Bä­der­pla­nung ganz oh­ne Scheu­klap­pen

Rheinische Post Xanten - - BOTE FÜR STADT UND LAND - VON UWE PLIEN

Der Sport­aus­schuss robbt sich mit ei­ner un­or­tho­do­xen Me­tho­dik an ei­ne Lö­sung für die Schwimm­bä­der her­an. Da­bei rückt das Fi­nan­zi­el­le zu­nächst in den Hintergrund.

RHEIN­BERG An­ge­li­ka Sand (CDU) und Jür­gen Bartsch (Grü­ne) sind zwei alt­ge­dien­te, er­fah­re­ne Lo­kal­po­li­ti­ker. Im Lau­fe ih­rer eh­ren­amt­li­chen Tä­tig­keit in Rhein­berg ha­ben sie ei­nes ver­in­ner­licht: Träu­me zu ha­ben ist schön, aber am En­de geht es im­mer dar­um, sie auch be­zah­len zu kön­nen. Bei der in al­ler Re­gel klam­men fi­nan­zi­el­len La­ge der Kom­mu­nen zeigt sich meis­tens, dass ro­sa­ro­te Theo­rie schnell zu maus­grau­er Rea­li­tät wird.

Viel­leicht ta­ten sich Sand und Bartsch auch des­we­gen mit dem Vor­ge­hen ges­tern Abend in der Son­der­sit­zung des Sport­aus­schus­ses schwer. Da ging es um das Bä­der­kon­zept; spe­zi­ell um die Fra­ge, was aus Sol­vay-Hal­len­bad und Un­der­berg-Frei­bad wer­den soll. Und bei die­sem Kon­zept wird das Pferd ganz be­wusst von der an­de­ren Sei­te auf­ge­zäumt. Die Aus­schuss­vor­sit­zen­de Clau­dia von Parz­ot­ka-Li­pin­ski (SPD) mach­te das mehr­fach deut­lich: „Wir dür­fen nicht gleich al­les bei­sei­te schie­ben, weil das Geld fehlt. Wir sol­len uns ganz be­wusst kei­ne Scheu­klap­pen auf­set­zen.“Die CDU-Frau und der Grü­nen-Mann glaub­ten aber (eben­so wie FDP-Kol­le­ge Ralf Vo­gel üb­ri­gens), dass man die fi­nan­zi­el­le Be­trach­tung nicht au­ßen vor las­sen kön­ne.

Um­den­ken ist an­ge­sagt. Denn wer den Aus­füh­run­gen Rai­ner Kuschs genau lausch­te, ver­stand die In­ten­ti­on die­ses Vor­ge­hens. Kusch, ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter des Lan­des­sport­bun­des, ist von der Stadt an­ge­heu­ert, um das Bä­der­kon­zept (und auch den Pakt des Sport) fach­lich zu be­glei­ten und zu ent­wi­ckeln.

Die­ser Pro­zess läuft schon ei­ne gan­ze Wei­le und all­mäh­lich wird es kon­kret. Die zen­tra­le Fra­ge lau­tet „Wie viel Bad braucht Rhein­berg?“Im­mer­hin ist ein Punkt er­reicht, an dem klar ist: Die Klein­schwimm­hal­le Borth ist raus aus der Dis­kus­si­on, denn dort ist der Fort­be­stand durch die er­folg­ten In­ves­ti­tio­nen und die für­sorg­li­che Be­treu­ung durch den Trä­ger­ver­ein „Was­ser­freun­de Rhein­berg“ge­si­chert. Was Sol­vayHal­len­bad und Un­der­berg-Frei­bad an­geht, ist zu­min­dest ei­nes klar: Nie­mand will auch nur ei­nes der Bä­der schlie­ßen. Eben­so klar ist aber auch: In bei­de Ein­rich­tun­gen muss drin­gend in­ves­tiert wer­den.

Rai­ner Kusch hat ein The­sen­pa­pier zu Leit­li­ni­en wei­ter­ent­wi­ckelt. Und Be­stand­teil die­ser Leit­li­ni­en sind ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en, die nun be­han­delt wer­den müs­sen. Ein Sze­na­rio sieht vor, das Hal­len­bad tech­nisch auf­zu­mö­beln und be­darfs­ge­recht aus­zu­bau­en. Ana­log da­zu gibt es ein zwei­tes für das Frei­bad. Ein drit­tes Sze­na­rio sieht ein Kom­bi-Bad vor, mög­li­cher­wei­se der Bau ei­nes neu­en Hal­len­ba­des am Frei­bad. Das wä­re – so gab Bür­ger­meis­ter Frank Tat­zel die Ein­schät­zung sei­nes Tech­ni­schen Bei­ge­ord­ne­ten Die­ter Paus wei­ter – trotz des mit Denk­mal­schutz be­leg­ten Ba­des im Stadt­park nicht aus­ge­schlos­sen. Über­legt wer­den muss nun, wel­che Lö­sung wel­che Vor- und wel­che Nach­tei­le bringt. Die Politik muss nun han­deln wie ei­ne Fa­mi­lie, die ein neu­es Au­to kau­fen will. Erst über­le­gen, was man möch­te. Dann schau­en, was man braucht. Dann gu­cken, was es gibt und was es kos­tet. Zu­letzt se­hen, was be­zahl­bar ist und wo man Ab­stri­che macht.

Die Frak­tio­nen ge­hen nun noch ein­mal in sich, am 10. Ok­to­ber soll der Rat dann ent­schei­den, wie wei­ter ver­fah­ren wird.

RP-FO­TO: CHRIS­TOPH REICHWEIN (ARCHIV)

Das Sol­vay-Hal­len­bad ist ab mor­gen früh um 8 Uhr wie­der ge­öff­net.

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