nend. Der Ne­bel ist nicht zu dicht, ich ken­ne den Weg und weiß, dass nichts Ge­fähr­li­ches pas­sie­ren kann. Au­ßer­dem reizt mich die Her­aus­for­de­rung: ei­ne Mi­schung aus Ver­steck­spiel und Wett- lauf. Vor dem zwei­ten Durch­gang dre­he ich mich ein paar Mal im Kreis, da­mit ich nicht mehr weiß, in wel­che Rich­tung ich ge­hen muss, at­me ein­mal tief ein, hal­te die Luft an und stür­ze mich wie­der in den Con­tai­ner. Die Si­tua­ti­on fühlt sich nun ech­ter an: Ich ken­ne den Weg nicht mehr, ste­he un­ter Zeit­druck, da ich nicht so lan­ge die Luft an­hal­ten kann.

„Wenn bei ei­nem Brand noch Pa­nik, Hit­ze und Atem­not da­zu­kom­men, wird schon ein kur­zer Flucht­weg von sechs Me­tern wie hier durch den Con­tai­ner le­bens­ge­fähr­lich“, fügt Oli­ver Fahr von der St­ab­stel­le für Brand- und Um­welt­schutz der Uni hin­zu.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Auch die Uni-An­ge­stell­te Da­nie­la Schlei­cher pro­bier­te den Rauch­con­tai­ner auf dem Cam­pus aus.

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