Mil­lio­nen für Par­tei­en

Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on will im Schat­ten der Fuß­ball-WM die staat­li­che Wahl­kampf­kos­ten­er­stat­tung er­hö­hen.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Ste­fan Ke­gel

Ber­lin. Es wä­re ein Ge­setz mehr, das im Schat­ten ei­ner Fuß­ball-WM ein­ge­fä­delt wird: Im Eil­tem­po will die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von CDU/CSU und SPD ihr Vor­ha­ben durch den Bun­des­tag peit­schen, mehr Geld aus der Staats­kas­se zu er­hal­ten. Erst vor ei­ner Wo­che fand die ers­te Le­sung im Par­la­ment statt. Dann wur­de ei­ne Ex­per­ten­an­hö­rung im In­nen­aus­schuss an­ge­setzt. Heu­te nun will die Ko­ali­ti­on die zwei­te und drit­te Le­sung plus Ab­stim­mung in die Bun­des­tags-Ta­ges­ord­nung drü­cken.

Dar­um geht es: Uni­on und SPD wol­len den bis­he­ri­gen Ma­xi­mal­be­trag an staat­li­chen Zu­wen­dun­gen für Par­tei­en vom kom­men­den Jahr an von 165 auf 190 Mil­lio­nen Eu­ro an­he­ben – ein Plus von 15 Pro­zent. Al­so deut­lich mehr als die bis­her üb­li­che An­pas­sung an die Preis­ent­wick­lung. Da­von wür­den al­le Par­tei­en pro­fi­tie­ren, die größ­ten al­ler­dings am meis­ten. In ih­rem Ge­setz­ent­wurf be­grün­den Uni­on und SPD ihr Vor­ha­ben da­mit, dass sich der po­li­ti­sche Wil­lens­bil­dungs­pro­zess seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik ins­be­son­de­re durch die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert ha­be. Mit an­de­ren Wor­ten: Sie be­nö­ti­gen das Geld für so­zia­le Me­di­en so­wie für die Ab­wehr von Ha­cker­an­grif­fen.

We­sent­li­che Än­de­rung?

Es sei nicht das Ziel, „noch schö­ne­re Par­tei­zen­tra­len zu bau­en“, sag­te SPD-Bun­des­schatz­meis­ter Diet­mar Nie­t­an im Deutschlandfunk. Al­lein sei­ne Par­tei be­kom­me durch ihr schlech­tes Er­geb­nis bei der Bun­des­tags­wahl im Jahr 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger als zu­vor. Zu­dem ge­he es dar­um, dass „die Par­tei­en in der di­gi­ta­len Welt mit den Fein­den der De­mo­kra­tie mit­hal­ten kön­nen“.

Al­ler­dings: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt er­mög­licht ei­ne deut­li­che An­he­bung der ab­so­lu­ten Ober­gren­ze nur „bei ei­ner we­sent­li­chen Än­de­rung der Ver­hält­nis­se“. Dass solch ei­ne Än­de­rung vor­liegt, wird von den Op­po­si­ti­ons­par­tei­en be­zwei­felt. „Da­mit be­schä­di­gen Uni­on und SPD das Ver­trau­en in Po­li­tik und De­mo­kra­tie“, be­klag­te Jan Kor­te (Lin­ke) und kün­dig­te ei­ne Nor­men­kon­troll­kla­ge an.

Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen be­grün­den die Dring­lich­keit mit dem na­hen En­de der Haus­halts­be­ra­tun­gen. Al­ler­dings kom­men Er­in­ne­run­gen an an­de­re un­an­ge­neh­me po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen auf, die ge­trof­fen wur­den, wäh­rend Deutsch­land im Fuß­ball­fie­ber war. Wäh­rend der WM 2006 be­schloss der Bun­des­tag ei­ne An­he­bung der Mehr­wert­steu­er von 16 auf 19 Pro­zent. Vier Jah­re spä­ter wur­den im Wind­schat­ten der Welt­meis­ter­schaft die Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge von 14,9 auf 15,5 Pro­zent er­höht.

Und bei der EM 2012 re­for­mier­te der Bun­des­tag zu spä­ter St­un­de bin­nen ei­ner Mi­nu­te das Mel­de­we­sen: Die Mel­de­äm­ter soll­ten Adres­sen von Bür­gern an Un­ter­neh­men wei­ter­ge­ben dür­fen. Der Ge­setz­ent­wurf wur­de nach ei­nem öf­fent­li­chen Auf­schrei spä­ter vom Bun­des­rat ge­än­dert.

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