Lot­te­ri­en be­kom­men nie­der­län­di­sche Kon­kur­renz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

In den Nie­der­lan­den und Groß­bri­tan­ni­en ist No­va­me­dia schon er­folg­reich. Doch der deut­sche Markt ist un­gleich kom­pli­zier­ter.

DÜS­SEL­DORF Ein Raum, wie man ihn aus Lu­xus­ho­tels oder eli­tä­ren Lon­do­ner Her­ren-Clubs kennt, dar­in auf ei­nem schwe­ren Tep­pich ein dun­kel­brau­ner Le­der­ses­sel, das Licht ist warm und ge­dämpft. Auf dem Ses­sel sitzt Hol­ly­wood-Star Ge­or­ge Cloo­ney, lä­chelt smart in die Ka­me­ra und preist – nein, nicht Kap­sel-Kaf­fee oder Lu­xus­uh­ren – ein Glücksspiel an.

Glücksspiel? Cloo­ney? Dass die Wahl des nie­der­län­di­schen Kon­zerns No­va­me­dia (Jah­res­um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr von 1,58 Mil­li­ar­den Eu­ro) auf den Wer­be­bot­schaf­ter Cloo­ney fiel, er­folg­te nicht zu­fäl­lig. Im­mer­hin fällt der Hol­ly­wood­Star im­mer wie­der durch sein so­zia­les En­ga­ge­ment auf. Bei der Post­code Lot­te­rie han­delt es sich um ei­ne so­ge­nann­te So­zi­al­lot­te­rie. Ein Teil des Spiel­ein­sat­zes fließt in so­zia­le Pro­jek­te. Der Kon­zern mit Sitz in Ams­ter­dam war 2015 nach der Bill-und-Me­lin­da-Ga­tes-Stif­tung und dem bri­ti­schen Well­co­me Trust die dritt­größ­te privat fi­nan­zier­te Spen­den­or­ga­ni­sa­ti­on der Welt.

Nun schickt sich No­va­me­dia an, von den Düs­sel­dor­fer Scha­dow-Ar­ka­den aus auch auf dem deut­schen Markt an­zu­grei­fen. Deutsch­land sei ein hart um­kämpf­ter Glücks­spiel­markt, weil mit der Ak­ti­on Mensch und der Fern­seh­lot­te­rie be­reits zwei gro­ße So­zi­al­lot­te­ri­en ver­tre­ten sei­en, sag­te Post­code-Lot­te­rie-Ge­schäfts­füh­re­rin An­n­emiek Hoo­gen- boom un­se­rer Re­dak­ti­on. „Aber das macht uns nicht ban­ge.“2014 be­gan­nen die Nie­der­län­der mit den Vor­be­rei­tun­gen, im Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res er­folg­te die ers­te Zie­hung. An­ders als im klas­si­schen Lot­to kreu­zen die Spie­ler da­bei kei­ne Zah­len an. Statt­des­sen die­nen ih­re Post­leit­zahl – da­her Post­code – und ei­ne an ih­re Stra­ße ge­knüpf­te zwei­stel­li­ge Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on als Spiel­zahl. Ein Los kos­tet hier­zu­lan­de 12,50 Eu­ro im Mo­nat. Bis zu drei kann je­der Spie­ler kau­fen. Ge­win­nen meh­re­re Spie­ler aus ei­ner Stra­ße wird der Ge­winn den Lo­sen ent­spre­chend zwi­schen ih­nen auf­ge­teilt.

Die Zahl der Spie­ler wach­se kon­ti­nu­ier­lich, sagt Ho­gen­boom. „Für das ers­te Jahr pei­len wir ei­ne Zahl von 200.000 Lo­sen pro Jahr an, lang­fris­tig wol­len wir ähn­lich er­folg­reich wie in Groß­bri­tan­ni­en wer­den. Dort set­zen wir nach zehn Jah­ren am Markt 2,5 Mil­lio­nen Lo­se ab – und zwar im Mo­nat.“

Soll­te das tat­säch­lich ge­lin­gen, könn­te sich die Post­code Lot­te­rie über den Be­reich der So­zi­al­lot­te­ri­en hin­aus zu ei­nem ernst­zu­neh­men­den Kon­kur­ren­ten für die staat­li­chen Lot­to-Un­ter­neh­men ent­wi­ckeln. Bei West­lot­to herrscht al­ler­dings noch de­mons­tra­ti­ve Ge­las­sen­heit: Na­tür­lich ver­fol­ge man auf­merk­sam, was bei dem neu­en An­bie­ter ge­sche­he, er­klär­te ein West­lot­to-Spre­cher auf An­fra­ge: „Man muss je­den am Markt ernst neh­men, schon al­lein, weil vie­le Kun­den nicht den Un­ter­schied zwi­schen ei­ner Lot­te­rie und ei­ner So­zi­al­lot­te­rie ma­chen. Wir kön­nen al­ler­dings nicht fest­stel­len, dass uns in ir­gend­ei­ner Form Markt­an­tei­le weg­ge­bro­chen sind oder es nen­nens­wer­te Nach­fra­ge nach der Post­code Lot­te­rie in den An­nah­me­stel­len gibt.“

Die Nie­der­län­der set­zen beim Ver­trieb auf das In­ter­net und die te­le­fo­ni­sche Be­stel­lung. Das spart enor­me Kos­ten, macht es aber auch schwe­rer, Auf­merk­sam­keit zu er­zeu­gen. Ein An­satz­punkt: Tu Gu­tes und sprich dar­über. „Als So­zi­al­lot­te­rie ha­ben wir uns be­wusst auf an­de­re Pro­jek­te kon­zen­triert als sie von der Fern­seh­lot­te­rie und der Ak­ti­on Mensch an­ge­bo­ten wer­den“, sagt Hoo­gen­boom. „Un­se­re Kun­den un­ter­stüt­zen der­zeit bei­spiels­wei­se den Bund für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land und die Ta­feln.“Dar­über hin­aus sei man auf der Su­che nach wei­te­ren Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern. „Je­de Wo­che kom­men neue im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet hin­zu.“Die Kri­te­ri­en da­bei sei­en be­wusst sehr breit ge­hal­ten. „Was uns von un­se­ren Wett­be­wer­bern un­ter­schei­det: Bei uns ge­winnt man ge­mein­sam und stärkt die Nach­bar­schaft. Der­zeit för­dern wir mehr als 120 ge­mein­nüt­zi­ge Pro­jek­te in al­len 16 Bun­des­län­dern, die meis­ten da­von in NRW.“

Noch ist bei der Deut­schen Post­code Lot­te­rie al­les ei­ne Num­mer klei­ner als bei den üb­ri­gen Un­ter­neh­mun­gen von No­va­me­dia im Aus­land. Das wird nicht zu­letzt an den Wer­be­bot­schaf­tern deut­lich: Wäh­rend auf der in­ter­na­tio­na­len Büh­ne ne­ben Ge­or­ge Cloo­ney Pro­mi­nen­te wie Bill Cl­in­ton, Ra­fa­el Na­dal oder Des­mond Tu­tu die Wer­be­trom­mel rüh­ren, sind es hier­zu­lan­de Ka­ta­ri­na Witt und Kai Pflau­me.

VI­DEO: YOUTUBE | SCREEN­SHOT: RP

Ge­or­ge Cloo­ney kün­digt per Vi­deo 2016 den Start der Post­code Lot­te­rie in Deutsch­land an.

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