Kein Der­by für schwa­che Ner­ven

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON MAN­FRED JO­HANN UND CHRIS­TOPH ZABKAR

Im Ober­li­ga-Du­ell zwi­schen Turu und dem DSC 99 geht es bis zum Schluss hoch her. Erst füh­ren die Ober­bil­ker mit 4:0, ehe der Auf­stei­ger mit tol­ler Moral fast noch ein Re­mis holt. Auch der SC West zeigt sich in Schon­ne­beck tor­hung­rig.

Turu – DSC 99 4:3. Sie­ben To­re, zwei Elf­me­ter, zwei Ei­gen­to­re nach skur­ri­len Tor­wart-Ak­tio­nen und ein traum­haf­tes Frei­stoß­tor – wohl kein Zu­schau­er des Auf­takt­spiels in der Ober­li­ga dürf­te sei­nen Be­such des Düs­sel­dor­fer Lo­kal­der­bys be­reut ha­ben. Ge­ra­de mit Blick auf die Dra­ma­tik des Spiel­ver­laufs. Denn viel fehl­te nicht, und der Auf­stei­ger hät­te aus ei­nem aus­sichts­los er­schei­nen­den 0:4-Rück­stand noch ein Un­ent­schie­den ma­chen kön­nen.

Aber der Rei­he nach: In der ers­ten Halb­zeit über­rasch­ten die Haus­her­ren mit ei­ner rich­tig gu­ten Leis­tung, was nach den mä­ßi­gen Auf­trit­ten in den Vor­be­rei­tungs­spie­len nicht un­be­dingt zu er­war­ten war. Vor al­lem Zu­gang Ja­cob Bal­lah stell­te sei­ne manch­mal schwer­fäl­lig wir­ken­den Ge­gen­spie­ler im­mer wie­der vor Rät­sel. Nicht um­sonst war der jun­ge Ni­ge­ria­ner an zwei von vier Turu-To­ren be­tei­ligt. Wäh­rend er vor dem 1:0 noch un­sanft von Öz­gür Ön­cü von den Bei­nen ge­holt wur­de – Ven­san Kli­cic ver­wan­del­te den fäl­li­gen Straf­stoß sou­ve­rän –, konn­te ihn kurz vor der Pau­se kein DSC-Spie­ler mehr auf­hal­ten – 3:0. Zwi­schen­durch pro­vo­zier­te der eben­falls auf­fäl­li­ge Sa­hin Ayas mit ei­nem Flach­pass von der rech­ten Sei­te ein Ei­gen­tor durch Mar­kus Zim­mer­mann.

Ayas war es auch, der kurz nach der Halb­zeit das vier­te Tor für die Ober­bil­ker be­sorg­te. Dies­mal ver­tän­del­te DSC-Tor­hü­ter Al­man­tis Sa­vo­nis den Ball ge­gen den her­an­stür­men­den Ex-Ra­tin­ger. Un­ter nor­ma­len Um­stän­den wä­re da­mit die Par­tie ei­gent­lich schon ent­schie­den ge­we­sen. Doch die Mann­schaft von Trai­ner Se­bas­ti­an Sauf­haus be­wies gro­ße Moral und kämpf­te sich zu­rück. Zu­nächst brauch­ten sie da­zu die Hil­fe von Tu­rus Schluss­mann Björn No­wi­cki, der ein Rück­spiel von Lu­kas Reitz auf dem re­gen­nas­sen Bo­den fast selbst zum 1:4 ins Tor be­för­der­te. Al­ler­dings hat­ten so­wohl No­wi­cki als auch vie­le Zu- schau­er den Ball noch nicht hin­ter der Tor­li­nie ge­se­hen.

Turu re­agier­te dar­auf ner­vös und ver­such­te all­zu früh, das Er­geb­nis über die Run­den zu brin­gen. Das soll­te sich rä­chen, denn der zur Pau­se ein­ge­wech­sel­te Ex-Bü­de­ri­cher Fa­bi­an Gom­barek brauch­te ei­ne Vier­tel­stun­de vor Schluss le­dig­lich vier Mi­nu­ten, um die Par­tie wie­der zum Kip­pen zu brin­gen. Be­son­ders sein Frei­stoß zum 2:4 aus knapp 18 Me­tern war ab­so­lut se­hens­wert. Al­lein: Zu mehr soll­te für den Auf­stei­ger nicht mehr rei­chen – trotz der tol­len Moral. SpVg Schon­ne­beck – SC West 1:4. Der SCW hat of­fen­bar auch in die­ser Sai­son wie­der gro­ße Lust, die Rol­le des Fa­vo­ri­ten­schrecks ein­zu­neh­men. Gleich zum Auf­takt über­rum­pel­te das Team um Drei­fach­tor­schüt­ze Simon Deuß den Vi­ze­meis­ter SpVg Schon­ne­beck mit 4:1.

Da­bei wa­ren die Ober­kas­se­ler den Haus­her­ren in drei Aspek­ten über­le­gen – und je­der ein­zel­ne wur­de am En­de qua­si mit ei­nem Punkt be­lohnt. So zeig­ten die Blau-Wei­ßen nicht nur die bes­se­re Ner­ven- und Zwei­kampf­stär­ke, son­dern auch die ef­fek­ti­ve­re Spiel­idee. Je­den­falls lie­ßen sich die Gäs­te vom 0:1-Rück­stand nicht un­ter­krie­gen und schaff­ten bei ei­ge­nem Ball­be­sitz im­mer wie­der ei­ne Gleich­zahl zwi­schen An­grei­fern und geg­ne­ri­scher Vie­rer­ket­te. Auf die­se Wei­se setz­te der SCW die SpVg-De­fen­si­ve mas­siv un­ter Druck und dreh­te das Er­geb­nis noch vor der Pau­se auf 2:1.

Sinn­bild­lich für das ho­he Pres­sing war ins­be­son­de­re die 54. Mi­nu­te, als And­rej Hil­den­berg sei­nem Ge­gen­spie­ler Tho­mas Den­ker den Ball tief in der ei­ge­nen Hälf­te ab­luchs­te: Aus die­ser Si­tua­ti­on folg­te am En­de ein vom Es­se­ner Kee­per ver­schul­de­ter Elf­me­ter so­wie der Platz­ver­weis für Ge­or­gi­os Ket­sa­tis (Tät­lich­keit ge­gen Deuß). Wäh­rend Schon­ne­beck al­so die Ner­ven ver­lor, be­wahr­te Deuß vom Punkt aus die Ru­he.

Be­reits zu­vor lau­er­te der 26-Jäh­ri­ge zwei­mal an gold­rich­ti­ger Stel­le „Mit ei­nem Punkt wä­ren wir im Vor­feld nicht un­zu­frie­den ge­we­sen. Ein Sieg mit drei To­ren fühlt sich aber tau­send­mal bes­ser an“, ge­stand Deuß. Den Schluss­punkt zum 4:1 setz­te Fa­bi­an Stutz. Da­mit war der wie­sel­flin­ke Blond­schopf in der Ent­ste­hung al­ler vier Tref­fer be­tei­ligt und er­wies sich als wei­te­rer Match­win­ner.

BENEFOTO

Tu­rus Of­fen­siv­spie­ler Ja­cob Bal­lah (li.) wird von Öz­gür Ön­cü un­sanft zu Bo­den ge­bracht.

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