Kos­ten­ex­plo­si­on im Tief­bau: Gaildorf zieht Reiß­lei­ne

Gaildorf han­delt: Die Aus­schrei­bung für zwei Tief­bau­maß­nah­men wird we­gen sat­ter Preis­stei­ge­run­gen auf­ge­ho­ben. Die An­ge­bo­te lie­gen zum Teil mehr als 75 Pro­zent über der Kal­ku­la­ti­on.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - Von Klaus Micha­el Oß­wald

Mit gu­tem Wil­len al­lein ist es nicht mehr ge­tan: Ei­ni­ge ge­plan­te Tief­bau­ar­bei­ten, die im ak­tu­el­len Haus­halts­plan der Stadt Gaildorf aus­ge­wie­sen sind, müs­sen auf un­be­stimm­te Zeit ge­scho­ben wer­den. Nicht des­halb, weil sich Stadt­ver­wal­tung und Ge­mein­de­rat fi­nan­zi­ell über­nom­men hät­ten. Viel­mehr ist das zö­ger­li­che Ver­hal­ten der La­ge auf dem Markt ge­schul­det.

We­ni­ge, aber teu­re An­ge­bo­te

Kon­kret: Die Zahl der An­ge­bo­te auf ent­spre­chen­de Aus­schrei­bun­gen ist in jüngs­ter Zeit auf ein über­sicht­li­ches Ni­veau ge­sun­ken. Im Ge­gen­zug ha­ben die Prei­se für ein­zel­ne Tief­bau­ge­wer­ke or­dent­lich an­ge­zo­gen. Die we­ni­gen An­ge­bo­te lie­gen zum Teil er­heb­lich über den kal­ku­lier­ten Kos­ten. Nun hat die Stadt in zwei Fäl­len die Reiß­lei­ne ge­zo­gen – und mit ein­mü­ti­ger Rü­cken­de­ckung durch den Tech­ni­schen Aus­schuss des Ge­mein­de­rats die Aus­schrei­bun­gen auf­ge­ho­ben.

Nur ge­rin­ges In­ter­es­se

Das be­trifft nun auch die Sa­nie­rung von Ka­nal- und Was­ser­lei­tung in der Raiff­ei­sen­stra­ße in Ot­ten­dorf: Auf die öf­fent­li­che Aus­schrei­bung hin hat­ten vier Un­ter­neh­men die nö­ti­gen Un­ter­la­gen an­ge­for­dert. Am En­de gab es nur zwei An­ge­bo­te – das ei­ne über et­was mehr als 890 000 Eu­ro, das teu­re­re über rund 1,13 Mil­lio­nen Eu­ro. Laut ak­tu­el­ler Kal­ku­la­ti­on hat­ten Ver­wal­tung und Ver­bands­bau­amt mit 666 000 Eu­ro ge­rech­net. Da­mit liegt das preis­wer­tes­te An­ge­bot um mehr als 220 000 Eu­ro und da­mit fast 35 Pro­zent über der Be­rech­nung.

Dras­ti­scher ist der zwei­te Fall, mit dem sich der Aus­schuss am Mitt­woch­abend zu be­fas­sen hat­te: Die mit 270 000 Eu­ro ver­an­schlag­te Ka­nal­sa­nie­rung in der Frasch­stra­ße wür­de nun nach dem güns­tigs­ten der drei ein­ge­gan­ge­nen An­ge­bo­te rund 475 000 Eu­ro kos­ten. Das ent­spricht ei­ner Über­schrei­tung der be­rech­ne­ten Kos­ten um mehr als 75 Pro­zent.

„Nicht un­be­dingt die­ses Jahr“

Oh­ne zu zö­gern, folg­te der Aus­schuss dem Vor­schlag, die­se Aus­schrei­bun­gen auf­zu­he­ben. Zu­vor hat­te Ver­bands­bau­meis­ter Man­fred Son­ner über das Er­geb­nis ei­ner ju­ris­ti­schen Prü­fung der Vor­ge­hens­wei­se be­rich­tet, die er­ge­ben ha­be: Die Auf­he­bung sei zu­läs­sig. In sol­chen Fäl­len gilt dem Ver­neh­men nach ei­ne 20-pro­zen­ti­ge Über­schrei­tung als Richt­schnur. In bei­den Fäl­len muss in ab­seh­ba­rer Zeit zwar ge­han­delt wer­den, wie Ver­bands­bau­meis­ter Man­fred Son­ner er­klär­te, aber „nicht un­be­dingt die­ses Jahr“.

Ob sich die „über­hitz­te Bau­kon­junk­tur“– die meis­ten Fir­men ha­ben vol­le Auf­trags­bü­cher – in ab­seh­ba­rer Zeit ab­kühlt, ist un­ge­wiss. Man müs­se den Markt ge­nau be­ob­ach­ten, riet Man­fred Son­ner. Das Preis­ni­veau wer­de si­cher wie­der sin­ken, al­ler­dings nicht im er­hoff­ten Aus­maß.

„Funk­tio­na­li­tät“geht vor

Ver­bands­bau­amt und Stadt­ver­wal­tung sind sich denn auch si­cher, dass noch nicht aus­ge­schrie­be­ne Bau­maß­nah­men „im Re­gel­fall nicht mehr zu ei­nem Aus­füh­rungs­be­ginn im Jahr 2018 auf den Markt ge­bracht“wür­den, heißt es in dem Ar­beits­pa­pier. Aus­ge­nom­men sei­en Bau­ar­bei­ten, die im Rah­men des be­reits ver­ge­be­nen Jah­res­auf­trags er­le­digt wer­den könn­ten – al­so „zu weit­ge­hend fest­ste­hen­den Kon­di­tio­nen“.

Ein Stich­wort, das nun auch die künf­ti­gen städ­ti­schen Pla­nun­gen be­stimmt, ist die „Funk­tio­na­li­tät“– und meint, dass zu­nächst in ers­ter Li­nie aus Kos­ten­grün­den sol­che Pro­jek­te in die Pla­nung ein­be­zo­gen wer­den sol­len, de­ren Um­set­zung eben „aus funk­tio­na­len Grün­den drin­gend er­for­der­lich ist“. Und da­zu zäh­len et­wa Maß­nah­men, die nö­tig sind, „um ei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Ab­was­ser­lei­tung wei­ter­hin zu ge­währ­leis­ten“. Wei­te­re In­ves­ti­tio­nen will die Stadt vo­r­erst zu­rück­stel­len.

Erst die Pflicht, dann die Kür

Ganz kon­kret heißt das, dass zu­nächst die Pflicht kommt, dann erst die Kür. Man will sich nun „an­ti­zy­klisch“ver­hal­ten, al­so dann in­ves­tie­ren, wenn die Markt­la­ge wie­der freie Ka­pa­zi­tä­ten und da­mit güns­ti­ge­re Prei­se ver­heißt. Und so hat­te der Aus­schuss be­reits über ver­schie­de­ne wei­te­re Pro­jek­te zu be­fin­den, die noch nicht aus­ge­schrie­ben sind, al­so „noch nicht an den Markt ge­bracht“.

Ge­scho­ben wer­den sol­len et­wa Stra­ßen­sa­nie­run­gen (zum Bei­spiel in den Dorf­gär­ten), die Neu­ge­stal­tung (ein­schließ­lich Ka­nal und Was­ser­lei­tung) von As­an­gund Lang­wie­sen­stra­ße oder die Er­schlie­ßung des klei­nen Bau­ge­biets Gar­ten­stra­ße (bis In­ves­to­ren ge­fun­den sind). Die­se Maß­nah­men sum­mie­ren sich auf fast 1 Mil­li­on Eu­ro. Mit der Um­ge­stal­tung des Stadt­fried­hofs samt We­ge­bau soll noch die­ses Jahr be­gon­nen wer­den. Eben­falls soll 2018 noch die Vor­be­rei­tung für den Bau des Lösch­was­ser­be­häl­ters Reip­pers­berg an­lau­fen und der Breit­band­an­schluss für Schön­berg her­ge­stellt wer­den.

Für 2019 vor­ge­se­hen sind die Um­ge­stal­tung der Ein­mün­dung Bahn­stra­ße in Klein­altdorf oder der Brun­nen­platz in Müns­ter. Auch die­ser Vor­ge­hens­wei­se stimm­te der Aus­schuss zu.

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