Der Ball rollt

Prä­si­dent Pu­tin fei­ert sich zum Auf­takt der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft wie er­war­tet selbst, doch Pop­star Rob­bie Wil­li­ams gibt dem über­ra­schend schlich­ten Rei­gen die un­an­stän­di­ge No­te.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - Von Ar­min Gras­muck Wei­te­re Bil­der von der Eröffnungsfeier un­ter swp.de/bil­der

Erst Rob­bie Wil­li­ams, dann An­pfiff: Mit vier Hits des bri­ti­schen Su­per­stars hat die Fuß­ball-WM in Russ­land be­gon­nen. Vor 80 000 Zu­schau­ern im aus­ver­kauf­ten Mos­kau­er Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on prä­sen­tier­te sich Gast­ge­ber Russ­land in ei­ner Show mit 800 Teil­neh­mern. An­schlie­ßend be­strit­ten Russ­land und Sau­di-Ara­bi­en das ers­te Spiel des Tur­niers.

Wir lie­ben Fuß­ball wirk­lich, und das ist so­zu­sa­gen ei­ne Lie­be auf den ers­ten Blick.

Wla­di­mir Pu­tin Prä­si­dent der Rus­si­schen Fö­de­ra­ti­on

Das, lie­ber Rob­bie Wil­li­ams, war nun wirk­lich nicht die fei­ne eng­li­sche Art. Mit ei­ner klei­nen, un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­te hat der Pop­star der Eröffnungsfeier der 21. Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Russ­land ei­ne höchst un­an­stän­di­ge No­te ge­ge­ben. Wil­li­ams rock­te ge­ra­de sei­ne Zu­ga­be, als er in der Lied­zei­le „I did this for free“(„Ich ha­be dies kos­ten­los ge­macht“) de­mons­tra­tiv den Mit­tel­fin­ger sei­ner lin­ken Hand mit­ten in die Ka­me­ra streck­te, die sei­nen Auf­tritt rund um den Glo­bus über­trug. In den so­zia­len Netz­wer­ken wur­de prompt spe­ku­liert, der bri­ti­sche Sän­ger ha­be auf die Kri­ti­ker in der Hei­mat ge­zielt, die ihm den Ein­satz in Russ­land krumm ge­nom­men hat­ten.

Wla­di­mir Pu­tin schien von der spon­ta­nen Hand­ar­beit un­be­ein­druckt. Der rus­si­sche Prä­si­dent wand­te sich we­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter strah­lend in ei­ner kur­zen, von Pa­thos ge­tränk­ten Re­de an die 80 000 Be­su­cher im Mos­kau­er Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on und hun­der­te Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schau­er. „Ich gra­tu­lie­re der gro­ßen mul­ti­na­tio­na­len, fried­li­chen Fuß­ball­fa­mi­lie zum Be­ginn des wich­tigs­ten Tur­niers des Pla­ne­ten“, sag­te Pu­tin auf ei­nem Po­di­um der Eh­ren­tri­bü­ne: „Das ist ein gran­dio­ses Sport­er­eig­nis, das zum ers­ten Mal in Russ­land statt­fin­det. Und wir freu­en uns auf­rich­tig dar­über. In un­se­rem Land ist Fuß­ball nicht nur der meist­ver­brei­te­te Sport. Wir lie­ben Fuß­ball wirk­lich, und das ist so­zu­sa­gen ei­ne Lie­be auf den ers­ten Blick, seit dem ers­ten of­fi­zi­el­len Spiel, das in Russ­land im Jahr 1897 statt­ge­fun­den hat.“ Alt­kanz­ler Schrö­der in der Are­na Di­rekt ne­ben dem Al­lein­herr­scher hat­te wie er­war­tet Gi­an­ni In­fan­ti­no, der Prä­si­dent des Fuß­ball-Welt­ver­bands Fi­fa, Platz ge­nom­men. Der Schwei­zer, der vor zwei Jah­ren die Nach­fol­ge von Jo­seph Blat­ter an­ge­tre­ten hat, er­lebt in Russ­land sei­ne ers­te WM als höchst­ran­gi­ger Funk­tio­när im in­ter­na­tio­na­len Fuß­ball. „Lie­be Freun­de! Herz­lich Will­kom­men zur Welt­meis­ter­schaft“, so grüß­te In­fan­ti­no – auf Rus­sisch. „Die WM soll die größ­te Par­ty der Welt wer­den.“West­li­che Staats­chefs such­te man auf der Tri­bü­ne in Pu­tins Um­feld ver­geb­lich. Da­für zeig­te sich der frü­he­re Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der, der für sei­ne Nä­he zu Pu­tin und sein En­ga­ge­ment für rus­si­sche Ener­gie­kon­zer­ne in der Kri­tik steht.

Das Pro­gramm, das die Gast­ge­ber un­ter der Re­gie des Cho­reo­gra­phen Fe­lix Mich­ailow ent­wor­fen hat­ten, war far­ben­froh und über­ra­schend schlicht ge­hal­ten. Erst brach­ten Spa­ni­ens Welt­tor­hü­ter Iker Ca­sil­las und das rus­si­sche Su­per­mo­del Na­ta­lia Wo­di­ja­no­wa den Welt­po­kal in die Are­na, den es am 15. Ju­li im gro­ßen End­spiel an glei­cher Stel­le zu ge­win­nen gibt. Dann leg­te Rob­bie Wil­li­ams, noch sitt­lich, leicht er­graut, mit di­cker Gold­ket­te um den Hals und im dun­kel­ro­ten An­zug mit mit sei­nem Gas­sen­hau­er auf dem grü­nen Kun­st­ra­sen­tep­pich los: „Let me en­ter­tain you!“Der mys­ti­sche rot-gel­be Feu­er­vo­gel, der sei­ne Büh­ne um­kreis­te, wirk­te da­ge­gen et­was klapp­rig.

Von char­man­ter Na­tür­lich­keit schie­nen die kun­ter­bun­ten Ko­s­tü­me der jun­gen Frau­en und Män­ner, die für die 32 teil­neh­men­den Mann­schaft ein­lie­fen. Ge­nau­so wie die Ta­feln, die aus­sa­hen wie Surf­bret­ter, in Wirk­lich­keit je­doch gro­ße, au­ßer­ge­wöhn­lich ge­form­te Bild­schir­me wa­ren, die zu den klas­si­schen Klän­gen des rus­si­schen Kom­po­nis­ten Pe­ter Tschai­kow­sky für pfif­fi­ge Licht­ef­fekt sorg­ten. Wil­li­ams sang den Hit „Feel“im Du­ett mit Opern­di­va Ai­da Ga­ri­ful­li­na – be­vor er den Fin­ger zeig­te. In der Fuß­bal­ler­spra­che heißt es: Uns­port­lich­keit. Ro­te Kar­te. Ab zum Du­schen.

Foto: Shaun Bot­te­rill/Getty Images

Su­per­star auf der Büh­ne des Lu­sch­ni­ki-Sta­di­ons: Rob­bie Wil­li­ams heiz­te den Zu­schau­ern ein.

Foto:Juan Ma­b­ro­ma­ta/afp Foto: Pa­trik Stol­larz/afp

Zärt­lich­kei­ten im Zei­chen des Fuß­balls: Rus­si­sche Fans auf der Tri­bü­ne.

Die Fuß­ball-WM wird erst­mals in Russ­land aus­ge­tra­gen.

Foto: Fe­de­ri­co Gam­ba­ri­ni/dpa

Krea­tiv ge­stal­tet: Ei­ne Tän­ze­rin prä­sen­tier­te Deutsch­land.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.