War­ten auf den Kid­nap­per-Pro­zess

Die Er­mitt­lun­gen zur Ent­füh­rung des Un­ter­neh­mer­sohns Mar­kus Würth lau­fen noch. Ein Tat­ver­däch­ti­ger sitzt in Un­ter­su­chungs­haft.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Hans Ge­org Frank

Ei­ne An­kla­ge ist auch drei Mo­na­te nach der Ver­haf­tung des mut­maß­li­chen Ent­füh­rers von Mar­kus Würth nicht er­ho­ben. „Die Er­mitt­lun­gen ste­hen kurz vor dem Ab­schluss“, sag­te Rou­ven Spie­ler, stell­ver­tre­ten­der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Gie­ßen, auf An­fra­ge der SÜDWEST PRES­SE. Ein 48 Jah­re al­te Ser­be war ziem­lich über­ra­schend im März ge­fasst wor­den, nach­dem ihn ei­ne Zeu­gin zu­nächst auf ei­nem Phan­tom­fo­to er­kannt und über ei­ne Hot­line der Po­li­zei auch sei­ne Stim­me iden­ti­fi­ziert ha­ben woll­te. Zu­vor hat­te den Er­mitt­lern gut 1000 Ta­ge lang der ent­schei­den­de Hin­weis auf den Tä­ter ge­fehlt.

An Baum ge­fes­selt

Der we­gen ei­nes Impf­scha­dens seit sei­nem zwei­ten Le­bens­jahr be­hin­der­te Sohn des Kün­zel­sau­er Un­ter­neh­mer­paa­res Rein­hold und Car­men Würth war am 17. Ju­ni 2015 in ei­ner be­schüt­zen­den Ein­rich­tung, dem Hof­gut Sas­sen in der Nä­he von Ful­da, ge­kid­nappt wor­den. So­fort wur­de ei­ne groß an­ge­leg­te Such­ak­ti­on ge­star­tet. Am Mor­gen des nächs­ten Ta­ges fand die Po­li­zei das da­mals 50 Jah­re al­te Op­fer in ei­nem Wald bei Würz­burg. Mar­kus Würth war mit ei­ner Ket­te an ei­nen Baum ge­fes­selt. Er war äu­ßer­lich weit­ge­hend un­ver­sehrt. Der Tä­ter hat­te den Fahn­dern die Stel­le ge­nannt.

„Mar­kus hat­te Glück, dass er nicht spre­chen kann“, sag­te Rein­hold Würth (83) kürz­lich in ei­nem In­ter­view. „Hät­te er ver­ra­ten kön­nen, wie der Tä­ter aus­sah, hät­te der ihn wahr­schein­lich um­ge­bracht.“Als sein Sohn ent­deckt wor­den sei, ha­be er „nicht mal ei­nen Blut­er­guss“ge­habt.

Von den El­tern war ein Lö­se­geld von drei Mil­lio­nen Eu­ro ge­for­dert wor­den. Es kam zu kei­ner Über­ga­be. Zwar wur­de auch mit Hil­fe der ZDF-Sendung „Ak­ten­zei­chen xy un­ge­löst“nach Tä­ter und even­tu­el­len Kom­pli­zen ge­sucht, aber der „So­ko Hof“ge­lang der er­hoff­te Durch­bruch nicht. Da­bei hat­ten Sprach­ana­ly­sen der auf­ge­zeich­ne­ten Te­le­fo­na­te durch Spe­zia­lis­ten des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes und der Uni Mar­burg er­ge­ben, dass der Mann zwi­schen 40 und 52 Jah­ren sein und aus dem Grenz­ge­biet zwi­schen Ser­bi­en und Mon­te­ne­gro stam­men müs­se. Deutsch ha­be er ver­mut­lich im Rhein-Main-Ge­biet ge­lernt.

Bei der Fest­nah­me schnapp­ten Spe­zi­al­kräf­te der Po­li­zei in Of­fen­bach ei­nen 48 Jah­re al­ten Hand­wer­ker, der in dem ver­mu­te­ten Bal­k­an­ge­biet auf­ge­wach­sen ist. Der Mann ist ver­hei­ra­tet und Va­ter von zwei Kin­dern. Er war nach län­ge­rer Ob­ser­va­ti­on in sei­ner Woh­nung über­wäl­tigt wor­den. Zwar hat er nach An­ga­ben von Er­mitt­lern beim ers­ten Ver­hör „zehn St­un­den dau­er­ge­quatscht“, ein Ge­ständ­nis ha­be er je­doch nicht ab­ge­legt. Dar­an hat sich nach In­for­ma­tio­nen die­ser Zei­tung bis­her nichts ge­än­dert.

Nach der ge­schei­ter­ten Er­pres­sung soll der Ser­be 2017 er­neut ver­sucht ha­ben, Lö­se­geld zu er­pres­sen. Wie die Staats­an­walt­schaft im Früh­jahr mit­teil­te, soll er ge­droht ha­ben, ent­we­der noch ein­mal Mar­kus Würth oder ein an­de­res Mit­glied der Fa­mi­lie zu ent­füh­ren. In sei­nen E-Mails hat er an­geb­lich um­ge­rech­net 70 Mil­lio­nen Eu­ro in ei­ner Kryp­towäh­rung ver­langt. Der Kon­takt ist dann aber ab­ge­bro­chen.

Foto: Arne De­dert/dpa

Nach der Ent­füh­rung 2015: Po­li­zei vor dem „Hof­gut Sas­sen“in Os­thes­sen.

Soll­te Lö­se­geld für sei­nen Sohn zah­len: Rein­hold Würth.

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