Trink­was­ser: An­walt prüft KWW-Ver­bleib

Wie geht es wei­ter mit dem Kom­mu­na­len Was­ser­werk? The­ma wur­de in Rhein­berg und Sons­beck po­li­tisch dis­ku­tiert.

Rheinische Post Xanten - - BOTE FÜR STADT UND LAND - VON HEINZ KÜH­NEN UND UWE PLIEN

RHEIN­BERG/SONS­BECK Mit ih­rem An­trag an den Rat, die Rhein­ber­ger Ge­schäfts­an­tei­le am Kom­mu­na­len Was­ser­werk (KWW) und der Hol­ding Kom­mu­nal­diens­te Nie­der­rhein (KDN) zu ver­kau­fen, hat die FDP die Dis­kus­si­on um die Zu­kunft der Trink­was­ser­ver­sor­gung neu be­feu­ert. Zur Er­in­ne­rung: Xan­ten, Alpen und Sons­beck hat­ten Rhein­berg in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung über­stimmt und durch­ge­setzt, dass die Zu­sam­men­ar­beit (al­so der Ge­schäfts­be­sor­gungs­ver­trag) mit den Niag-Ver­kehrs­be­trie­ben zum 31. De­zem­ber 2018 ge­kün­digt wird. Die drei Nord­kom­mu­nen wol­len das Trink­was­ser­ge­schäft künf­tig al­lein be­werk­stel­li­gen – wo­bei die bis­her für das KWW tä­ti­gen Mit­ar­bei­ter über­nom­men wer­den sol­len. Rhein­berg fühlt sich brüs­kiert.

Im Rhein­ber­ger Rat emp­fahl Her­bert Be­cker (FDP), mög­lichst bald den Kon­zes­si­ons­ver­trag zu kün­di­gen. Das muss bis En­de des Jah­res ge­sche­hen. Sonst ver­län­gert der sich au­to­ma­tisch bis zum Jahr 2032. Mit der Kon­zes­si­on ge­ben die Kom­mu­nen ihr Ein­ver­ständ­nis, dass Ver­sor­ger wie das KWW ihr Lei­tungs- netz nut­zen kön­nen. Be­cker: „Rhein­berg hat die Mög­lich­keit, sich in Sa­chen Trink­was­ser auch in an­de­re Rich­tun­gen zu ori­en­tie­ren. Es muss jetzt drin­gend dar­ge­stellt wer­den, wel­che Mög­lich­kei­ten wir ha­ben. Wich­tig ist, dass es im De­zem­ber ei­ne Grund­la­ge gibt.“

Un­ter­des­sen wies Erich Weis­ser (CDU) dar­auf hin, dass das The­ma nun schon über meh­re­re Sit­zungs­zy­klen dis­ku­tiert wor­den sei, „wir aber nie zu ei­nem Er­geb­nis ge­kom­men sind“. Die CDU ha­be kein Pro­blem mit dem Vor­stoß der drei Nach­bar­kom­mu­nen: „Die Fir­ma bleibt be­ste­hen, nur un­ter an­de­rer Füh­rung. Wir ha­ben die Mög­lich­keit, die­ses Kon­glo­me­rat selbst in die Hand zu neh­men. Die­se Mög­lich­keit soll­ten auch wir nut­zen.“

Jür­gen Ma­dry (SPD) sah das an­ders. „Wir müs­sen un­ter­schei­den zwi­schen dem Kon­zes­si­ons­ver­trag und den An­tei­len an der Ge­sell- schaft. Den Kon­zes­si­ons­ver­trag kön­nen wir jetzt kün­di­gen, um nicht bis 2032 ge­bun­den zu sein. Aber wir wol­len end­lich wis­sen, was die an­de­ren Kom­mu­nen ge­nau vor­ha­ben.“

Jo­sef De­vers (CDU) gab zu be­den­ken, dass der Kreis sein­er­zeit sei­ne An­tei­le am ehe­ma­li­gen Kreis­was­ser­werk güns­tig an die Kom­mu­nen ab­ge­tre­ten hat. Die sei­en dann aber teu­er in ei­ne Hol­ding ab­ge­tre­ten wor­den. De­vers: „Wir soll­ten die Trink­was­ser­ver­sor­gung für Rhein­berg jetzt nicht aufs Spiel set­zen.“

Wie Bür­ger­meis­ter Frank Tat­zel sag­te, wird be­reits in der nächs­ten Wo­che ein Fach­an­walt ins Stadt­haus kom­men, der die Stadt be­ra­ten soll. Tat­zel: „Spä­tes­tens 14 Ta­ge vor der nächs­ten Rats­sit­zung wol­len wir dann ei­ne recht­li­che Ein­schät­zung ge­ben. Wenn es schön läuft, kom­men noch In­fos vom KWW da­zu.“Vik­tor Pa­e­ßens (CDU) bat dar­um, zum Ter­min mit Frank Tat­zel dem An­walt auch die Po­li­tik ein­zu­la­den.

Auch in Sons­beck war die Trink­was­ser­fra­ge The­ma. Die Ge­mein­de will nicht am Kon­zes­si­ons­ver­trag mit dem KWW rüt­teln. Der Haupt­und Fi­nanz­aus­schuss emp­fahl dem Rat ein­stim­mig, den Ver­trag, der sich am 31. De­zem­ber 2022 au­to­ma­tisch ver­län­gert, nicht zu kün­di­gen. Ei­ne Kün­di­gung, so sieht es der Ver­trag vor, ist je­weils fünf Jah­re vor d Ablauf des ak­tu­el­len Kon­zes­si­ons­ver­tra­ges mög­lich. Das aber, so hieß es in der Sit­zung, sei nicht sinn­voll.

Im­mer­hin sind die Kom­mu­nen Alpen, Rhein­berg, Sons­beck und Xan­ten Al­lein­ei­gen­tü­mer der Ge­sell­schaft KWW und de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft, der Kom­mu­nal­diens­te Nie­der­rhein-Hol­ding Gm­bH (KDN) mit Fir­men­sitz in Rhein­berg. „Und mit ei­ner Kün­di­gung“, so Bür­ger­meis­ter Hei­ko Schmidt, „wür­den wir un­se­rer ei­ge­nen Ge­sell­schaft nur selbst scha­den. Der Kon­zes­si­ons­ver­trag ver­län­gert sich da­mit – vor­be­halt­lich eben der Zu­stim­mung des Ra­tes – au­to­ma­tisch um zehn Jah­re.

Schmidt hob in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings noch ein­mal her­vor, dass der Kon­zes­si­ons­ver­trag nichts mit der Ent­schei­dung der Ge­sell­schaf­ter zu tun ha­be, den Pos­ten des aus­schei­den­den Ge­schäfts­füh­rers der Kom­mu­nal­diens­te Nie­der­rhein-Hol­ding Gm­bH (KDN), Ot­fried Kin­zel, selbst zu be­set­zen.

Da­mit keh­ren die Kom­mu­nen be­kannt­lich der Niag den Rü­cken zu, die – zu­nächst noch der da­mals kreis­an­ge­hö­ri­gen Ge­sell­schaft – seit 1989 die Ge­schäfts­be­sor­gung, al­so auch den Ge­schäfts­füh­rer und das Per­so­nal im Be­reich Was­ser­ver­sor­gung, über­nom­men hat­te.

„Das hat aber nichts mit der Zuf­rie­den­heit mit der Ar­beit der Niag zu tun“, so Schmidt. Aber es sei doch „nach­voll­zieh­bar, dass wir den Ge­schäfts­füh­rer un­se­rer ei­ge­nen Ge­sell­schaft auch sel­ber aus­wäh­len und be­set­zen möch­ten“. Mit dem gut ei­nen Dut­zend Mit­ar­bei­ter, die in die­sem Be­reich von der Niag be­schäf­tigt wer­den, wer­de der­zeit über ei­ne Über­nah­me un­ter Wah­rung ih­res Be­sitz­stan­des ver­han­delt. „Ich hof­fe, dass nach den Un­stim­mig­kei­ten mit Rhein­berg nun al­le Kom­mu­nen wie­der ge­mein­sam nach vor­ne schau­en und wir das Er­folgs­kon­zept der Ge­sell­schaft auch in Zu­kunft part­ner­schaft­lich fort­füh­ren.“

„Spä­tes­tens 14 Ta­ge vor der nächs­ten Rats­sit­zung wol­len wir ei­ne recht­li­che Ein­schät­zung ge­ben“ Bür­ger­meis­ter Rhein­berg

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