Städ­te ge­ben Kies­bran­che Korb

Die Nie­der­rhein-Kies­in­dus­trie hat al­le Städ­te und Ge­mein­den im Kreis ein­ge­la­den. Ziel: Über po­ten­zi­el­le Ab­gra­bungs­ge­bie­te zu spre­chen. Nur We­sels Bür­ger­meis­te­rin sag­te zu, al­le an­de­ren ab.

Rheinische Post Xanten - - Kamp-lintfort - VON SEBASTIAN PETERS

WE­SEL Es ist ein Zei­chen ver­här­te­ter Fron­ten, aber auch ein Si­gnal da­für, dass die Kies­bran­che am Nie­der­rhein der­zeit nicht den bes­ten Ruf ge­nießt. Für Frei­tag hat­te der Bran­chen­ver­band Ve­ro, dem die mit­tel­stän­disch ge­präg­te Kies­in­dus­trie des Nie­der­rheins an­ge­hört, zu ei­nem Kies­gip­fel in das We­seler Wel­co­me-Ho­tel ge­la­den. Ge­mein­sam mit al­len Bür­ger­meis­tern des Krei­ses woll­te die Bran­che, un­ter an­de­rem Micha­el Hü­ging-Ho­lem­ans vom Ree­ser Un­ter­neh­men Ho­lem­ans und Chris­ti­an Strunk vom We­seler Un­ter­neh­men Hüls­kens, über mög­li­che Kies-Ab­gra­bungs­ge­bie­te spre­chen. Die Er­geb­nis­se soll­ten nach­her in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz vor­ge­stellt werden. Die Pres­se kam pünkt­lich um 12 Uhr, al­lein: Kein Ver­tre­ter der Kom­mu­nen war da.

Nur We­sels Bür­ger­meis­te­rin Ul­ri­ke West­kamp (SPD) hat­te im Vor­feld die Teil­nah­me zu­ge­sagt. We­sel gilt oh­ne­hin als der Kies­bran­che zu­ge­tan. Aus den an­de­ren Rat­häu­sern hin­ge­gen ha­be es aus­nahms­los Ab­sa­gen ge­ge­ben, teil­te Chris­ti­an Strunk mit. Da ha­be man mit der We­seler Bür­ger­meis­te­rin ab­ge­spro­chen, dass ih­re al­lei­ni­ge Prä­senz bei die­ser Kon­fe­renz kei­nen Sinn ma­che. Die Ein­la­dun­gen sei­en schon vor fünf Wo­chen raus­ge­gan­gen – die Ab­sa­gen sei­en in den Ta­gen da­nach ge­kom­men. Da­bei, so Strunk, hät­ten ja nicht die Städ­tes­chefs selbst kom­men müs­sen; auch die Mit­ar­bei­ter der Pla­nung wä­ren will­kom­men ge­we­sen.

An vie­len Stel­len am Nie­der­rhein wird der­zeit über ge­plan­te Kies­ab­gra­bun­gen ge­strit­ten. An­lass ist der neue Re­gio­nal­plan, den der Re­gio­nal­ver­band Ruhr (RVR) er­stellt. Er hat man­che Ab­gra­bungs­ge­bie­te in die­sem Plan no­tiert, die die Kies­in­dus­trie nicht will. Die Kies­bran­che wie­der­um will an­de­re Ab­gra­bun­gen dort, wo oh­ne­hin schon Kies­wer­ke ste­hen, et­wa in Pet­ten­kaul bei Gin­de­rich. Auch Vah­num bei Bis­lich sei ei­ne Op­ti­on, sag­te Chris­ti­an Strunk. Aus Sicht von Strunk und Hü­ging-Ho­lem­ans sind an man­chen Stel­len die Sor­gen der Bür­ger vor Ab­gra­bun­gen un­be­rech­tigt. In Kamp-Lint­fort im Be­reich Wick­ra­ther Feld ge­be es gar kein In­ter­es­se von Hüls­kens. Ei­ne Lis­te aber, aus der er­sicht­lich ist, wo die Kies­bran­che künf­tig ab­bau­en will und auf welche der im Re­gio­nal­plan ver­zeich­ne­ten Flä­chen sie ver­zich­ten könn­te, wol­len Strunk und Hü­ging-Ho­lem­ans nicht er­stel­len. Das wür­de ih­nen die Chan­cen ver­bau­en; wenn man­che Kies­gru­be doch nicht aus­ge­ho­ben werden kann.

Auf kon­kre­te Re­gio­nen an­ge­spro­chen, hiel­ten die Kies-Bos­se ih­re Plä­ne nicht zu­rück, son­dern spiel­ten mit of­fe­nen Kar­ten. In Mo­ers im Be­reich Koh­len­huck ist ei­ne er­wei­ter­te Ab­gra­bung klei­ne­rer Art ge­plant. In Rhein­berg se­he man Po­ten­zi­al im Be­reich Wolfs­kuh­len. Auch in Hün­xe sei­en Er­wei­te­run­gen The­ma, aber nicht im Re­gio­nal­plan ent­hal­ten, er­klär­te Chris­ti­an Strunk. In der Bön­ninghardt bei Al­pen hin­ge­gen sei der Bo­den „sehr sand­las­tig“, da­mit we­ni­ger at­trak­tiv für Kies­ab­bau. Das Pro­blem: Wenn Ab­bau­ge­bie­te im Re­gio­nal­plan iden­ti­fi­ziert sind, kann am En­de auch ein nicht der Bran­che an­ge­hö­ren­des Un­ter­neh­men kom­men und ab­gra­ben. Des­halb setzt Ve­ro auf Dia­log und Ein­ver­neh­men mit den Kom­mu­nen.

Aus Sicht der Kies­bran­che ist die Re­ak­ti­on der Städ­te ge­ra­de des­halb fa­tal. Am Frei­tag wie­sen Chris­ti­an Strunk und Micha­el Hü­ging-Ho­lem­ans so­wie Rai­mo Ben­ger als Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des Ve­ro auf den drin­gend nö­ti­gen Be­darf von Kies­men­gen hin. Die Kom­mu­nen sei­en selbst Ab­neh­mer des Kie­ses, bräuch­ten ihn et­wa für Stra­ßen­bau­pro­jek­te vor Ort. „Wie sol­len sonst noch Stra­ßen ge­baut werden?“, fragt Strunk. Die jetzt ge­neh­mig­ten Kies­ab­bau­ge­bie­te am Nie­der­rhein sei­en end­lich. 13 Un­ter­neh­men mit 27 Kies­wer­ken ge­be es in der Re­gi­on, rech­ne­te Micha­el Hü­ging-Ho­lem­ans vor. „Nach jet­zi­gem Stand ver­schwin­den in fünf Jah­ren die ers­ten elf und in den wei­te­ren fünf Jah­ren die nächs­ten elf Wer­ke“, er­klär­te er. Die Po­ten­zia­le des Re­cy­clings sei­en nicht un­end­lich, er­läu­ter­ten Strunk und Ben­ger. Von ei­ner 90-pro­zen­ti­gen Re­cy­cling­quo­te spricht die Bran­che: „90 Pro­zent der mi­ne­ra­li­schen Bau-Ab­riss­stof­fe werden re­cy­celt, die­se er­set­zen zwölf Pro­zent der be­nö­tig­ten mi­ne­ra­li­schen Roh­stof­fe“, sagt Chris­ti­an Strunk.

Selbst wenn al­le Bau­ab­fäl­le in den Kreis­lauf zu­rück­ge­hen wür­den, könn­ten nur 13 Pro­zent der Roh­stof­fe er­set­zen werden. Und noch ei­ne Zahl nann­te Strunk: „Der Pro-KopfVer­brauch von Kies und Sand liegt um­ge­rech­net bei 18 Ki­lo­gramm pro Tag.“

Rai­mo Ben­ger be­tont, dass nicht al­le Flä­chen, die im Re­gio­nal­plan ent­hal­ten sind, tat­säch­lich am En­de auch Ab­gra­bungs­ge­bie­te wür­den. Nach sei­ner Er­fah­rung wür­den ma­xi­mal zwei Drit­teln der im Plan ent­hal­te­nen Ab­gra­bun­gen tat­säch­lich rea­li­siert. „Wir sind auf Dia­log mit den Kom­mu­nen aus­ge­rich­tet“, be­ton­te Rai­mo Ben­ger. Das Ge­sprächs­an­ge­bot mit den Kom­mu­nen gel­te wei­ter­hin.

QUELLE: GEOLOGISCHER DIENST NRW

Je grü­ner, des­to mehr Kies. Die­se Kar­te zeigt mit den schraf­fier­ten Flä­chen an, wo am Nie­der­rhein über­all schon Kies ab­ge­gra­ben wor­den ist. Die­se lie­gen ins­be­son­de­re ent­lang der Rhein­schie­ne. Die dun­kel­grü­nen Flä­chen wie­der­um sind kies­rei­che Stauch­mo­rä­nen.

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