Sohn er­dros­selt Mut­ter mit Ka­bel

21-Jäh­ri­ger muss sich in Heil­bronn we­gen Tot­schlags ver­ant­wor­ten.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - SÜDWESTUMSCHAU - Hans Ge­org Frank

Heil­bronn. Die Schuld am ge­walt­sa­men Tod sei­ner Mut­ter Evi­ta hat der Sohn beim Pro­zess­auf­takt vor dem Land­ge­richt Heil­bronn ges­tern ein­ge­stan­den. Bei ei­nem Streit ha­be er sie mit je­nem Ver­län­ge­rungs­ka­bel er­dros­selt, mit dem sie ihn zu­vor sel­ber be­droht ha­be, ließ Vin­cent Z. (21) sei­nen An­walt er­klä­ren. Die 52-jäh­ri­ge Frau sei „ver­bal ex­plo­diert“, als er „ganz nor­mal“ge­fragt ha­be, ob sie re­gel­mä­ßig ih­re Me­di­ka­men­te neh­me. Als „Bas­tard und Hu­ren­sohn“ha­be sie ihn be­schimpft. „Es war ein­fach zu viel“, sag­te der Ver­tei­di­ger.

In dem Pro­zess, für den bis En­de Ju­li elf Ver­hand­lungs­ta­ge an­be­raumt sind, geht es um Tot­schlag. Die Staats­an­walt­schaft hat­te kei­ne Merk­ma­le für Mord ge­fun­den. Die Frau war am 25. Ok­to­ber 2017 in ih­rer Woh­nung in Heil­bron­ner-Neckar­gartach ge­tö­tet wor­den. Die Lei­che, ein­ge­packt in ei­ne De­cke, brach­te der Sohn im Au­to ei­nes Freun­des ans Neckar­ufer im 40 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Gut­ten­bach. „Er woll­te sie ein­fach nur los­wer­den“, er­klär­te der An­walt.

Im Pro­zess ent­stand das Bild ei­ner ex­trem zer­rüt­te­ten Fa­mi­lie. Die nicht ver­hei­ra­te­ten El­tern hat­ten sich ge­trennt, als Vin­cent zwei Jah­re alt ge­we­sen ist. Er leb­te mal bei der Mut­ter und ih­ren wech­seln­den Part­nern, mal bei der Oma, die von zwölf bis 18 Jah­ren das Sor­ge­recht hat­te. Im Gespräch mit der Ju­gend­ge­richts­hil­fe be­rich­te­te er von „kör­per­li­cher Ge­walt, Be­lei­di­gun­gen, Be­schimp­fun­gen, Ver­wahr­lo­sung“. Sei­ne Mut­ter sei „al­ko­hol­krank, ma­nisch-de­pres­siv und schi­zo­phren“ge­we­sen. Er sei ta­ge­lang in ei­nen Ge­wöl­be­kel­ler ge­sperrt wor­den, „oh­ne Es­sen und Trin­ken“.

Nach zwei ab­ge­bro­che­nen Be­rufs­kol­legs hat der Re­al­schü­ler kei­ne Leh­re ab­sol­viert. Er leb­te von Ge­le­gen­heits­jobs und vom Dro­gen­han­del. In der Un­ter­su­chungs­haft denkt er an ei­ne Leh­re als Schlos­ser oder Frä­ser, um in ei­nem Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­pro­jekt ei­nen Job bei Por­sche zu be­kom­men. Al­ler­dings ver­läuft die Haft nicht un­ge­stört. Die An­kla­ge we­gen Tot­schlags wur­de er­wei­tert um den Vor­wurf der ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung. In der Voll­zugs­an­stalt soll er ei­nen Mit­häft­ling nie­der­ge­schla­gen ha­ben.

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