Le­bens­zei­chen auf dem Fried­hof

Rheinische Post Viersen - - NETTETAL -

soll­ten ge­mein­de­ei­ge­ne Flä­chen an der Ere­mi­ta­ge, am Ortstrand, ge­nutzt wer­den. Kei­ne Fra­ge, dass auch Kes­sels sich auf sei­nem Fried­hof be­er­di­gen ließ. Auf sei­nem letz­ten Weg be­glei­te­ten ihn zehn Kin­der, fünf Schwie­ger­kin­der und 28 En­kel.

1847 bau­ten die ört­li­chen Mau­er­meis­ter Matthias Mei­ner, Lam­bert Hom­men und Arnold Oe­len­den die Fried­hofs­mau­er. Auch wenn sie – wie die drei Kreu­ze an­stel­le ei­ner Ver­trags­un­ter­schrift zei­gen – nicht le­sen konn­ten: Mau­ern konn­ten sie. Tei­le der Fried­hofs­mau­er ste­hen noch heu­te, et­wa hin­ter den mar­kan­ten Tor­häus­chen am Ein­gang Ere­mi­ten­stra­ße.

Das Gr­ab der klei­nen Emi­lia Ma­ria ist längst ver­schwun­den.

Vie­le an­de­re soll­ten fol­gen. Denn be­reits 1876 wur­de der Fried­hof das ers­te Mal er­wei­tert – um den Be­reich von der Pries­ter­grab­stät­te bis zum Krie­ger­denk­mal. 1903 ein wei­te­res Mal, bis zum Jahr 2004 wuchs die Flä­che – ein­schließ­lich al­ler Ne­ben­an­la­gen ist die Flä­che 62.866 Qua­dra­te­me­ter groß.

Wer den Fried­hof heu­te be­sucht, fin­det die Gr­ab­stät­ten von Per­sön­lich­kei­ten, die das Le­ben in Lob­be- rich seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts maß­geb­lich ge­prägt ha­ben. Mäch­ti­ge Mau­so­le­en wie das der Fa­mi­lie Ju­li­us Nie­dieck ste­hen fort. Sie zeu­gen noch im To­de von dem Ein­fluss zu Leb­zei­ten. Be­schei­den neh­men sich da­ge­gen die letz­ten Ru­he­stät­ten von der So­zio­lo­gin Han­na Meu­ter oder von Ro­kal-Grün­der Ro­bert Kahr­mann und sei­ner Fa­mi­lie aus. Meu­ter, am 6. April 1964 in Lob­be­rich ge­stor­ben, hat sich als So­zio­lo­gin ei­nen Na­men ge­macht: Sie wur­de als ei­ne der ers­ten Frau­en im Fach So­zio­lo­gie pro­mo­viert, ihr An­trag auf Ha­bi­li­ta­ti­on aber schei­ter­te. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg ar­bei­te­te sie als De­zer­nen­tin für Wohl­fahrts­pfle­ge.

Oft war es der Zu­fall, der Lob­be­richs wirt­schaft­li­chen Auf­stieg för­der­te: Et­wa beim aus West­fa­len stam­men­den Ju­li­us Nie­dieck, der ei­ne Leh­re bei der Fir­ma J.L. de Ball Stücks­amt und Samt­band be­gann, und spä­ter mit der 1850 ge­grün­de­ten Fir­ma „Mommr & Nie­dieck Sam­met und Sem­met­band­fa­brik“zu ei­nem der ein­fluss­reichs­ten Tex­til­ba­ro­ne wur­de. „Als ei­ner der we­ni­gen war er ka­tho­lisch“, er­zählt Ewald Mei­er. 1880 hat­te die Fir­ma, in der auch Ju­li­us’ Bru­der Carl mit­ar­bei­te­te, 2000 Mit­ar­bei­ter. Von ih­rem Ein­fluss – und dem un­ter­schied­li­chen Cha­rak­ter der bei­den Brü­der – zeu­gen auch ih­re Grä­ber: Kom­mer­zi­en­rat Ju­li­us Nie­dieck ließ 1891 ei­nen Pri­vat­fried­hof an­le­gen, setz­te sich und sei­nen Nach­kom­men mit ei­nem Mau­so­le­um ein Denk­mal; 1954 wur­de die Flä­che der Stadt ge­schenkt. Sein Bru­der Carl wähl­te ei­ne be­schei­de­ne­re Gr­ab­stät­te.

1922 ver­starb 86-jäh­rig Ge­heim­rat Her­mann Jo­han­nes Pe­ter von der Up­wich: Ei­ne gro­ße Gr­ab­stät­te er­in­nert an die Fa­mi­lie. Der Nie­der­län­der, der mit 15 Jah­ren nach Lob­be­rich ge­kom­men war, hat­te 1861 die Tex­til­fir­ma J.L. de Ball über­nom­men und sie zu ei­nem in­ter­na­tio­nal be­deu­ten­den Un­ter­neh­men auf­ge­baut.

Der Na­me Bon­gartz ist eng mit der Stadt­ge­schich­te ver­knüpft. Ihr so­zia­les En­ga­ge­ment wirkt bis heu­te: Durch die Stif­tung der Fa­mi­lie kann noch heu­te ein Kin­der­gar­ten be­trie­ben wer­den. Die Stif­tung wur­de ins Le­ben ge­ru­fe­ne, nach dem die drei Bon­gartz-Ge­schwis­ter Jo­han­nes Hein­rich, Ma­ria Ger­trud und Ma­ria Ag­nes kin­der­los ver­stor­ben wa­ren. Sie sind in ei­nem mar­kan­ten Gr­ab mit der In­schrift „Kom­met zu mir“be­stat­tet.

RP-FO­TOS (5): FRANZ-HEIN­RICH BUSCH

Ein mar­kan­tes Kreuz wacht seit den 1960er-Jah­ren über der Pries­ter­grab­stät­te. Laut Ewald Mei­er wur­de das vor­he­ri­ge Kreuz ab­ge­bro­chen, weil es nicht mehr dem Zeit­ge­schmack ent­sprach. 14 Kir­chen­män­ner lie­gen hier be­gra­ben, dar­un­ter Hein­rich Krins, Jo­han­nes Tor­ka (ge­stor­ben 2007) und der 1981 ge­stor­be­ne Dechant Pe­ter Werth.

In die­sem Mau­so­le­um wur­de die Fa­mi­lie von Ju­li­us Nie­dieck und von Hei­men­dahl bei­ge­setzt.

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