Er­klär­text für um­strit­te­nen Stra­ßen­na­men

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SCHULE UND BILDUNG - VON NI­CO­LE KAMPE

Die Uni hat ei­nen Text­vor­schlag für ei­ne Ste­le ent­wor­fen, die an der Wiss­mann­stra­ße ste­hen soll.

UNTERBILK Rich­tig glück­lich dürf­te die An­woh­ner­initia­ti­ve Frie­dens­plätz­chen nicht sein mit der Ent­schei­dung, dass die Wiss­mann­stra­ße vor­erst nicht um­be­nannt wird. Seit gut ei­nem Jahr wird dar­über dis­ku­tiert, nach­dem Schü­ler bei ei­nem Pro­jekt die schlim­me Ver­gan­gen­heit des Of­fi­ziers und Afri­ka­for­schers Her­mann von Wiss­mann er­ar­bei­te­ten und die Um­be­nen­nung der Stra­ße for­der­ten. „Wir hat­ten uns an­fangs auch da­für aus­ge­spro­chen“, er­in­nert sich Thors­ten Ga­eß­ner von den Grü­nen. Die Mehr­heit der Frak­tio­nen in der Be­zirks­ver­tre­tung 3 (Ober­bilk, Unterbilk, Bilk, Fried­rich­stadt, Ha­fen, Hamm, Fle­he, Vol­mers­werth) war da­ge­gen.

Im Sep­tem­ber vor ei­nem Jahr ei­nig­te man sich in ei­ner Sit­zung der BV auf ei­ne kri­ti­sche Kom­men­tie­rung, die man bei der Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät in Auf­trag gab. Die Uni stimm­te sich wie­der­um mit dem Stadt­ar­chiv ab. Die­ser Text­vor­schlag soll nun vor­ge­stellt wer­den in ei­ner of­fe­nen Ge­schichts­werk­statt in der Au­la des Leo-Statz-Be­rufs­kol­legs an der Frie­den­stra­ße 29. Ein­ge­la­den sind nicht nur die Be­zirks­ver­tre­ter, son­dern auch Bür­ger und An­woh­ner der Wiss­mann­stra­ße – Geg­ner ei­ner Um­be­nen­nung und Be­für­wor­ter. „Uns war es wich­tig, dass die Bür­ger ein­be­zo­gen wer­den“, sagt Ga­eß­ner – vor al­lem die An­woh­ner­initia­ti­ve.

Ste­fa­nie Mi­chels vom Lehr­stuhl für Ge­schich­te der Eu­ro­päi­schen Ex­pan­si­on im 19. und 20. Jahr­hun- dert ist Ex­per­tin für Deut­sche Ko­lo­ni­al­ge­schich­te und hat sich für die Aus­ar­bei­tung der kri­ti­schen Kom­men­tie­rung mit Fra­gen be­fasst wie „War­um wur­de 1908 in Unterbilk ei­ne Stra­ße nach Her­mann von Wiss­mann be­nannt?, „Wel­che Rol­le spiel­te Wiss­mann in der deut­schen Ko­lo­ni­al­po­li­tik?“und „Wie wird in Ost­afri­ka über Wiss­mann ge­spro­chen?“. Von 15 bis 18 Uhr sol­len die Teil­neh­mer An­re­gun­gen, Fra­gen und Ide­en ein­brin­gen – auch, ob die Kom­men­tie­rung der Stra­ße in Form ei­ner Ste­le um­ge­setzt wird oder als Ta­fel, die am Tra­fo­häus­chen auf dem Frie­dens­plätz­chen mon­tiert wird.

Wich­tig ist Thors­ten Ga­eß­ner, dass die Ta­fel oder Ste­le kei­ne Eh­rung wird für Wiss­mann, so wie es ei­ni­ge An­woh­ner schon be­fürch­tet hat­ten. „Der Stra­ßen­na­me al­lein ist schon Eh­rung ge­nug“, fin­det näm­lich An­woh­ne­rin Ros­wi­tha Heim­lich, die auf an­de­re Städ­te ver­weist, in de­nen die Wiss­mann­stra­ße aus dem Stra­ßen­ver­zeich­nis ge­nom­men wur­de.

Ei­ne Er­in­ne­rung an die Ta­ten von Her­mann von Wiss­mann könn­ten aber auch An­stoß sein, die Stra­ße doch noch ir­gend­wann um­zu­be­nen­nen, meint Ga­eß­ner. „Wenn sich viel­leicht noch mehr Men­schen mit der Ge­schich­te be­fas­sen“, sagt der Stadt­teil­po­li­ti­ker. Erst­mal aber müs­se der Text­vor­schlag dis­ku­tiert wer­den, den die Uni er­ar­bei­tet hat.

Sams­tag, 16. Sep­tem­ber, 15 bis 18 Uhr, im Leo-Stat­zBe­rufs­kol­leg an der Frie­den­stra­ße 29

RP-FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

An der Wiss­mann­stra­ße soll ei­ne Ta­fel oder Ste­le in­stal­liert wer­den, die sich kri­tisch mit Her­mann von Wiss­mann aus­ein­an­der­setzt.

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