Ein Künst­ler und sechs Frau­en

Mar­kus Orths hat ei­nen Ro­man über Max Ernst, sein Le­ben, sei­ne Lie­ben und sei­ne Fluch­ten ge­schrie­ben. Jetzt geht der Vier­sener Au­tor auf Le­se­rei­se

Rheinische Post Viersen - - STADT VIERSEN - VON BIRGITTA RON­GE

VIER­SEN Bei den Net­te­ta­ler Li­te­ra­tur­ta­gen wird Mar­kus Orths sei­nen neu­en Ro­man „Max“vor­stel­len, auch in der Al­bert-Vi­go­l­eis-The­lenS­tadt­bi­blio­thek in Vier­sen ist ei­ne Le­sung ge­plant. Im Mit­tel­punkt der Ge­schich­te steht Max Ernst, der 1891 in Brühl ge­bo­ren wur­de und 1976 in Pa­ris starb. Fein­füh­lig spürt Orths dem Le­ben des Künst­lers nach, be­glei­tet ihn durch die Ju­gend­jah­re, in die Schüt­zen­grä­ben des Ers­ten Welt­kriegs, nach Köln zur Grün­dung der Da­da-Grup­pe, nach Pa­ris in die Welt der Sur­rea­lis­ten, im Zwei­ten Welt­krieg nach Frank­reich und ins In­ter­nie­rungs­la­ger, nach New York ins Exil, schließ­lich nach Ari­zo­na in ein ein­fa­ches Holz­haus.

Orths glie­dert die Ge­schich­te in sechs Ka­pi­tel, die er den sechs Frau­en wid­met, die Max Ernst lieb­ten: Lou Straus-Ernst, He­le­na „Ga­la“Dia­ko­no­wa, Ma­rie-Ber­the Au­ren­che, Leo­no­ra Car­ring­ton, Peg­gy Gug­gen­heim, Do­ro­thea Tan­ning. Ihr Schick­sal be­wegt, so un­ter­schied­lich der Le­bens­weg je­der Frau auch ver­läuft. Wie die Frau­en tre­ten in Orths Ro­man auch die vie­len pro­mi­nen­ten Freun­de auf, die Ernst be­glei­te­ten, dar­un­ter Hans Arp, An­dré Bre­ton und Paul Éluard.

Den An­stoß gab ei­ne Er­zäh­lung, die der Au­tor vor fünf Jah­ren im Auf­trag des Li­te­ra­tur­bü­ros NRW über das Max-Ernst-Mu­se­um in Brühl schrei­ben soll­te. „Als ich mich mit Max Ernst be­schäf­tigt ha­be, ha­be ich ge­dacht, das ist ei­gent­lich Stoff für ei­nen Ro­man“, sagt Orths.

Erst­mals hat er nun mit „Max“ei­nen Ro­man ge­schrie­ben, der auf dem Le­ben rea­ler Per­so­nen ba­siert. „Für ,Max’ muss­te ich kei­ne Fi­gu­ren, kei­ne Hand­lung er­fin­den“, sagt Orths. „Mei­ne gan­ze krea­ti­ve Ener­gie konn­te in das Aus­ma­len flie­ßen.“Was ihn an Ernst fas­zi­niert? „Er hat im­mer Neu­es ver­sucht, neue Tech­ni­ken, neue Aus­drucks­mög­lich­kei­ten“, er­klärt Orths. „Und er such­te im­mer das Frem­de, das er als be­fruch­tend emp­fand, et­wa bei den psy­chisch Kran­ken oder bei den Ho­pi-In­dia­nern.“Im Wunsch, im­mer et­was Neu­es aus­zu­pro­bie­ren, er­ken­ne er sich selbst wie­der, sagt Orths, „eben­so wie in Ernsts Stau­nen über die Ver­rückt­heit der Welt.“

Der Le­ser die­ses Ro­mans muss kein Kunst­ken­ner sein. Er wird in die­ser span­nen­den, be­rüh­ren­den Ge­schich­te Paa­re tref­fen, die ein­an­der lei­den­schaft­lich und ver­zwei­felt lie­ben, Men­schen, die aus ih­rer Hei­mat kriegs­be­dingt flie­hen müs­sen, Künst­ler, die Un­sinn ma­chen um des Un­sinns wil­len. Und er wird ei­nen Mann ken­nen­ler­nen, des­sen Werk ein Ver­mächt­nis ist. Am En­de lässt Orths die Bil­der spre­chen: „Wir wer­den es den Leu­ten schon zei­gen. Dei­ne Re­bel­li­on. Ge­gen je­de En­ge. Ge­gen je­den Kä­fig. Ge­gen je­de Gren­ze der Welt.“ In­fo Mar­kus Orths: „Max“, Ver­lag Han­ser 2017, 576 S., 24 Eu­ro.

FO­TO: ORTHS

Mar­kus Orths wur­de 1969 in Vier­sen ge­bo­ren, er lebt in Karls­ru­he.

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