„Wir soll­ten das Po­si­ti­ve se­hen“

Vier­sens Bür­ger­meis­te­rin Sa­bi­ne Ane­mül­ler (SPD) warb ges­tern um das En­ga­ge­ment der Bür­ger. Die Stadt sei gut auf­ge­stellt

Rheinische Post Viersen - - STADT VIERSEN - VON MAR­TIN RÖSE

VIERSEN Ein städ­ti­scher Neu­jahrs­emp­fang kann vie­le Funk­tio­nen ha­ben: Er kann die Büh­ne sein, auf der ver­dien­ten Men­schen und Initia­ti­ven für ih­ren Ein­satz ge­dankt wird. Er kann Wert­schät­zung aus­drü­cken – durch Ein­la­dung und An­we­sen­heit. Er soll­te der Kon­takt­pfle­ge die­nen. Und im Ide­al­fall hat er ei­ne Kom­pass­funk­ti­on: Wo steht die Stadt, wo will sie hin? Wel­che Her­aus­for­de­run­gen sind zu be­wäl­ti­gen?

In ih­rer zwei­ten Neu­jahrs­an­spra­che als Bür­ger­meis­te­rin mach­te Sa­bi­ne Ane­mül­ler (SPD) ges­tern Abend in der Fest­hal­le vor rund 600 ge­la­de­nen Gäs­ten deut­lich, dass sie die Stadt Viersen für gut auf­ge­stellt hält, warb um das En­ga­ge­ment der Bür­ger und äu­ßer­te sich auch zur Ent­schei­dung des On­line-Bad­händ­lers Reu­ter, statt in Viersen in Bedburg zu ex­pan­die­ren. Und sie zeig­te auf, wo sie in die­sem Jahr Schwer­punk­te set­zen will.

„Wer mit of­fe­nen Au­gen durch un­se­re Stadt geht, sieht, wie viel ge­baut wor­den ist und wei­ter­hin ge­baut wird“, sag­te Ane­mül­ler, die noch am Vor­tag am Spa­ten­stich zur Kli­ma­schutz­sied­lung teil­ge­nom­men hat­te. „Wir kön­nen stolz dar­auf sein, dass Viersen als Stadt und als Wohn­ort ge­fragt ist.“Nach ei­ner ges­tern vor­ge­leg­ten städ­ti­schen Er- Sa­bi­ne Ane­mül­ler he­bung stieg die Zahl der Ein­woh­ner im ver­gan­ge­nen Jahr um 0,5 Pro­zent auf 76.456 Frau­en, Män­ner und Kin­der an. Das sei kein Zu­fall, be­ton­te die Bür­ger­meis­te­rin, son­dern das Er­geb­nis des En­ga­ge­ments der gro­ßen Mehr­heit der Vier­sener, die sich eben nicht in ei­ne Me­cker-Rie­ge ein­reih­ten. Ane­mül­ler warb um bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment: „Wir me­ckern nicht über das, was – an­geb­lich oder tat­säch­lich – fehlt, son­dern wir pa­cken an, um das Feh­len­de zu er­rei­chen. Kon­struk­tiv! Wir wol­len und soll­ten das Po­si­ti­ve se­hen, soll­ten se­hen, was da ist, was wir ha­ben. Und wir wol­len un­se­re Mög­lich­kei­ten nut­zen, un­se­re Stadt zu ge­stal­ten und wei­te­res für uns al­le zu er­rei­chen.“

Was will die Bür­ger­meis­te­rin 2017 er­rei­chen? Wich­tig sind ihr le­ben­di­ge In­nen­städ­te in al­len vier Orts­tei­len. „In Süch­teln ha­be ich den Pro­zess zur Gestal­tung ins­be­son­de­re des In­nen­stadt­be­reichs neu ge­star­tet. Die Per­spek­ti­ven­pla­nung ist in vol­lem Gan­ge – und das mit in­ten­si­ver Bür­ger­be­tei­li­gung.“Auch in Dül­ken wer­de, ge­mein­sam mit Be­woh­nern und Ge­schäfts­leu­ten, an der Be­le­bung ge­ar­bei­tet. „Der neue Ede­ka-Markt bringt mehr Men- schen nach Dül­ken, nun gilt es, die­se in den Orts­kern bis hin zum Al­ten Markt zu lo­cken. Die Kon­zep­te sind da, die Um­set­zung hat be­gon­nen.“Neue Ent­wick­lun­gen wer­de es an der Kreuz­her­ren­schu­le, an der Mel­cher­stie­ge und auf dem Güs­ken­ge­län­de ge­ben, kün­dig­te Ane­mül­ler an. In der Vier­sener In­nen­stadt ste­he der Rat­haus­markt mit sei­nem neu­en In­ves­tor vor ei­nem fri­schen Auf­schwung. Ane­mül­ler: „Und im Be­reich hin­ter Tchi­bo in Alt-Viersen wird die städ­ti­sche Grund­stücks­mar­ke­ting­ge­sell­schaft Ak­zen­te set­zen, um neue For­men des Ein­zel­han­dels an­zu­lo­cken.“

Die Bür­ger­meis­te­rin ging auch auf Kri­tik ein, dass der On­line-Bad­händ­ler Reu­ter in Bedburg statt in Viersen ex­pan­diert: „Es hat uns über­rascht und es hat mich auch per­sön­lich ge­trof­fen, weil wir als Ver­wal­tung hier ei­nen gu­ten Job ge­macht ha­ben“, er­klär­te Ane­mül­ler. „Ich muss aber hier ganz klar sa­gen: Es war un­se­re und ins­be­son­de­re mei­ne Auf­ga­be, hier die An­woh­ne­rin­nen und An­woh­ner an­zu­hö­ren und ih­re Be­den­ken ernst zu neh­men.“Das sei ge­sche­hen. „Wir ha­ben vie­le Kom­pro­mis­se in die Pla­nung auf­ge­nom­men. Herr Reu­ter hat ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen. So be­dau­er­lich das sein mag: Ich kann und wer­de nicht ver­hin­dern, dass Men­schen ih­re Rech­te wahr­neh­men und im

„Wir kön­nen uns froh und glück­lich schät­zen in un­se­rem schö­nen Viersen“ Bür­ger­meis­te­rin „Ein ,Su­per-GAU’ ist die Ent­schei­dung von Reu­ter für die Stadt Viersen nicht“

Sa­bi­ne Ane­mül­ler

Bür­ger­meis­te­rin

Zwei­fel auch vor Ge­richt zie­hen“, be­ton­te Ane­mül­ler und er­hielt da­für Bei­fall aus dem Pu­bli­kum. Die Ent­schei­dung von Reu­ter sei mit­nich­ten ei­ne Art Su­per-GAU, wie es der Bei­rats­vor­sit­zen­de der städ­ti­schen Grund­stücks-Mar­ke­ting-Ge­sell­schaft, Paul Ma­ckes, im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on ge­nannt hat­te. „Ich bin si­cher, dass wir die be­schlos­se­ne Flä­chen-Er­wei­te­rung auf dem Markt er­folg­reich an­bie­ten kön­nen“, so Ane­mül­ler. Ap­plaus er­hielt die Bür­ger­meis­te­rin auch für ih­re Aus­sa­ge, die Men­schen in Viersen soll­ten wei­ter­hin ei­ne of­fe­ne Ge­sell­schaft bil­den, die zu­gleich ih­re Wer­te ver­tei­digt. „Hier müs­sen wir ei­ne gu­te Ba­lan­ce fin­den, mit der wir rech­ten Strö­mun­gen und po­pu­lis­ti­schen Ten­den­zen ent­ge­gen­tre­ten kön­nen.“Sie lob­te: „Wir al­le ha­ben es ge­mein­sam ge­schafft, die an­kom­men­den ge­flüch­te­ten Men­schen gut auf­zu­neh­men – nicht nur Be­hör­den und So­zi­al­ver­bän­de, son­dern auch ganz vie­le eh­ren­amt­lich tä­ti­ge Men­schen aus un­se­rer Mit­te.“Ane­mül­ler for­der­te: „Sei­en wir ehr­lich: Nie­mand von uns hat auf et­was ver­zich­ten müs­sen, weil wir Men­schen Zuflucht und Si­cher­heit ge­ge­ben ha­ben.“

RP-FO­TOS (11): RÖSE

Bür­ger­meis­te­rin Sa­bi­ne Ane­mül­ler hat­te den Ehr­geiz, mög­lichst je­den der ge­la­de­nen Gäs­te per­sön­lich zu be­grü­ßen. Rund 600 wa­ren ge­kom­men, dar­un­ter Land­rat Andre­as Coe­nen, die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­ti­na Maa­ßen, Ver­tre­ter aus der Wirt­schaft und zahl­rei­cher Brauch­tums-, Sport- und Kul­tur­ver­ei­ne.

Sorg­ten für Stim­mung zu Be­ginn des Abends: Wol­la Mil­les (im blau­en T-Shirt) lei­te­te die 15-köp­fi­ge Tromm­ler­grup­pe der Re­al­schu­le an der Jo­sefs­kir­che aus der Klas­se von Mu­sik­leh­rer Mar­cel Fran­ken.

Ex-Bür­ger­meis­ter Gün­ther Thö­nes­sen schau­te mit Frau Bar­ba­ra und Toch­ter Te­re­sa vor­bei.

Nach ei­nem po­li­ti­schen Prak­ti­kum beim Emp­fang: De­na En­gels­kir­chen (16), Hen­ri­et­te Di­alun­ga­na (16) und Me­hekk Buk­ka­ri (14)

Frank Kin­der­vat­ter (Vor­stand NEW AG) und Paul Ma­ckes (GMG-Bei­rats­vor­sit­zen­der).

Hat­ten Spaß: Patri­cia Jes­sen, die Quar­tier­ma­na­ge­rin der Vier­sener Süd­stadt, und Clau­dia St­ei­nert vom „Va­rie­té Frei­geist“.

Ex-Kar­ne­vals­prinz Rai­ner Zaum und Hei­no Mül­lers (Vor­sit­zen­der Vier­sener TC).

Su­san­ne Sar­tin­gen (Vor­sit­zen­de Frau­en Uni­on) und Pe­ter Ber­ger, CDUMdL aus Schwalm­tal.

Frank-Pe­ter Jür­gen (Freund­schafts­ver­ein Lam­bers­art) und Sil­ke Dückers-Kli­chow­ski.

Hel­mut Flo­ris­sen und Achim Pau­ly (Vor­sit­zen­der Ver­ein für Hei­mat­freun­de Viersen)

Wolf­gang Scholz (Zim­mer­meis­ter)und Ed­gar Schoofs (Raum­aus­stat­ter­meis­ter).

Jür­gen Cle­ven (Volks­bank Viersen ) und Ste­fan Van­der (Spar­kas­se Kre­feld)

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