IN­TER­VIEW ANDREA NAH­LES „Es wird in nächs­ter Zeit ein biss­chen weh­tun müs­sen“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Die SPD-Frak­ti­ons­che­fin über Feh­ler im Wahl­kampf, die Zu­kunft von Mar­tin Schulz und war­um sie kei­ne Ab­kehr von der Agen­da-Po­li­tik will.

Frau Nah­les, wel­chen Ton wol­len Sie als SPD-Frak­ti­ons­che­fin im Bun­des­tag an­schla­gen? NAH­LES Ich bin für ei­ne har­te Aus­ein­an­der­set­zung. Wir wer­den die Re­gie­rung kri­tisch her­aus­for­dern. Ich war jetzt vier Jah­re Ar­beits­mi­nis­te­rin. Die Op­po­si­ti­ons­rol­le ist ei­ne an­de­re. Wir wer­den hart in der Sa­che, aber fair um Um­gang sein. Was hät­ten Sie ge­sagt, wenn Herr Gau­land ge­sagt hät­te, jetzt krie­gen Sie „in die Fres­se“? NAH­LES Das kä­me auf den Kon­text an. Und wenn Sie auf mei­ne Be­mer­kung an­spie­len: Die war ein Scherz, über den auch die Uni­ons­kol­le­gen ge­lacht ha­ben, weil sie mich ken­nen. Kein Grund, sich zu em­pö­ren. Wie muss sich die SPD auf­stel­len? NAH­LES Wir ha­ben die schwers­te Wahl­nie­der­la­ge seit 1949 er­fah­ren. Wir kön­nen jetzt nicht sa­gen, das Pro­gramm war gut, der Kan­di­dat hat ge­kämpft, der Wäh­ler hat’s nur nicht ver­stan­den. 82 Pro­zent der Bür­ger hal­ten un­ser The­ma so­zia­le Ge­rech­tig­keit für zen­tral, das Wah­l­er­geb­nis spie­gelt das je­doch nicht. Auch ha­ben wir für ein­zel­ne For­de­run­gen wie der nach ei­ner Sta­bi­li­sie­rung des Ren­ten­ni­veaus oder der Auf­lö­sung der Teil­zeit­fal­le ho­he Zu­stim­mung be­kom­men. Vie­les stand aber iso­liert ne­ben­ein­an­der, es war un­klar, wo­hin wir ei­gent­lich mit die­sem Land und Eu­ro­pa wol­len. Wir müs­sen al­so stär­ker an dem Ge­samt­bild ar­bei­ten und we­ni­ger an je-

dem ein­zel­nen Puz­zle­teil. Wür­de ei­ne Ab­kehr von der Agen­da 2010 hel­fen? NAH­LES Die meis­ten Ju­sos wis­sen doch schon gar nicht mehr, was das ei­gent­lich war. Ich hal­te nichts von die­sem Blick in die Ver­gan­gen­heit. Wir ha­ben in den letz­ten Jah­ren viel be­wegt und wir ha­ben ei­nen gut funk­tio­nie­ren­den So­zi­al­staat, aber wir müs­sen dar­über re­den, wie er in der Zu­kunft aus­se­hen soll. Am Sonn­tag wird in Nie­der­sach­sen ge­wählt. Wie wich­tig ist das Er­geb­nis für Ih­re Par­tei? NAH­LES Ich bin fest über­zeugt, dass es in Nie­der­sach­sen so gut lau­fen wird wie bei der Land­tags­wahl in Rhein­land-Pfalz, wo wir mit ei­ner ful­mi­nan­ten Auf­hol­jagd am En­de die CDU ge­schla­gen ha­ben. Stephan Weil ist ein groß­ar­ti­ger Mi­nis­ter­prä­si­dent und wird es auch blei­ben. Das ist gut für Nie­der­sach­sen, aber auch gut für die SPD. Doch es ist auch klar: Kei­ne der wich­ti­gen Haus­auf­ga­ben, die wir als SPD im Bund ma­chen müs­sen, wird sich nach der Wahl in Nie­der­sach­sen auf­lö­sen. Auch mit ei­nem gu­ten Er­geb­nis und Freu­de über Nie­der­sach­sen wird es in der nächs­ten Zeit ein biss­chen

weh­tun müs­sen. Ist das Er­geb­nis für Mar­tin Schulz’ Zu­kunft als Par­tei­chef ent­schei­dend? NAH­LES Nein, Mar­tin Schulz ist und bleibt Par­tei­vor­sit­zen­der. Auch über den Par­tei­tag im De­zem­ber hin­aus. Hu­ber­tus Heil will nicht er­neut als Ge­ne­ral­se­kre­tär kan­di­die­ren. Wün­schen Sie sich ei­ne Frau als Nach­fol­ge­rin? NAH­LES Die­se Fra­ge ent­schei­de ich nicht, und ich dis­ku­tie­re dar­über auch nicht öf­fent­lich. JAN DREBES UND RE­NA LEH­MANN FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: DPA

Andrea Nah­les (47) ist seit zwei Wo­chen SPD-Frak­ti­ons­che­fin.

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