Bi­bel­tanz und po­li­ti­sches En­ga­ge­ment

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KIRCHEN - VON TAN­JA KARRASCH

Kfd-Mit­glied Eli­sa­beth Schmitz-Jan­ßen spricht über Zwei­fel an der ka­tho­li­schen Kir­che und war­um sie den­noch schon lan­ge ak­tiv ist.

KAISERSWERTH Wä­ren die Din­ge an­ders ge­lau­fen, hät­te Eli­sa­beth Schmitz-Jan­ßen der ka­tho­li­schen Kir­che schon längst den Rü­cken ge­kehrt. Dass es nicht da­zu kam, führt sie auf ih­re Ju­gend als Pfad­fin­de­rin zu­rück. Got­tes­dienst auf dem Fuß­bo­den zwi­schen Stock­bet­ten in der Ju­gend­her­ber­ge, Ge­be­te im Frei­en, drau­ßen auf der Wie­se, und die­se be­son­de­re Ge­mein­schaft: „Dass ich so früh er­lebt ha­be, dass Kir­che auch ganz an­ders sein kann, hat mei­nen Glau­ben ge­stärkt“, sagt sie.

Vie­le Jah­re spä­ter soll­te sie die­se Art der Ge­mein­schaft wie­der­fin­den: Da­mals grün­de­te sich in Kaiserswerth ei­ne Grup­pe der Ka­tho­li­schen Frau­en­gemein­schaft Deutsch­lands (Kfd). Dass dort mit ei­ner Pas­to­ral­re­fe­ren­tin ein eher spi­ri­tu­el­ler Zu­gang zu Glau­bens­fra­gen prak­ti­ziert wur­de, sprach Schmitz-Jan­ßen an. „Wir ha­ben ge­mein­sam die Bi­bel durch­fors­tet und uns aus un­se­rem Kin­der­glau­ben ge­löst“, er­in­nert sich die 67-Jäh­ri­ge. Als Kind in der ka­tho­li­schen Kir­che stel­le man nichts in Fra­ge. „Aber die Fra­gen kom­men mit der Zeit, das ist nor­mal. Zum Zu­sam­men­le­ben mit dem Part­ner, zur Er­zie­hung, zur Rol­le der Frau in der Kir­che.“Ant­wor­ten ha­be sie in der Pre­digt sel­ten ge­fun­den, je­doch in der Frau­en­grup­pe. „Ich ha­be zum Bei­spiel, als wir uns mit Mess­tex­ten aus­ein­an­der­ge­setzt ha­ben, die ich schon Tau­send Mal au­to­ma­ti­siert run­ter­ge­be­tet hat­te, ver­stan­den, dass die Mess­fei­er ein gro­ßer Schatz ist“, sagt Schmitz-Jan­ßen. „Wir ha­ben ver­sucht, die In­hal­te mit ei­ge­nen Wor­ten aus­zu­drü­cken, um ei­nen Be­zug da­zu zu be­kom­men. Dann wur­den uns die Tex­te wich­tig.“

Der Got­tes­dienst fand da­bei meist nicht auf har­ten Holz­bän­ken in der Kir­che statt, son­dern im Stuhl­kreis und an der fri­schen Luft. „Be­ten kann ja je­der über­all“, sagt Schmit­zJan­ßen. Auch Me­di­tie­ren, Sin­gen oder Tan­zen ge­hör­ten für die Frau­en da­zu. Da­mals war die Grup­pe mit den exo­ti­schen Got­tes­dienst­for­men in der Ba­si­li­ka Kaiserswerth nicht gern ge­se­hen. Und noch heu­te ver­misst Schmitz-Jan­ßen fri­schen Wind in der ka­tho­li­schen Kir­che: „Es wird nach wie vor sehr viel Wert auf al­te Tra­di­tio­nen ge­legt, statt zu ak­zep­tie­ren, dass jun­ge Men­schen an­de­re We­ge brau­chen“, sagt sie. Auch für sie sei es schwie­rig aus­zu­hal­ten ge­we­sen, fest in Tra­di­tio­nen ein­ge­bun­den zu sein.

In der Kfd hat Eli­sa­beth Schmit­zJan­ßen so et­was wie Hei­mat ge­fun­den, mitt­ler­wei­le ist sie seit gut 20 Jah­ren ak­tiv. „Mit den Frau­en hier füh­le ich mich sehr wohl, wir freu­en uns auf und über ein­an­der.“Das Bi­bel­tan­zen ist bis heu­te aus den Grün­dungs­zei­ten der Grup­pe üb­rig­ge­blie­ben. In Kaiserswerth hat die Kfd rund 85 Mit­glie­der, die meis­ten sind 50 oder äl­ter. Die Frau­en­gemein­schaft setzt sich auch für po­li­ti­sche The­men ein, zum Bei­spiel glei­che Be­zah­lung von Frau­en. Die Rol­le der Frau in der Kir­che fin­det Schmitz-Jan­ßen ver­al­tet. Ein Bei­spiel: „Ich könn­te die Kri­se krie­gen, wenn die Kir­che vol­ler Frau­en sitzt, und der Lek­tor spricht uns mit ‘Brü­der‘ an.“Da­bei en­ga­gier­ten sich ge­ra­de Frau­en stark in der Kir­che.

Neue Mit­glie­der für die Kfd zu wer­ben, sei schwer, sagt die Leh­re­rin im Ru­he­stand. „Ich glau­be aber, dass vie­le Men­schen auf der Su­che nach Sinn sind.“Es kön­ne Halt im Le­ben ge­ben, nicht nur auf Men­schen, son­dern auch auf Gott ver­trau­en zu kön­nen. Des­halb ist auch sie ka­tho­lisch ge­blie­ben. „Ich glau­be ganz fest dar­an, dass Gott mir den Auf­trag ge­ge­ben hat, sein Wort wei­ter­zu­ge­ben. Und das kann ich nur im Aus­tausch mit an­de­ren Men­schen“, sagt sie.

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