GE­GEN­PRES­SING

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-WM 2018 -

Bes­ser zwei Kom­men­ta­to­ren am Mi­kro

Es ist ja nicht so, dass wir uns hier­zu­lan­de zu we­ni­ge Ge­dan­ken über TV-Kom­men­ta­to­ren von Fuß­ball­spie­len ma­chen wür­den. Das hat wäh­rend die­ser Welt­meis­ter­schaft un­ter an­de­rem mal wie­der Clau­dia Ne­u­mann er­fah­ren müs­sen. Sie hat noch nicht ei­nen Ton ge­sagt, schon wird in den so­ge­nann­ten so­zia­len Netz­wer­ken mun­ter ge­hetzt, als gä­be es kein Mor­gen mehr. Statt sach­li­cher Kri­tik, und die könn­te man bei ih­ren Leis­tun­gen am Mi­kro­fon zur Ge­nü­ge an­brin­gen, füh­len sich tau­sen­de In­ter­net-Trol­le da­zu be­ru­fen, ihr Ge­schlecht, ih­re Stimm­far­be und was auch im­mer als Ar­gu­ment ge­gen die Spre­che­rin an­zu­brin­gen. Es war längst über­fäl­lig, dass das ZDF ei­ne Mit­ar­bei­te­rin auch ju­ris­tisch schützt und die übels­ten Be­lei­di­gun­gen zur An­zei­ge ge­bracht hat.

Deut­lich am Ziel vor­bei war al­ler­dings der Ver­such ei­ner So­li­da­ri­sie­rung mit Ne­u­mann, in dem es ei­nen Auf­ruf an das ZDF gab, doch sie statt Bela Ré­thy das WM-Fi­na­le kom­men­tie­ren zu las­sen. Re­thy ist ei­ner der er­fah­rens­ten Kom­men­ta­to­ren des Lan­des, ein Typ. Ei­ner, an dem man auch schon mal ver­zwei­feln kann, wenn er Spie­ler da­zu­dich­tet oder selbst in Su­per-Su­per-Su­per-Zeit­lu­pe ei­ne Sze­ne falsch be­wer­tet. Bei die­ser WM hat er sich rich­tig ins Tur­nier ge­quas­selt. Ei­ner der vie­len Schau­spiel­ein­la­gen des Bra­si­la- ners Ney­mar quit­tier­te er mit der herr­li­chen Fest­stel­lung: „Als hät­te er bei 1000 Volt ei­nen Fin­ger in die Steck­do­se ge­steckt.“Ré­thy ist un­ter den ak­tu­ell be­ste­hen­den Op­tio­nen die bes­te Wahl. Nun hat Ré­thy ei­ne leich­te Som­mer­grip­pe – er ist in­des zu­ver­sicht­lich ge­stimmt, mit „al­ler­lei Haus­mit­tel­chen“bis Sonn­tag sei­ne ak­tu­el­le Reib­ei­sen­stim­me wie­der los zu wer­den.

Wenn Ré­thy, wie es in vie­len an­de­ren Län­dern längst zum Stan­dard ge­hört, ei­nen Co-Kom­men­ta­tor an sei­ner Sei­te hät­te, könn­te er die Stimm­bän­der et­was mehr scho­nen. So muss er al­lei­ne 90 Mi­nu­ten er­zäh­len. Ei­ne kräf­te­zeh­ren­de An­ge­le­gen­heit für Re­por­ter und Pu­bli­kum. Denn es hat sich in Deutsch­land lei­der eta­bliert, dass je­de Be­we­gung auf und im­mer mehr auch ab­seits des Fel­des wort­reich be­schrie­ben wird. Tak­ti­sches Hin­ter­grund­wis­sen wird da­ge­gen eher we­ni­ger in­ten­siv ver­mit­telt. ARD und ZDF se­hen die Zeit noch nicht reif, et­was an ih­rem Kon­zept zu än­dern. Be­dau­er­lich, weil es ganz be­stimmt nicht scha­den könn­te, wenn ein er­fah­re­ner Na­tio­nal­spie­ler wie zum Bei­spiel Phil­ipp Lahm, nicht zu völ­li­gen Ba­na­li­tä­ten am Te­gern­see be­fragt wür­de, son­dern tat­säch­lich Wis­sen und Emo­tio­nen ver­mit­telt.

Vor al­lem die ARD ist förm­lich be­rauscht da­von, in ih­rem Stu­dio in Ba­den-Ba­den vie­le Men­schen, we­nig sagen zu las­sen. Beim Halb­fi­na­le zwi­schen Frank­reich und Bel­gi­en stan­den Matthias Op­den­hö­vel, Han­nes Wolf (wem der Na­me nichts sagen soll­te: der DFB hat ihn als Trai­ner des Jah­res aus­ge­zeich­net), Thomas Hitzlsper­ger und Alex­an­der Bom­mes. Wür­de es nicht sinn­vol­ler sein, ei­nen Mo­de­ra­tor drei Ex­per­ten be­fra­gen zu las­sen? Am bes­ten auch wel­che, die streit­ba­re The­sen for­mu­lie­ren kön­nen.

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