Ur­ge­walt des Was­sers

Rheinische Post Xanten - - Grafschaft - JÜR­GEN KUNELLIS, PFAR­RER DER EVAN­GE­LI­SCHEN KIR­CHEN­GE­MEIN­DE HOERSTGEN

In den ver­gan­ge­nen Ta­gen wa­ren in den Me­di­en – auch in die­ser Zei­tung – er­schüt­tern­de Bil­der zu be­trach­ten und Be­rich­te von Au­gen­zeu­gen über die Na­tur­ka­ta­stro­phe in ei­nem Teil der Fe­ri­en­in­sel Mallor­ca zu hö­ren und zu le­sen. Bis­lang wur­den zwölf Men­schen tot ge­bor­gen, dar­un­ter drei Deut­sche.

Oh­ne die Exis­tenz des Was­sers wä­re kein Le­ben auf un­se­rer Er­de mög­lich. Aber die Ur­ge­walt des Was­sers kann viel Zer­stö­rung an­rich­ten und Le­ben, auch Men­schen­le­ben, wie­der ver­nich­ten. Der bi­bli­sche Schöp­fungs­be­richt im ers­ten Mo­se­buch, mit dem die Hei­li­ge Schrift be­ginnt, ist ein Chaos­ord­nungs­be­richt. Die Er­de wird zum Le­bens­raum für Pflan­zen, Tie­re und am En­de auch Men­schen, in­dem Gott Was­ser und Land trennt. Er bän­digt die Ur­flu­ten. Er weist die­sen Flu­ten fes­te Or­te zu, die Mee­re und den Raum über dem Him­mel, kann man in 1. Mo­se 1 (Ge­ne­sis 1) le­sen.

Wir wis­sen heu­te bes­ser als die Men­schen, die den Schöp­fungs­be­richt ge­schrie­ben ha­ben, dass sich die blaue Far­be des Him­mels nicht ir­gend­wel­chen Was­ser­mas­sen ver­dankt, die dar­über zu su­chen wä­ren, son­dern der Spie­ge­lung des Son­nen­lich­tes. Es ist auch nur ein Bild, dass Gott bei ge­wal­ti­gem Re­gen „die Schleu­sen des Him­mels“öff­net. Und doch ist die­ses Bild tref­fend und kommt zu­sam­men mit der Schil­de­rung ei­ner deut­schen Ur­lau­be­rin, ab­ge­druckt in die­ser Zei­tung, die am Un­glücks­tag in Mallor­ca im Au­to ge­mein­sam mit dem Sohn nur ganz knapp der Ka­ta­stro­phe ent­ging.

Ich den­ke an die Leu­te, die durch das Un­wet­ter auf Mallor­ca Hab und Gut ver­lo­ren ha­ben. Ich den­ke vor al­lem an die­je­ni­gen, die durch die Ka­ta­stro­phe selbst schwer ver­letzt wur­den, viel­leicht noch in Le­bens­ge­fahr schwe­ben oder so­gar ei­nen lie­ben Men­schen ver­lo­ren ha­ben. Dank­bar darf man für die Men­schen sein, die sich ge­ra­de noch so ret­ten konn­ten.

Was­ser macht Le­ben mög­lich, Was­ser kann Le­ben auch ver­nich­ten und das nicht nur da, wo man als Küs­ten­be­woh­ner im süd­li­chen Pa­zi­fi­kraum oder rund um den in­di­schen Oze­an mit der Ge­fahr von Tsu­na­mis zu rech­nen hat, auch in un­se­ren Brei­ten.

Mei­ne Frau und ich ha­ben ein paar Jah­re lang ein Fe­ri­en­haus an ei­nem klei­nen Fluss im Grenz­ge­biet zwi­schen Deutsch­land und Lu­xem­burg be­ses­sen. Da gab es auch meh­re­re Hoch­was­ser­si­tua­ti­on, die wir selbst mit­er­lebt ha­ben, bei de­nen sich das „Flüss­chen“ur­plötz­lich in ei­nen rei­ßen­den Strom ver­wan­del­te, und ein­mal auch ein Men­schen­le­ben im Nach­bar­ort zu be­kla­gen war.

Wir sind als Men­schen nicht die Her­ren des Le­bens, son­dern sehr dar­auf an­ge­wie­sen, dass sich die Na­tur uns ge­gen­über freund­lich er­weist. Le­ben im Ein­klang mit der Na­tur, be­deu­tet das für mich und, die Ver­ant­wor­tung, die Gott uns für die Be­wah­rung der Schöp­fung zu­spricht, auch ernst zu neh­men. An­re­gun­gen da­für, wie das am je ei­ge­nen Ort bes­ser als bis­her ge­lin­gen kann, gibt es ge­nug. Mei­ne Frau und ich ver­su­chen es, das nur als ein Bei­spiel, an un­se­rem Wohn­ort mit der Pfle­ge ei­nes Stü­ckes Grün­flä­che als na­tur­na­hem Gar­ten.

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