Rent­ne­rin soll Schwarz­fah­re­rin sein

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON NI­CO­LE KAMPE

Spon­tan fuhr Bea­tri­ce von Hei­men­dahl mit der Stra­ßen­bahn von der Uni bis in die In­nen­stadt. Sie stem­pel­te ei­ne Fahrt ih­res Vie­rer­ti­ckets ab, muss jetzt aber 60 Eu­ro be­zah­len, weil die Fahr­kar­te vor ein paar Wo­chen ab­ge­lau­fen ist.

Dass Bea­tri­ce von Hei­men­dahl in ir­gend­ei­ner Ak­te als Schwarz­fah­re­rin ver­merkt sein könn­te, das kann die 73-Jäh­ri­ge nicht ak­zep­tie­ren. „Das geht mir wirk­lich ge­gen den Strich.“In ih­rem Le­ben ist die Rent­ne­rin noch nie oh­ne Ti­cket in ei­ne Bahn oder in den Bus ge­stie­gen – sie ist so­gar so vor­aus­schau­end und kauft Vie­rer-Fahr­kar­ten am Ki­osk als Re­ser­ve, für den Fall, dass der Au­to­mat an der Hal­te­stel­le ka­putt ist. „Ich fah­re ab und zu mal spon­tan nach Düs­sel­dorf“, sagt von Hei­men­dahl, die in Hil­den wohnt. Da will sie sich nicht noch um ein Ti­cket küm­mern müs­sen. So auch am 18. Ju­li, als sie ihr Au­to in der Nä­he der Hein­richHei­ne-Uni park­te, um von dort aus mit der Stra­ßen­bahn zur Volks­hoch­schu­le zu kom­men. „In der In­nen­stadt gibt es ja nicht so vie­le Park­plät­ze“, sagt von Hei­men­dahl. Als ein Kon­trol­leur von Hei­men­dahls Fahr­kar­te prüf­te und ihr sag­te, ihr ab­ge­stem­pel­tes Ti­cket sei ab­ge­lau­fen, ent­schul­dig­te sich die Rent­ne­rin und kram­te so­fort ein an­de­res Ti­cket aus dem Porte­mon­naie. „Aber das ist wohl auch ab­ge­lau­fen ge­we­sen“, er­in­nert sich die 73-Jäh­ri­ge. Der Kon­trol­leur ver­lang­te Bea­tri­ce von Hei­men­dahls Aus- weis und kün­dig­te das Buß­geld in Hö­he von 60 Eu­ro an. „Ich ha­be ein­fach nicht er­kannt, dass das Ti­cket nicht mehr gül­tig ist“, sagt die Se­nio­rin, die auf ein biss­chen mehr Ku­lanz ge­hofft hat.

So­fort brach­te sie die üb­ri­gen Fahr­kar­ten – „ich ha­be im­mer ei­ne der Preis­stu­fe A und ei­ne der Preis­stu­fe B“, sagt von Hei­men­dahl – in das Rhein­bahn-Kun­den­cen­ter in Hil­den, um die­se ge­gen neue Kar­ten aus­zu­tau­schen und den Dif­fe­renz­be­trag zu zah­len. „Fünf Cent pro Fahrt macht die Dif­fe­renz zum neu­en Ta­rif aus“, sagt die Hil­de­ne­rin, für fünf Cent Dif­fe­renz müs­se sie jetzt 60 Eu­ro Stra­fe zah­len und sei zu­dem ei­ne Schwarz­fah­re­rin. Schnell war der Brief von der Rhein­bahn bei ihr, am glei­chen Tag noch be­zahl­te sie das Buß­geld, „auch wenn ich mich wahn­sin­nig ge­är­gert ha­be“.

Dass die Rhein­bahn bei Bea­tri­ce von Hei­men­dahl nicht ein Au­ge zu­drückt, hat fol­gen­den Grund: „Wir kön­nen den Leu­ten nur vor den Kopf gu­cken“, sagt Un­ter­neh­mens­spre­cher Georg Schu­ma­cher. Er fürch­tet, dass sich vie­le Tritt­brett­fah­rer mel­den wür­den. Ein­mal im Jahr, meist zum Jah­res­wech­sel, wür- den die Ti­cket­prei­se der Rhein­bahn stei­gen. Ei­ne Ku­lanz­frist ge­be es, drei Mo­na­te lang kön­nen Fahr­gäs­te mit dem Ti­cket aus dem Vor­jahr noch im neu­en Jahr fah­ren. An­schlie­ßend könn­te das Ti­cket zwei Jah­re lang um­ge­tauscht wer­den. Er emp­fiehlt al­len Fahr­gäs­ten, skep­tisch mit äl­te­ren Kar­ten zu sein. Im Zwei­fel soll­ten sie den Preis auf dem Ti­cket mit dem ak­tu­el­len Preis der Ka­te­go­rie ver­glei­chen, im In­ter­net sei das mög­lich oder kos­ten­pflich­tig un­ter der Service-Ruf­num­mer.

Un­be­grenzt halt­bar könn­ten Ti­ckets nicht sein, weil sich Fahr­gäs­te ei­nen Vor­rat zu­le­gen könn­ten, be­vor die Prei­se stei­gen. „So zahlt der Kun­de den Preis, der aus­ge­ru­fen ist“, sagt Schu­ma­cher und ver­weist auf stei­gen­de Per­so­nal- und Ener­gie­kos­ten. Da­mit von Hei­men­dahl nicht noch mal in die­se Fal­le läuft, gibt Georg Schu­ma­cher ihr den Tipp, sich ein Abo zu­zu­le­gen. „Da wer­den die Kos­ten au­to­ma­tisch ab­ge­zo­gen. „Nur für die paar Mal, die ich im Jahr fah­re, brau­che ich doch kein Abo“, sagt die 73-Jäh­ri­ge. Wür­de sich die Se­nio­rin die Smart­pho­ne-App zu­le­gen, dann müss­te sie auch kei­ne Sor­ge ha­ben, dass die Ti­ckets ver­fal­len. „Die Pa­ke­te dort be­hal­ten ih­re Gül­tig­keit“, sagt Schu­ma­cher. Ei­ne Fahr­kar­ten-App aber kann Bea­tri­ce von Hei­men­dahl nicht be­die­nen.

RP-FO­TO: STE­PHAN KÖHLEN

Bea­tri­ce von Hei­men­dahl ist ver­är­gert, weil die Rhein­bahn sie wie ei­nen Schwarz­fah­rer be­han­delt. Da­bei hat­te sie ein Ti­cket, dass sie so­gar ab­ge­stem­pelt hat­te. Die Se­nio­rin hät­te sich ein biss­chen mehr Ku­lanz ge­wünscht.

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