In Ugan­da mit TSV-Tri­kots

Vier Fa­mi­li­en aus Brauns­bach spen­den ei­nem Wai­sen­haus in Ugan­da seit Jah­ren Geld. Nun ha­ben sie es be­sucht. Was sie er­le­ben ist be­we­gend und be­schä­mend zu­gleich.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - MENSCHEN - Ha­rald Zi­gan Von Sonja Ale­xa Schmitz

Die klei­ne Hand greift ganz zart die gro­ße. Ein Blick aus dun­kel­brau­nen Kin­der­au­gen von un­ten in die blau­en Au­gen von Bar­ba­ra Mey­er-Benz: „Can we be fri­ends?“

Ganz schüch­tern sei­en die Kin­der ge­we­sen, de­nen die Deut­schen im Wai­sen­haus in Ugan­da be­geg­net sind. Zehn Ta­ge wa­ren die Brauns­ba­cher vor Ort. Zar­te und in­ni­ge Kon­tak­te ha­ben sich in die­ser Zeit ent­wi­ckelt. Die Fa­mi­li­en Mey­er-Benz, Ehr­mann, Bürk­le und Kretz­sch­mar, ins­ge­samt 17 Per­so­nen, stei­gen in Deutsch­land in den Flie­ger. Das Wai­sen­haus un­ter­stüt­zen sie schon seit Jah­ren.

Ur­laub mit Sinn

Es be­gann mit der Be­kannt­schaft des Hei­den­hei­mers Ja­ko­bus Rich­ter, der als Re­fe­rent, zum Bei­spiel bei Frau­en­früh­stü­cken, mehr­mals in der Ge­gend war. Er ist ei­ner der Grün­der von „Kim­bi­lio“, ei­ner Art In­ter­nat für Wai­sen. Klaus Ehr­mann fuhr vor rund zehn Jah­ren hin – Ur­laub mit Sinn – und half bei der Er­rich­tung der Ge­bäu­de. Zu sei­nem 50. Ge­burts­tag bat er die Freun­de um Spen­den, statt Ge­schen­ke. Das Pro­jekt ging im Be­kann­ten­kreis rum. Al­le zwei Jah­re fährt Ja­ko­bus Rich­ter mit der 5. und 6. Klas­se drei Ta­ge auf Sa­fa­ri, ei­ne Art Klas­sen­fahrt al­so. Er reg­te die Deut­schen an, die mitt­ler­wei­le auch Pa­ten­kin­der im Wai­sen­haus ha­ben, mit­zu­fah­ren.

Mit dop­pelt so vie­len Kof­fern wie Per­so­nen tre­ten sie die Rei­se an. Ih­re Mit­bring­sel sind: Bü­cher, die sie von Bü­che­rei­en der Re­gi­on ge­spen­det be­ka­men, aus­ran­gier­te Tri­kots vom TSV Brauns­bach und dem Crails­hei­mer Ele­ven Team Sport, Gum­mi­bär­le und Gast­ge­schen­ke für die Leh­rer. Au­ßer­dem 1500 Eu­ro, die sie vom Ge­mein­de­fest der Kirchen Jung­holz­hau­sen/Or­lach/Elz­hau­sen über­rei­chen konn­ten.

Ugan­da, wis­sen die Brauns­ba­cher, ist ein sehr ar­mes Land. Sehr vie­le Men­schen lei­den an Aids, je­de vier­te Frau ist er­krankt und Kin­der kön­nen die Krank­heit durchs Stil­len über­tra­gen be­kom­men. Kin­der, die ih­re El­tern ver­lie­ren, ha­ben es in dem afri­ka­ni­schen Land schwer.

Die Ver­wandt­schaft sche­re sich nicht viel um das zu­sätz­li­che Kind, meist ha­ben sie schon mit den ei­ge­nen zu viel zu tun. Da kommt es zum Bei­spiel vor, dass das Kind mor­gens zum Was­ser­ho­len ge­schickt wird, und wenn es wie­der­kommt, hat es das Früh­stück ver­passt.

In „Kim­bi­lio“gibt es im­mer­hin drei Mahl­zei­ten, wenn auch täg­lich das Glei­che: zwei­mal am Tag Mais mit Boh­nen und ei­ner Art Kohl. Das Kind hat ein Bett und es be­kommt ei­ne pas­sa­ble Schul­bil­dung. Vor al­lem aber hat es Bin­dun­gen zu wohl­wol­len­den Men­schen. Die 17 Deut­schen sind drei Ta­ge in der Schu­le. Die Kin­der sind schüch­tern. Erst nach ei­ner Wei­le nä­hern sie sich den Deut­schen, grei­fen plötz­lich ei­ne Hand und las­sen sie dann nicht mehr los. Es sind stil­le Kin­der, sie re­spek­tie­ren ih­re Leh­rer, sie be­ten je­den Abend und ver­ges­sen in ih­rer täg­li­chen And­acht auch nicht, den Deut­schen im­mer wie­der zu dan­ken.

Ein Abend ist für die 12- und 13-Jäh­ri­gen un­ver­gess­lich: Im Ho­tel, in dem die Deut­schen woh­nen, gibt es je­den Abend Buf­fet. Die Brauns­ba­cher fra­gen an, ob man nicht mal für die Kin­der, die in ei­ner Ba­ra­cke woh­nen und den üb­li­chen Mais­boh­nen­brei es­sen, ein Buf­fet auf­bau­en kön­ne.

Mit gro­ßen Au­gen ste­hen die Kin­der vor Spa­ghet­ti, Fleisch­bäll­chen und To­ma­ten­so­ße und la­den ih­re Tel­ler über­voll. Die Deut­schen sit­zen in­mit­ten von ih­nen. Sie er­klä­ren ih­nen, wie man mit Mes­ser und Ga­bel isst. Und nach dem Es­sen las­sen sie sie auf ih­ren Smart­pho­nes spie­len und Fo­tos ma­chen.

„Ich war be­schämt, wie we­nig sie ha­ben und da­mit zu­frie­den oder gar glück­lich sind“, sagt Re­na­te Kretz­sch­mar. „Ich ha­be mich un­wohl ge­fühlt, ih­nen mei­ne in­tak­te Fa­mi­lie vor­zu­stel­len“, sagt Bri­git­te Ehr­mann. „Wie die Kin­der un­se­re Nä­he ge­sucht ha­ben, das hat mich sehr be­wegt“, er­in­nert sich Bar­ba­ra Mey­er-Benz mit feuch­ten Au­gen. Su­san­ne Bürk­le zeigt ein Foto. Dar­auf ist der Rü­cken ih­rer Toch­ter zu se­hen, um­armt von dem klei­nen dunk­len Arm ei­nes Wai­sen­kin­des. „Der lag dort die gan­ze Bus­fahrt über.“

Info

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu dem Pro­jekt un­ter www.hear­t4child­ren.de.

Foto: pri­vat

Vier Fa­mi­li­en aus Brauns­bach rei­sen nach Ugan­da und be­su­chen ein Wai­sen­haus, das sie seit Jah­ren mit der Or­ga­ni­sa­ti­on „He­art for child­ren“un­ter­stüt­zen.

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