Das un­ge­nutz­te Po­ten­zi­al der Kul­tur­räu­me auf Zeit

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON LAU­RA IH­ME UND CHRIS­TO­PHER TRINKS RP-FO­TO: ANNE ORTHEN

Im Post­post kön­nen Krea­ti­ve ein­mal in der Wo­che frei die Räu­me nut­zen. Doch die Nach­fra­ge könn­te grö­ßer sein. Bei der Ver­mitt­lung von Ge­bäu­den zur Zwi­schen­nut­zung gibt es ganz an­de­re Pro­ble­me.

Düs­sel­dorf wächst und wächst. Die Or­te, an de­nen sich Kul­tur­schaf­fen­de ent­fal­ten kön­nen, ver­schwin­den. Gleich­zei­tig ist der Wunsch in der Krea­tiv­sze­ne groß, Rä­um­lich­kei­ten und Ge­bäu­de zu­min­dest auf Zeit – zur so ge­nann­ten Zwi­schen­nut­zung – in Be­schlag neh­men zu kön­nen, sie mit Kunst, Mu­sik und Ide­en zu fül­len. Zu­min­dest in der Theo­rie. In der Pra­xis ha­ben Ver­mitt­ler der Kul­tur­räu­me auf Zeit und je­ne, die sie ver­wal­ten, mit al­ler­lei Pro­ble­men zu kämp­fen, müs­sen nach Nut­zern su­chen und für je­des Pro­jekt den ge­eig­ne­ten Raum fin­den.

„Sa­gen wir es mal so: Der Wunsch ist groß, aber die Ta­ten, die fol­gen, sind ge­ring“, fasst es zum Bei­spiel Chris­ti­an Flei­scher zu­sam­men. Mit sei­ner Agen­tur Zack Bumm ver­wal­tet er die Zwi­schen­nut­zung des ehe­ma­li­gen Post­ver­teil­zen­trums an der Er­kra­ther Stra­ße, hat das Post­post ge­schaf­fen. Auf dem 39.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Ge­län­de gibt es 30 Ate­liers, die der­zeit von 70 Künst­lern ge­nutzt wer­den, un­ter dem Na­men „La­den ein“ser­viert dort au­ßer­dem in ei­nem klei­nen Re­stau­rant al­le zwei Wo­chen ein an­de­rer Koch sei­ne Krea­tio­nen. Und un­ter dem Ti­tel „Hash­tag“ste­hen die Räu­me mitt­wochs Künst­lern und Krea­ti­ven zur frei­en Ver­fü­gung. Ge­nau an die­ser Stel­le hakt es je­doch: „Wir müs­sen die Leu­te ak­tiv an­spre­chen. Bei den Mu­si­kern ha­ben wir ganz gu­te Kon­tak­te, an­de­re Künst­ler zu er­rei­chen, ist schwer“, sagt Flei­scher. Sei­ne Agen­tur or­ga­ni­siert auch das „Open Sour­ce Fes­ti­val“, dem­ent­spre­chend gut ist er in der Mu­sik­sze­ne ver­netzt.

Er wünscht sich, dass die Künst­ler den Raum, den sie be­kom­men kön­nen, auch in An­spruch neh­men: „Sie ha­ben die Chan­ce, Düs­sel­dorf für ei­nen kur­zen Zei­t­raum mit­zu­ge­stal­ten. Das soll­ten sie auf je­den Fall nut­zen“, sagt er. Sie müss­ten ak­ti­ver wer­den, je­ne Mög­lich­kei­ten, die sich ih­nen bie­ten, zu er­grei­fen. Das ge­sche­he zu we­nig.

Lars Ter­lin­den vom Kom­pe­tenz­zen­trum Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft kennt eben­falls die Pro­ble­me, die es bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von kul­tu­rel­len Zwi­schen­nut­zungs­mög­lich­kei­ten gibt – al­ler­dings auf ei­ne an­de­re Wei­se: Er ist der Fach­mann der Stadt für die­ses The­ma und sucht für Künst­ler oft lan­ge nach pas­sen­den Räu­men für ih­re Pro­jek­te. Da­bei ist er je­doch für die Ver­mitt­lung und Hil­fe bei der Rea­li­sie­rung ei­nes Kon­zep­tes zu­stän­dig, nicht für das Pro­jekt selbst. Bis ein Raum oder ein Ge­bäu­de tat­säch­lich zur Zwi­schen­nut­zung frei­ge­ge­ben wird, be­darf es viel Ar­beit: Ter­lin­den und sei­ne Mit­ar­bei­ter ver­mit­teln zwi­schen Ver­an­stal­tern und Äm­tern, er­läu­tern recht­li­che Fra­gen und zei­gen auch mög­li­che Al­ter­na­ti­ven auf. „Es ist ja nicht so, dass man ein­fach je­man­dem ei­nen Schlüs­sel über­gibt und fer­tig. Wir sind da­zu da, zu schau­en, ob das Ge­plan­te über­haupt mit den gan­zen Auf­la­gen ver­ein­bar ist“, sagt er. Ver­si­che­run­gen, Brand­schutz­auf­la­gen, Lärm­be­las­tung – das al­les muss erst von den Be­hör­den ab­ge­seg­net wer­den, be­vor ein Ge­bäu­de zwi­schen­ge­nutzt wer­den kann. „Vie­le wis­sen gar nicht, was al­les da­zu­ge­hört und über­he­ben sich dem­ent­spre­chend manch­mal mit ih­rem Kon­zept“, er­läu­tert Ter­lin­den wei­ter.

Die meis­ten An­fra­gen be­kommt er aus der Kul­tur­sze­ne. Für Künst­ler und Co. ist er aber kein Im­mo­bi­li­en­mak­ler, das muss er im­mer wie­der be­to­nen: „Wir prü­fen die Mach­bar­keit, bie­ten je­doch kei­ne Im­mo­bi­li­en an. Denn die Ent­schei­dung ob­liegt ja im­mer noch den je­wei­li­gen Be­sit­zern. Das kann ein sehr auf­wen­di­ger Pro­zess wer­den.“Sein Tipp ist des­halb für al­le, die ei­nen Raum nut­zen wol­len: auch Be­reit­schaft zei­gen, ei­nen Dämp­fer zu kas­sie­ren, wenn es nicht auf An­hieb funk­tio­niert.

Im „La­den ein“auf dem al­ten Post­ge­län­de ko­chen ver­schie­de­ne Gas­tro­no­men. Das Pro­jekt läuft gut. Mit den Künst­lern ist es schwe­rer.

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