Hoch­was­ser­schutz: Lö­sung weit ent­fernt

Rheinische Post Wesel - - HAMMINKELN - VON THO­MAS HESSE

Am Mon­tag soll der ers­te Schritt zur Lich­tung des Zu­stän­dig­keits­dschun­gels beim Hoch­was­ser­schutz ge­tan wer­den. Doch wie die ver­bind­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­form aus­se­hen wird, ist un­ge­wiss. Drei Va­ri­an­ten lie­gen vor.

HAMMINKELN Im Rat un­ter­strich Jo­han­nes Flas­win­kel (Grü­ne) die Not­wen­dig­keit sei­nes An­trags, die Ta­ges­ord­nung um den Punkt „Grün­dung ei­nes Zweck­ver­ban­des für den Hoch­was­ser­schutz an der Is­sel und ih­rer Ne­ben­flüs­se“zu er­wei­tern. Dass zwar de­bat­tiert, aber nichts ent­schie­den wur­de, lag nicht nur dar­an, dass der an­ge­for­der­te Ex­per­te der Be­zirks­re­gie­rung an­ge­sichts der knap­pen Zeit­vor­ga­be nicht kom­men konn­te. Grund ist viel­mehr das für Mon­tag, 16. Ok­to­ber, an­be­raum­te Tref­fen von Is­sel­ver­band und der zu­ge­hö­ri­gen Was­se­r­und Bo­den­ver­bän­de. Hier­bei soll es dar­um ge­hen, in wel­cher Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur der Hoch­was­ser­schutz voll­zo­gen wer­den kann. In die­ser Fra­ge ha­be sich seit ein­ein­halb Jah­ren nach dem ka­ta­stro­pha­len Stark­re­gen nichts be­wegt, rüg­te Flas­win­kel – und be­kam Zu­stim­mung zu sei­ner Ver­stim­mung. An­de­rer­seits wur­de ihm ein „Schnell­schuss“vor­ge­wor­fen – vor dem Hin­ter­grund, dass Ge­sprä­che zur pro­fes­sio­nel­len statt der bis­he­ri­gen eh- ren­amt­li­chen Auf­stel­lung erst be­gin­nen. Spät, aber im­mer­hin.

Denn al­lent­hal­ben ist Über­ein­kunft, dass eh­ren­amt­li­che Struk­tu­ren nicht aus­rei­chen. Am En­de wird es ins­be­son­de­re ums Geld ge­hen. „Bis­her ar­bei­ten die Ver­bän­de preis­wert. Die Kos­ten wer­den sich um 50 bis 100 Pro­zent er­hö­hen“, schwant Hel­mut Wis­niew­ski (USD).

Bür­ger­meis­ter Bernd Ro­man­ski sprach vom „nicht ge­lich­te­ten Zu­stän­dig­keits­dschun­gel“beim Hoch­was­ser­schutz und riet, das Tref­fen am Mon­tag ab­zu­war­ten. Wei­ter­hin gel­te als Vor­aus­set­zung, dass sich die Be­zirks­re­gie­rung recht­lich, aber nicht fach­lich zu­stän­dig se­he, der Hoch­was­ser­schutz prak­tisch al­so von den Ver­bän­den zu leis­ten sei.

Neu ist, dass für Mon­tag drei Va­ri­an­ten zur Or­ga­ni­sa­ti­on vor­lie­gen. Ers­tens: Al­le Ver­bän­de neh­men den Hoch­was­ser­schutz aus ih­ren Sat- zun­gen – nur zwei ha­ben ihn über­haupt ver­an­kert –, und so kä­men die An­rai­ner-Kom­mu­nen der Is­sel in die Rol­le der Zu­stän­di­gen. Zwei­te Va­ri­an­te: Al­le Un­ter­ver­bän­de neh­men den Hoch­was­ser­schutz aus ih­ren Sat­zung. Dann wä­re ein Zweck­ver­band zu grün­den, wenn et­wa nur der Is­sel­ver­band den Hoch­was­ser­schutz über­tra­gen be­kä­me. Der wä­re dann haupt­amt­lich zu be­set­zen und zu fi­nan­zie­ren. Mög­lich­keit drei: Al­le Un­ter­ver­bän­de neh­men den Hoch­was­ser­schutz in die Sat­zung auf, agie­ren in ih­ren Be­rei­chen, und Maß­nah­men kön­nen dann vom Land ge­för­dert wer­den.

Für Bür­ger­meis­ter Ro­man­ski ist letz­te­re Va­ri­an­te die na­he­lie­gen­de, aber auch un­wahr­schein­li­che Lö­sung. Er sieht wei­ter Ent­schei­dungs­druck, denn: „Es gibt ein Va­ku­um, das nicht ge­füllt ist.“Was auch kommt, die „Bür­ger wer­den es be­zah­len müs­sen“, be­merk­te Die­ter Wig­ger (CDU). Hoch­was­ser­schutz „mit der Brech­stan­ge“dür­fe es nicht ge­ben, man müs­se die An­lie­ger mit ins Boot ho­len. Er be­zwei­fel­te, dass „ein Zweck­ver­band das All­heil­mit­tel ist“.

Fakt ist je­den­falls: Man ist weit weg von Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren und Bau­maß­nah­men beim Hoch­was­ser­schutz. Über­flu­tungs­flä­chen der Land­wir­te an neur­al­gi­schen Stel­len der Is­sel sind aber ver­ein­bart. Falls es zu kei­ner Ei­ni­gung am Mon­tag kommt, will die Ver­wal­tung, so der ein­stim­mi­ge Be­schluss im Rat, wei­te­re Vor­schlä­ge zur kom­men­den Sit­zungs­pe­ri­ode er­ar­bei­ten.

RP-AR­CHIV­FO­TO: EKKEHART MALZ

Im Ju­ni 2016 lie­ßen star­ke Re­gen­fäl­le die Is­sel über die Ufer tre­ten. Das Fo­to zeigt ein über­schwemm­tes Mais­feld am Bruch­weg in Hamminkeln.

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