Ver­fah­ren ge­gen Göp­pin­ger Neo­na­zis vor der Ein­stel­lung

Vor zwei Jah­ren kas­sier­te der Bun­des­ge­richts­hof das Ur­teil. Jetzt gibt es an­schei­nend kei­nen neu­en Pro­zess ge­gen die „Au­to­no­men Na­tio­na­lis­ten“.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Dirk Hül­ser

Es war der auf­wen­digs­te Pro­zess, der im Süd­wes­ten ge­gen Rechts­ex­tre­mis­ten ge­führt wur­de – jetzt wird das Ver­fah­ren wohl sang- und klang­los ein­ge­stellt.

Mit ei­nem auf­se­hen­er­re­gen­den Ur­teil wur­den im Au­gust 2015 vier Mit­glie­der der vom In­nen­mi­nis­te­ri­um ver­bo­te­nen „Au­to­no­men Na­tio­na­lis­ten Göp­pin­gen“(ANGP) ver­ur­teilt – un­ter an­de­rem we­gen Grün­dung ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung. Zwei der Haft­stra­fen wur­den zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

Die zwei Män­ner, de­ren Stra­fen von je­weils mehr als zwei Jah­ren nicht zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wa­ren, gin­gen in Re­vi­si­on – und der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) gab ih­nen im Mai 2016 recht. Die Karls­ru­her Rich­ter ho­ben al­le vier Ur­tei­le auf.

Da­bei hat­te es sich die Staats­schutz­kam­mer des Stutt­gar­ter Land­ge­richts un­ter Vor­sitz von Rich­te­rin Ma­nue­la Hauß­mann mit der Ur­teils­fin­dung nicht ein­fach ge­macht: 45 Ver­hand­lungs­ta­ge, 122 Zeu­gen, 19 000 Sei­ten Ak­ten wa­ren es schließ­lich.

Der BGH be­fand dann aber, die Kam­mer ha­be es sich doch zu ein­fach ge­macht: „Die Ur­teils­grün­de tra­gen die Schuld­sprü­che nicht, weil sie nicht rechts­feh­ler­frei be­le­gen, dass es sich bei der ANGP um ei­ne kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung han­del­te.“Das Stutt­gar­ter Ur­teil wur­de kas­siert und zu­rück­ver­wie­sen an ei­ne an­de­re Kam­mer des Land­ge­richts.

Nach mehr als zwei Jah­ren sind noch im­mer kei­ne neu­en Ver­hand­lungs­ta­ge ter­mi­niert. „Ob er­neut ver­han­delt oder das Ver­fah­ren ein­ge­stellt wird, ist noch völ­lig of­fen“, sagt der Pres­se­spre­cher des Land­ge­richts, Jo­han­nes Frid­rich. „Das, was der BGH mo­niert hat, muss man be­rück­sich­ti­gen“, be­tont er – und fügt hin­zu: „Da bleibt dann vom Tat­vor­wurf nicht mehr viel üb­rig.“

Soll­te das Ver­fah­ren ein­ge­stellt wer­den, müs­sen al­le Be­tei­lig­ten zu­stim­men, da­zu sind Ge­sprä­che nö­tig. „Ich den­ke, in dem Sta­di­um sind wir ge­ra­de“, sagt Frid­rich. Der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt Hans Stef­fan, der ei­nen der An­ge­klag­ten ver­tei­digt hat­te, will Frid­rich nicht wi­der­spre­chen: „Ich wür­de das so be­stä­ti­gen.“

Die Staats­an­walt­schaft will ei­ner Ein­stel­lung eben­falls zu­stim­men, auch wenn da­zu ges­tern of­fi­zi­ell kei­ne Be­stä­ti­gung zu be­kom­men war. Be­din­gung sei al­ler­dings, dass die An­ge­klag­ten im Ge­gen­zug auf ei­ne Haft­ent­schä­di­gung ver­zich­ten. Drei der Neo­na­zis hat­ten in Un­ter­su­chungs­haft ge­ses­sen. In Jus­tiz­krei­sen heißt es au­ßer­dem, dass drei der An­ge­klag­ten im Prin­zip mit ei­ner Ein­stel­lung ein­ver­stan­den sei­en, auch der vier­te Mann wer­de wohl zu­stim­men.

Ob er­neut ver­han­delt oder das Ver­fah­ren ein­ge­stellt wird, ist noch völ­lig of­fen. Jo­han­nes Frid­rich Pres­se­spre­cher, Land­ge­richt Stutt­gart

Foto: Ci­a­c­in­to Car­luc­ci

Kon­trol­len beim Pro­zess 2015: Ge­gen die da­mals ver­ur­teil­ten „Au­to­no­men Na­tio­na­lis­ten“gibt es nach der Auf­he­bung des Ur­teils durch den BGH vor­aus­sicht­lich kei­nen neu­en Pro­zess mehr.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.