ANA­LY­SE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Der Auf­stieg Nord­ko­reas zur Atom­macht wird sich wohl nicht mehr ver­hin­dern las­sen. Das wird die ge­sam­te Re­gi­on de­sta­bi­li­sie­ren und ver­mut­lich Nach­ah­mer fin­den – die Welt steht vor ei­ner neu­en Run­de nu­klea­rer Rüs­tung.

tung ver­bun­de­nen Ab­sich­ten im Un­kla­ren lässt. Das nu­klea­re Ar­senal soll die USA von ei­nem An­griff ab­schre­cken, aber soll es wo­mög­lich auch ei­nen ei­ge­nen An­griff de­cken? Kim Jong Un ver­folgt schließ­lich das­sel­be au­ßen­po­li­ti­sche Ziel wie schon sein Va­ter und sein Groß­va­ter: die Wie­der­ver­ei­ni­gung der Halb­in­sel un­ter nord­ko­rea­ni­schen Vor­zei­chen. 1950 hat­te das Re­gime des­we­gen den Ko­rea­krieg ent­fes­selt, der drei Jah­re dau­er­te und vier Mil­lio­nen To­te for­der­te. Da­mals grif­fen die USA ein und dräng­ten die Nord­ko­rea­ner zu­rück. Aber wür­den sie das ver­bün­de­te Süd­ko­rea mit der­sel­ben Ent­schlos­sen­heit schüt­zen, wenn sie dies­mal ei­nen ato­ma­ren Schlag­ab­tausch ris­kier­ten, der auch US-Städ­te ver­wüs­ten könn­te?

Das Ge­schäfts­mo­dell des Kim-Re­gimes be­ruht auf Er­pres­sung, und mit der Bom­be ver­fügt Pjöng­jang über das ul­ti­ma­ti­ve Druck­mit­tel. Süd­ko­rea und mög­li­cher­wei­se auch wei­te­ren Nach­bar­län­dern wie Ja­pan zu er­lau­ben, sich zur Ab­schre­ckung eben­falls nu­kle­ar zu be­waff­nen, könn­te Kim zu ge­fähr­li­chen Ak­tio­nen ver­lei­ten und hät­te in je­dem Fall ei­nen ho­hen Preis: Es wä­re wohl nach 40 Jah­ren das Aus für die Nicht­ver­brei­tungs­po­li­tik von Atom­waf­fen. Das­sel­be dürf­te aber auch ein­tref­fen, wenn nichts ge­schieht und sich Nord­ko­rea als ers­tes Schwel­len­land un­ge­straft mit ato­ma­ren In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten aus­rüs­tet. Das wür­de an­de­re Län­der auf den Ge­schmack brin­gen, zu­mal das stets klam­me Nord­ko­rea sei­ne Atom­waf­fen­tech­no­lo­gie wei­ter­ver­scher­beln könn­te – an Staa­ten, aber auch an fi­nan­zi­ell po­ten­te Ter­ror­grup­pen.

Was al­so tun? Ei­gent­lich bleibt nur ein neu­er di­plo­ma­ti­scher An­lauf, um Kim ir­gend­wie ein­zu­he­gen. Man könn­te et­wa ei­nen Ver­such un­ter­neh­men, ihm ei­nen for­mel­len Frie­dens­ver­trag an­zu­bie­ten. 1953 wur­de zum En­de des Ko­rea­kriegs le­dig­lich ein Waf­fen­still­stand ver­ein­bart; streng ge­nom­men be­fin­den sich die USA und Nord­ko­rea al­so wei­ter im Krieg. Ob ein sol­cher Schritt ei­ne Ver­trau­ens­ba­sis mit ei­nem pa­ra­no­iden Re­gime schaf­fen kann, ist nur ei­ne va­ge Hoff­nung. Aber mehr als va­ge Hoff­nung gibt es nicht mehr.

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