Was macht ei­gent­lich der Bür­ger­meis­ter?

Beim Speed-De­ba­ting lö­cher­ten 70 Ne­unt­kläss­ler Ver­tre­ter von Stadt, Ver­ei­nen, Par­tei­en und Ver­bän­den mit Fra­gen.

Rheinische Post Xanten - - BOTE FÜR STADT UND LAND - VON ER­WIN KOHL

RHEINBERG In der Rhein­ber­ger Stadt­hal­le fand ges­tern ei­ne ganz be­son­de­re De­bat­te statt. Beim „Speed-De­ba­ting“soll­ten 70 Ne­unt­kläss­ler der Eu­ro­pa­schu­le und des Am­plo­ni­us-Gym­na­si­ums die Mög­lich­keit be­kom­men, Ver­tre­ter von Ver­ei­nen und Ver­bän­den, Po­li­ti­ker al­ler Par­tei­en und Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung mit Fra­gen zu lö­chern. „Den Schü­lern soll die Mög­lich­keit der Par­ti­zi­pa­ti­on am kom­mu­na­len Ge­sche­hen ge­ge­ben wer­den. Wir möch­ten sie an­re­gen, auch mal mu­tig ih­re An­lie­gen vor­zu­tra­gen. Me­ckern ist da­bei aus­drück­lich er­laubt“, er­klär­te Stadt­ju­gend­pfle­ge­rin. Ba­bet­te Hei­mes.

In Vie­rer­grup­pen sa­ßen die Schü­ler je­weils vier Mi­nu­ten den je­wei­li­gen Ent­schei­dungs­trä­gern ge­gen­über, dann er­tön­te die Glo­cke und es ging ei­nen Tisch wei­ter. An ei­nem da­von sa­ßen die Po­li­zei­haupt­kom­mis­sa­re Uwe Hrib­sek und Wolf­gang Grie­del. Den Kon­takt mit den Rhein­ber­ger Ju­gend­li­chen be­zeich­nen bei­de als har­mo­nisch, schließ­lich kennt man sich schon seit der Rad­fahr­aus­bil­dung an den Grund­schu­len.

Die meis­ten Fra­gen rich­te­ten sich nach der Aus­bil­dung. „Zu­nächst wer­den die Be­wer­ber auf Herz und Nie­ren ge­prüft. Recht­schrei­bung ist ganz wich­tig und sport­lich soll­te man sein“, er­läu­ter­te Hrib­sek und sein Kol­le­ge Grie­del er­gänz­te au­gen­zwin­kernd: „Das Vor­stra­fen­re­gis­ter darf auch nicht all­zu lang sein.“Der lo­cke­re Plau­der­ton ließ Dis­tan­zen gar nicht erst ent­ste­hen und kam bei den Ju­gend­li­chen an.

Vie­le nutz­ten die Ge­le­gen­heit, von den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern In­for­ma­tio­nen aus ers­ter Hand zu be­kom­men. „Di­gi­ta­li­sie­rung ist für Rheinberg und un­se­re Schu­len ganz wich­tig, wann tut sich da was“, lau- te­te et­wa die Fra­ge des Gym­na­si­as­ten Mar­vin Rie­bot an den FDP-Po­li­ti­ker Ralf Vo­gel. „Es gibt sehr vie­le Kom­mu­nen im Land, um die wir uns küm­mern müs­sen, das ist nicht ganz so ein­fach“, so Vo­gel. Im Fo­kus des In­ter­es­ses stand auch das po­li­ti­sche Ta­ges­ge­schäft in ei­ner Kom­mu­ne. „Die Schü­ler sind po­li­tisch sehr in­ter­es­siert, sie stel­len vie­le Fra­gen zur Kom­mu­nal­po­li­tik. Das macht uns viel Spaß“, sagt Grü­nen­Spre­cher Jür­gen Bartsch. Weil vier Mi­nu­ten sehr knapp sich, lädt Ul­la Haus­mann-Ra­dau die Ju­gend­li­chen ein, die öf­fent­li­chen Frak­ti­ons­sit­zun­gen der Par­tei zu be­su­chen und dort wei­te­re Fra­gen zu stel­len.

Im Ge­gen­satz zu den Grü­nen hat Heinz-Wil­helm Jenk (CDU kein aus­ge­präg­tes po­li­ti­sches In­ter­es­se wahr­ge­nom­men: „Es ka­men ein paar Fra­gen zur Flücht­lings­si­tua­ti­on und nach dem Auf­bau von Rat und Ver­wal­tung, aber ins­ge­samt schie­nen mir die Schü­ler re­la­tiv un­vor­be­rei­tet. Viel­leicht soll­ten die Klas­sen mal ei­ne Rats­sit­zung be­su­chen statt den Düs­sel­dor­fer Land­tag.“Ähn­lich sieht es der So­zi­al­de- mo­krat Pe­ter Tul­li­us: „Es wur­den haupt­säch­lich Wün­sche an uns her­an­ge­tra­gen nach ei­nem Cafè für Ju­gend­li­che oder ei­nem Ki­no. Das po­li­ti­sche In­ter­es­se war eher mau.“Selbst­ver­ständ­lich stell­te sich auch Bür­ger­meis­ter Frank Tat­zel den Fra­gen der Te­enager. „Wel­che Auf­ga­ben hat ei­gent­lich ein Bür­ger­meis­ter?“, woll­te An­ge­lo Re­lo­ta wis­sen. „Ne­ben der Füh­rung der ge­sam­ten Stadt­ver­wal­tung re­prä­sen­tie­re ich Rheinberg bei öf­fent­li­chen An­läs­sen. Bei der Er­öff­nung ei­nes Schüt­zen­fes­tes zum Bei­spiel ste­che ich das Fass an.“Auf die Fra­ge nach an­ste­hen­den Pro­jek­ten konn­te Tat­zel den Schü­lern ein Ver­spre­chen mit auf den Weg ge­ben: „Wir bau­en in der Nä­he eu­rer Schu­le ei­ne Mehr­fach-Turn­hal­le, au­ßer­dem ent­steht für 13 Mil­lio­nen Eu­ro ein An­bau der Eu­ro­pa­schu­le.“

Ba­bet­te Hei­mes war zu­frie­den: „Es ist wich­tig für Rheinberg, dass wir in Kon­takt blei­ben und Schü­ler sich ein­brin­gen kön­nen. Wir fra­gen jetzt die Re­so­nanz ab und wenn die po­si­tiv ist, wür­den wir das ger­ne wie­der­ho­len.“

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