Wie­der­ein­stieg leicht ge­macht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - AUTO & MOBIL - VON BRI­GIT­TE BONDER

Vie­le Be­rufs­rück­keh­rer stel­len sich im Vor­feld Fra­gen zur er­for­der­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on. Wer Mo­na­te oder Jah­re aus­ge­setzt hat, ist oft­mals nicht mehr auf dem ak­tu­el­len Stand. Wei­ter­bil­dun­gen kön­nen hel­fen.

Wer im Job ei­ne Pau­se ein­legt, ver­passt oft­mals wich­ti­ge Ent­wick­lun­gen. Da wird in der Fir­ma ei­ne neue Soft­ware ein­ge­setzt oder im ge­lern­ten Be­ruf sind plötz­lich neue Me­tho­den und Tech­ni­ken ge­fragt. „Be­rufs­rück­keh­rer se­hen sich un­ter­schied­li­chen Her­aus­for­de­run­gen ge­gen­über, je nach Stel­le und wie lan­ge sie aus ih­rem ge­lern­ten Be­ruf her­aus sind“, weiß Son­ja Schmitz, Lei­te­rin Ver­trieb am In­sti­tut für Be­ruf­li­che Bildung AG. Das IBB hat sich seit der Grün­dung im Jahr 1985 zu ei­nem der größ­ten pri­va­ten Bil­dungs­an- bie­ter ent­wi­ckelt und ist mit mehr als 180 Stand­or­ten in al­len Bun­des­län­dern ver­tre­ten. „Ei­ni­ge Be­rufs­bil­der ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren sehr stark ver­än­dert, sei es im Be­reich Tech­nik oder ge­setz­li­che Vor­ga­ben.“Je grö­ßer die Ve­rän­de­run­gen, des­to grö­ßer auch die Her­aus­for­de­run­gen für den Be­rufs­rück­keh­rer. „Doch auch die frü­he­re Si­cher­heit und Rou­ti­ne im Job wie­der­zu­fin­den und ei­ne Ba­lan­ce zwi­schen Ar­beit und Fa­mi­lie zu fin­den, kann schwie­rig sein“, be­tont Son­ja Schmitz. „Und das nicht nur bei­spiels­wei­se für Müt­ter, die nach län­ge­rer Zeit in den Be­ruf zu­rück­keh­ren.“

Ei­ne Wei­ter­bil­dung hilft da­bei, die Wis­sens­lü­cken zu schlie­ßen, die sich durch die Un­ter­bre­chung des Ar­beits­le­bens und den fort­schrei­ten­den Wan­del des Be­rufs­bil­des er­ge­ben ha­ben. „Au­ßer­dem kann (bü) Be­triebs­ren­te Teil­zeit­kräf­te üben im Re­gel­fall qua­li­ta­tiv die glei­chen Tä­tig­kei­ten in­ner­halb ei­nes Be­trie­bes aus wie die Voll­zeit­be­schäf­tig­ten. Das be­deu­tet für ei­ne vom Ar­beit­ge­ber an­ge­bo­te­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, dass Teil­zeit­kräf­te nicht schlech­ter be­han­delt wer­den dür­fen als ver­gleich­ba­re voll­zeit­be­schäf­tig­te Ar­beit­neh­mer. Aus­nah­me: Es be­ste­hen sach­li­che Grün­de für ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt: Die­se Re­ge­lung be­ruht auf dem all­ge­mei­nen Prin­zip, dass die Hö­he des Ent­gelts bei Teil­zeit­be­schäf­tig­ten quan­ti­ta­tiv vom Um­fang der Be­schäf­ti­gung ab­hängt. Teil­zeit­ar­beit un­ter­schei­det sich aber von der Voll­zeit­ar­beit nur in quan­ti­ta­ti­ver, nicht in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht. (BAG, 3 AZR 526/14) Be­trug Mit­ar­bei­ter, die als Au­ßen­dienst­ler bei den Abrech­nun­gen fal­sche Da­ten ein­tra­gen, kön­nen frist­los ent­las­sen wer­den. Dies auch dann, wenn ein Teil die­ser Da­ten durch ei­nen De­tek­tiv fest­ge­stellt be­zie­hungs­wei­se be­stä­tigt wur­de, wenn des­sen Ein­satz durch „be­grün­de­te Zwei­fel an der Do­ku­men­ta­ti­on des Ar­beit­neh­mers“er­for­der­lich er­schien. In dem ver­han­del­ten Fall hat­te der Be­schäf­tig­te un­ter an­de­rem an­ge­ge­ben, dass ei­ne Wei­ter­bil­dung dem Rück­keh­rer neu­es Selbst­be­wusst­sein und Selbst­wert­ge­fühl ge­ben und hel­fen, wie­der in ei­nen Ar­beits­rhyth­mus zu fin­den“, be­tont Son­ja Schmitz. „Bei der Rück­kehr aus der El­tern­zeit kann die Wei­ter­bil­dung zu­dem ein gu­ter Test sein, um neue Struk­tu­ren und Ab­läu­fe im Fa­mi­li­en­le­ben zu schaf­fen und zu er­pro­ben.“Die Aus­wahl ei­ner pas­sen­den er an Ta­gen mit ei­ner ho­hen Zahl von Be­suchs­ter­mi­nen die Ein­tra­gun­gen des­halb zah­len­mä­ßig re­du­ziert ha­be, um an an­de­ren Ta­gen mit ei­ner tat­säch­lich ge­rin­ge­ren Zahl ei­nen „Aus­gleich“zu ha­ben . Er ha­be ver­mei­den wol­len, dass der Ar­beit­ge­ber des­halb die Soll­zah­len für al­le Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter an­hebt. Mit dem „Über­schuss“an Be­su­chen war aber auch ein Tag zum Ar­beits­tag er­klärt wor­den, an dem er zu Hau­se war. (LAG Berlin-Bran­den­burg, 2 Sa 985/16) Ta­rif­ein­heits­ge­setz Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat das Ta­rif­ein­heits­ge­setz weit­ge­hend für rech­tens er­klärt, wo­nach in Un­ter­neh­men, in de­nen mehr als ei­ne Ge­werk­schaft mit den Ar­beit­ge­bern ver­han­delt, die nach Mit­glie­der­zahl größ­te der Ar­beit­neh­mer-Ver­tre­tun­gen „das Sa­gen“hat. Be­din­gung da­für ist al­ler­dings, dass die Min­der­heits­ge­werk­schaf­ten nicht be­deu­tungs­los wer­den. So müss­ten die durch sie für ih­re Mit­glie­der er­run­ge­nen Vor­tei­le er­hal­ten blei­ben. Au­ßer­dem müs­se der Bun­des­tag bis En­de 2018 in­so­weit „nach­bes­sern“, als dass das Ge­setz die In­ter­es­sen der klei­ne­ren Be­rufs­grup­pen, de­ren Ta­rif­ver­trag ver­drängt wer­de, am En­de über­haupt nicht be­rück­sich­tigt. (BVfG, 1 BvR 1477/16 u. a.) Wei­ter­bil­dung ist so­wohl vom Be­ruf als auch von den Zie­len des Be­rufs­rück­keh­rers ab­hän­gig.

„Will man mit der Wei­ter­bil­dung le­dig­lich Wis­sens­lü­cken schlie­ßen oder dar­über hin­aus zu­sätz­li­che Fä­hig­kei­ten er­lan­gen, dann sind Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen bei­spiels­wei­se im Be­reich Lohn- und Ge­halts­buch­hal­tung sinn­voll“, gibt Son­ja Schmitz Bei­spie­le. An­de­re Be- rufs­rück­keh­rer hin­ge­gen be­nö­ti­gen ak­tu­el­le EDV- oder Sprach­kennt­nis­se wie Wirt­schafts­eng­lisch für ih­re neue Tä­tig­keit. „Wie­der­um an­de­re kön­nen vi­el­leicht nicht mehr in dem ge­lern­ten Be­ruf wei­ter tä­tig sein, sei es auf­grund der ge­än­der­ten Le­bens­um­stän­de, die ei­ne Schicht- oder Voll­zeit­ar­beit un­mög­lich ma­chen, oder aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den“, so Schmitz. Hier ist even­tu­ell ei­ne Um­schu­lung sinn­voll. „Wir vom IBB bie­ten un­se­ren Teil­neh­mern vor­ab ei­ne aus­führ­li­che Be­ra­tung, klä­ren die Be­dar­fe und Zie­le des In­ter­es­sen­ten ab und emp­feh­len ihm dann die pas­sen­de Wei­ter­bil­dung, Fort­bil­dung oder Um­schu­lung.“

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend hat zu­dem ei­ne Check­lis­te im Rah­men der „Per­spek- ti­ve Wie­der­ein­stieg“er­stellt. Wer spe­zi­fi­sche Kom­pe­ten­zen für den be­ruf­li­chen Wie­der­ein­stieg auf­fri­schen oder neu er­wer­ben möch­te, fin­det hier Hin­wei­se, wel­che Fra­gen in­di­vi­du­ell zu klä­ren sind und was bei der Aus­wahl des pas­sen­den Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bots hilf­reich sein kann.

Spe­zi­el­le Kur­se für Be­rufs­rück­keh­rer gibt es oft­mals nicht. „Ein Groß­teil un­se­rer Se­mi­na­re und Lehr­gän­ge ist je­doch so an­ge­legt, dass die­se ei­ne Rück­kehr ins Be­rufs­le­ben er­leich­tern“, er­klärt Mecht­hild Teu­pen, Ge­schäfts­füh­re­rin Wei­ter­bil­dung der IHK Düs­sel­dorf. „Ins­be­son­de­re wenn es dar­um geht, sich sach­lich oder fach­lich ent­spre­chend vor­zu­be­rei­ten.“Ur­sprüng­lich an­ge­bo­te­ne Kur­se spe­zi­ell für Be­rufs­rück­keh­rer hat die IHK ein­ge­stellt, die Nach­fra­ge war zu ge­ring. Die Teil­neh­mer woll­ten nicht in ei­ge­nen Rück­keh­rerKur­sen sit­zen und sich „im ei­ge­nen Saft“be­we­gen. Viel­mehr war der Aus­tausch im Lehr­gang mit ak­ti­ven Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen ge­wünscht. „Wenn es dar­um geht, zum The­ma „Ei­gen­mar­ke­ting“und „sich ver­kau­fen“zu sen­si­bi­li­sie­ren und zu trai­nie­ren, ha­ben wir je­doch die Er­fah­rung ge­macht, dass die­ses vor­zugs­wei­se im Ein­zel­coa­ching und/ oder Klein­grup­pen­trai­ning er­folg­ver­spre­chend ist“, rät Teu­pen.

Nicht nur für den Be­rufs­rück­keh­rer ist ei­ne Wei­ter­bil­dung von Vor­teil, auch der Ar­beit­ge­ber hat so die Ge­wiss­heit, dass sein Mit­ar­bei­ter auf dem ak­tu­el­len Stand ist. „Er pro­fi­tiert dar­über hin­aus da­von, dass die­ser ak­tu­el­le­res Wis­sen be­sitzt als ein Mit­ar­bei­ter, der sich in den letz­ten Jah­ren nicht fort­ge­bil­det hat“, zeigt Son­ja Schmitz von der IBB die Vor­tei­le ei­ner Wei­ter­bil­dung auf.

Je grö­ßer die Ve­rän

de­run­gen, des­to grö­ßer die Her­aus­for­de­run­gen für den

Be­rufs­rück­keh­rer

Recht & Ar­beit

FO­TO: THINKSTOCK

Ei­ne Wei­ter­bil­dung hilft, Wis­sens­lü­cken zu schlie­ßen, die sich durch die Un­ter­bre­chung des Ar­beits­le­bens er­ge­ben ha­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.