Iri­na Ras­kin führt Seh­be­hin­der­te durch Aus­stel­lun­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON PAUL NACHTWEY

Die Kunst­hal­le bie­tet zu je­der Schau auch ei­ne akus­ti­sche Füh­rung an.

Die Mo­ti­ve, die Tech­nik, die Stim­mung: De­tail­liert be­schreibt Iri­na Ras­kin die zahl­rei­chen bunt ge­rahm­ten Schwarz­weiß­fo­tos, die vor ihr an der Wand hän­gen. Denn ih­re Zu­hö­rer sind heu­te teils dar­auf an­ge­wie­sen, dass sie mit Wor­ten ein ex­ak­tes Bild von dem Kunst­werk vor sich zeich­net: Ras­kin gibt ei­ne akus­ti­sche Füh­rung, die auch Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung offen steht.

Die Be­su­cher sind in der Aus­stel­lung „Sin­gu­lar/Plu­ral“in der Kunst­hal­le un­ter­wegs, die die Düs­sel­dor­fer Kunst­sze­ne rund um die 70er Jah­re in den Mit­tel­punkt rückt. Ras- kin wählt ein­zel­ne Wer­ke, be­schreibt sie ge­nau und er­zählt, wel­ches Ge­fühl sie wäh­rend des Be­trach­tens ver­mit­teln. Manch­mal fra­gen Be­su­cher nach und las­sen sich De­tails noch ge­nau­er er­klä­ren – bis sie schließ­lich ei­ne deut­li­che Vor­stel­lung von der Kunst ha­ben.

„Die Füh­run­gen sind im­mer sehr auf­schluss­reich“, sagt Birgitta Schmidt, die das An­ge­bot der Kunst­hal­le be­reits zum vier­ten Mal in An­spruch nimmt. Weil sie nur ein­ge­schränkt se­hen kann, nutzt sie die de­tail­lier­ten Be­schrei­bun­gen, um sich die Kunst­wer­ke bes­ser vor­zu­stel­len. Wäh­rend ihr Hund vor den Kunst­wer­ken sitzt und auf sei- nen Ein­satz war­tet, hört sie den Er­klä­run­gen der Re­fe­ren­tin zu. Bei der heu­ti­gen Füh­rung sei sie oft an ih­re Ju­gend er­in­nert wor­den, sagt Schmidt – denn die Ar­bei­ten er­mög­lich­ten ei­nen Ein­blick in die Jah­re, die Schmidt „die wil­de Zeit“nennt. Po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Ge­schlech­ter­rol­len oder den Um­gang mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wur­den von Düs­sel­dor­fer Künst­lern im­mer wie­der the­ma­ti­siert. „Ich bin rich­tig in die da­ma­li­ge Zeit ein­ge­sun­ken“, er­zählt Schmidt. Vie­len Teil­neh­mern geht es heu­te so wie ihr, oh­ne die spe­zi­el­le Mu­se­ums­füh­rung hät­ten sie die­ses Er­leb­nis nicht ge­habt.

Die akus­ti­schen Füh­run­gen wur­den vor ei­ni­gen Jah­ren ins Le­ben ge­ru­fen und ha­ben sich seit­her ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt. „Mitt­ler­wei­le gibt es zu je­der Aus­stel­lung ei­ne Füh­rung“, er­zählt Ras­kin und be­tont: „Die Füh­run­gen sind in­te­gra­tiv, das heißt, sie ste­hen auch Men­schen oh­ne Seh­be­hin­de­rung offen.“Vor der Füh­rung su­che sie nach Kunst­wer­ken, die sich gut eig­nen, zum Bei­spiel weil sie tast­bar sind oder mit Mu­sik ar­bei­ten. Be­steht ei­ne Aus­stel­lung nur aus fla­chen Bil­dern, ge­be es trotz­dem ei­ne akus­ti­sche Füh­rung. Ge­ra­de dann sei es wich­tig, im wahrs­ten Sinn ei­nen Ein­blick zu er­mög­li­chen.

RP-FOTO: A. ENDERMANN

Stra­ßen­künst­ler Charles Bhe­be möch­te in dem Bild, das in den kom­men­den Ta­gen und Wo­chen ent­steht, Cha­rak­te­re aus Holt­hau­sen ab­bil­den.

RP-FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Iri­na Ras­kin (Bild­hin­ter­grund) führt In­ter­es­sier­te durch die Aus­stel­lung „Sin­gu­lar/ Plu­ral“.

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