„Mein Va­ter ist mein bes­ter Freund“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON THOMAS SCHUL­ZE

Fortuna hat Je­an Zim­mer (23) vom VfB Stutt­gart aus­ge­lie­hen. Das Tri­kot mit der Num­mer 39 schenk­te er sei­nem Va­ter. Der Ab­wehr­spie­ler ist be­reits am Sams­tag beim Po­kal­spiel in Bie­le­feld ein­satz­fä­hig.

Nein, Je­an Zim­mer stand nicht auf der Wun­sch­lis­te von Fried­helm Fun­kel. Trotz­dem hat die Fortuna den 23 Jah­re al­ten Spie­ler für die rech­te Ab­wehr­sei­te ver­pflich­tet. Aber na­tür­lich nicht ge­gen den Wil­len des Trai­ners, im Ge­gen­teil. „Ich ha­be nur kei­ne Wun­sch­lis­te“, sagt Fun­kel, der sich ei­nen Sei­ten­hieb auf die in­zwi­schen völ­lig ver­rück­ten Ab­lö­se­sum­men er­laubt: „Hät­te ich so ei­ne Lis­te, dann stün­den Spie­ler dar­auf, die sich die Fortuna nicht leis­ten kann. Die wür­den dann 200 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten.“

Fun­kel woll­te Zim­mer. Wo­chen­lang hat die Fortuna sich um den Ver­tei­di­ger be­müht, der gut ins An­for­de­rungs­pro­fil passt. „Es ist ein jun­ger Mann, der über ei­ne ge­wis­se Er­fah­rung ver­fügt, der Dy­na­mik und Schnel­lig­keit ein­bringt und auf ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen spie­len kann“, er­klärt der Coach. „Man muss bei der ei­nen oder an­de­ren Ver­pflich­tung Ge­duld ha­ben, so wie wir es auch in der ver­gan­ge­nen Sai­son bei Rou­wen Hen­nings und Ka­an Ay­han hat­ten.“

Dass Zim­mer heu­te in Düs­sel­dorf sein wür­de, da­mit hat er vor ei­nem Jahr wirk­lich nicht ge­rech­net. Sein Ziel war näm­lich die Bun­des­li­ga. Des­halb un­ter­schrieb er vor rund ein­ein­halb Jah­ren beim VfB Stutt­gart ei­nen Ver­trag und kehr­te Kai­sers­lau­tern den Rü­cken. Doch als er im Som­mer bei den Schwa­ben an- kam, wa­ren die in die zwei­te Li­ga ab­ge­stie­gen. Zwar ha­ben sie den di­rek­ten Wie­der­auf­stieg ge­schafft, doch konn­te der Blond­schopf da­zu nicht wie er­hofft bei­tra­gen: Er kam nur 827 Mi­nu­ten zu Ein­satz. Aus sei­ner Sicht zu we­nig. „Ich bin Fuß­bal­ler ge­wor­den, weil ich ger­ne spie­le und nicht weil ich ger­ne trai­nie­re“, sagt er. „Des­halb ist das jetzt für mich auch der rich­ti­ge Schritt. Ich will spie­len, ein­hun­dert Pro­zent ge­ben und da­nach tot ins Bett fal­len.“

Als der VfB am Mitt­woch end­lich be­reit war, ihn aus­zu­lei­hen, ging al­les ganz schnell. „Ich bin di­rekt nach Hau­se ge­fah­ren“, be­rich­tet Zim­mer, des­sen El­tern in der Nä­he von Kai­sers­lau­tern woh­nen. „Dann bin ich mit mei­nem Va­ter nach Düs­sel­dorf ins Ho­tel ge­fah­ren, wo wir über­nach­tet ha­ben. Heu­te mor­gen war dann der Me­di­zin­check, an- schlie­ßend ha­be ich den Ver­trag un­ter­schrie­ben und dann mit der Mann­schaft trai­niert.“

Nach Düs­sel­dorf ist er gern ge­kom­men, weil er „sehr gu­te Er­in­ne­run­gen an das Sta­di­on“hat. „Da ha­be ich mal ein Tor ge­schos­sen.“Das war na­tür­lich nicht aus­schlag­ge­bend für sei­ne Ent­schei­dung: „Die Ver­ant­wort­li­chen ha­ben sich sehr um mich be­müht, und ih­re Idee hat mich über­zeugt. Die Mann­schaft ken­ne ich aus der Li­ga, sie hat ei­ne enor­me Qua­li­tät, und ich will sie noch ein­mal stei­gern.“

Da­zu will er sei­ne Stär­ken ein­brin­gen. „Kampf­geist ist mei­ne Tu­gend“, sagt er. „Ich ge­be nie auf. Au­ßer­dem will ich mit mei­ner Schnel­lig­keit zum Er­folg bei­tra­gen.“Da­bei ist er vielseitig ein­setz­bar: rechts und links, vor­ne und hin­ten. „Aber ich bin in der Ab­wehr ge­lan­det, wo ich auch hin­ge­hö­re.“

Nach­dem er die Vor­be­rei­tung in Stutt­gart ab­sol­viert hat, fühlt er sich fit. Ob er aber schon am Sams­tag (18.30 Uhr) im Po­kal­spiel bei Ar­mi­nia Bie­le­feld zum Ein­satz kommt? „Ich bin be­reit“, sagt Je­an Zim­mer, der auf der Alm aber si­cher dem Ka­der an­ge­hö­ren wird. Sein Va­ter Frank wird auch vor Ort sein. „Ich spie­le seit mei­nem fünf­ten Le­bens­jahr Fuß­ball, und er hat höchs­tens zehn Spie­le von mir nicht ge­se­hen. Mein Va­ter ist mein bes­ter Freund.“Des­halb be­kam er auch das ers­te Fortuna-Tri­kot mit der Num­mer 39 von sei­nem Sohn ge­schenkt.

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