Die­ses Haus ist ei­ne Le­bens­auf­ga­be

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON UTE RASCH UND AN­NE ORTHEN (FOTOS)

Der Künst­ler CL-An Bart­hel­mess lebt mit sei­ner Frau im 300 Jah­re al­ten „Pot­ze-Hof“in Ur­den­bach.

Die­ser Ort ist an­ge­füllt mit Ge­schich­te. Und Ge­schich­ten. Die er­zäh­len da­von, wie es frü­her war in Ur­den­bach, als dort We­ber und Töp­fer leb­ten, als ein Arm des Alt­rheins noch mit­ten durchs Dorf floss, nur ein paar Me­ter ent­fernt von der Fach­werk­mau­er, an die sich Claus-Andre­as (CL-An) Bart­hel­mess ge­ra­de lehnt. Der 80-jäh­ri­ge Künst­ler, des­sen Werk in al­ler Welt aus­ge­stellt wur­de, hat hier fast sein gan­zes Le­ben ver­bracht. Er ist tief ver­wur­zelt mit dem Dorf, mit die­sem Haus und des­sen 300-jäh­ri­ger Ver­gan­gen­heit. Wenn man ihn hier sieht, ne­ben dem al­ten Wal­nuss­baum, des­sen Stamm von Efeu um­schlun­gen wird, wenn man sei­nen Ge­schich­ten lauscht, wird deut­lich: Ein sol­ches Haus ist nicht nur ein Zu­hau­se. Es ist ei­ne Le­bens­auf­ga­be.

Ur­den­bach im Jahr 1713. Pe­terWil­helm Potz ist der reichs­te Mann im Dorf, er lässt ein Han­dels­kon­tor mit Wohn­haus bau­en: den Pot­zeHof. Vorn das Her­ren­haus, da­hin­ter grup­pie­ren sich um ei­nen Hof Stall, Ges­in­de­haus und Scheu­ne. Die La­ge ist ide­al, die Schif­fe, die Wa­ren bis nach Frank­reich trans­por­tie­ren, kön­nen di­rekt vor dem Haus be­la­den wer­den.

1939 er­wirbt der Künst­ler und Ke­ra­mi­ker Klaus Ru­dolf Bart­hel­mess, Va­ter des heu­ti­gen Be­sit­zers, den al­ten Han­dels­hof von der 84-jäh­ri­gen Dorf­leh­re­rin „Fräu­lein Cu­ny“, ei­ner Nach­fah­rin des Er­bau­ers. In ei­nem Brief an sei­ne Mut­ter schreibt Bart­hel­mess. „Ich er­warb das Haus mit Mann und Maus und al­lem In­ven­tar­staub.“Und über sei­ne Vor­be­sit­zer: „Ei­ner der Han­dels­her­ren muss we­gen sei­nes Reich­tums sehr un­be­liebt ge­we­sen sein und soll bei ei­ner Re­vol­te ei­nen Teil sei­ner Bar­schaft aus dem Fens­ter ge­wor­fen ha­ben, um den Zorn der We­ber zu be­sänf­ti­gen.“

Bart­hel­mess, der Va­ter, des­sen Werk von den Na­zis als „ent­ar­te­te Kunst“dif­fa­miert wur­de, war 1926 vom Bau­haus nach Ur­den­bach ge­holt wor­den, um die Tra­di­ti­on des Töp­fer­hand­werks wie­der zu be­le­ben. Zu­nächst wohn­te er mit sei­ner Fa­mi­lie in ei­nem der Tor­häu­ser der Ben­ra­ther Oran­ge­rie, be­vor er schließ­lich den Pot­ze-Hof kauf­te. Claus-Andre­as Bart­hel­mess war zu die­sem Zeit­punkt drei Jah­re alt. Frü­he Kind­heits­er­in­ne­rung: „Mei­ne Mut­ter und ich gru­ben wäh­rend des Krie­ges die Kat­zen­köp­fe im Hof aus, so nann­te man die groß­for­ma­ti­gen Kie­sel­stei­ne, um dort Ge­mü­se an­zu­pflan­zen.“

Heu­te lau­fen Be­su­cher wie­der über die al­ten St­ei­ne, be­stau­nen die groß­for­ma­ti­gen Stahl-Skulp­tu­ren

Plausch vor der al­ten Re­mi­se: Ani­ta und Claus-Andre­as Bart­hel­mess woh­nen seit 47 Jah­ren in ih­rem al­ten Han­dels­hof in Ur­den­bach.

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