Gaildorfs Al­tes Schloss: Sa­nie­rungs­pla­nung ge­än­dert

Sta­ti­sche Pro­ble­me im Ost­flü­gel des Al­ten Schlos­ses be­ein­flus­sen die Sa­nie­rung. Die Stadt be­an­tragt ei­ne Auf­sto­ckung des För­der­pro­gramms.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - Von Klaus Micha­el Oß­wald

Mit Schau­dern er­in­nert sich manch äl­te­rer Gaildor­fer an ei­ne kur­ze, aber in­halts­schwe­re De­bat­te Mit­te der 1960er-Jah­re, als es um „Stadt­sa­nie­rung“der ro­bus­ten Art ging. Da­mals war al­len Erns­tes er­wo­gen wor­den, das Al­te Schloss „ein­zu­eb­nen“. Das Ge­län­de, so ein schnell wie­der ver­wor­fe­ner Vor­schlag, kön­ne dann als in­ner­städ­ti­scher Park­platz ge­nutzt wer­den.

Die klei­ne Fuß­no­te der Stadt­ge­schich­te hat längst kei­ne Be­deu­tung mehr. Auch wenn in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten die­sem oder je­nem Stadt­rat an­ge­sichts lee­rer Kas­sen die Äu­ße­rung ent­fah­ren war, dass ein Ab­riss doch die bes­te Lö­sung sei: Der präch­ti­ge Fach­werk­bau, des­sen Exis­tenz erst­mals im Jahr 1399 ur­kund­lich er­wähnt wird, ist vom Stadt­bild nicht mehr weg­zu­den­ken. Er ist das Wahr­zei­chen Gaildorfs, Keim­zel­le der städ­ti­schen Ent­wick­lung, kul­tu­rel­les Zen­trum …

Und nicht zu­letzt – in bau­li­cher Hin­sicht – ei­ne Art Wun­der­tü­te: Kein Jahr ver­geht oh­ne grö­ße­re wie klei­ne­re Über­ra­schun­gen, die im Zu­ge um­fang­rei­cher Sa­nie­rungs­maß­nah­men be­rück­sich­tigt wer­den wol­len und müs­sen. Oh­ne fi­nan­zi­el­le Hil­fen aus dem lau­fen­den Denk­mals a nie rungs pro­gramm wä­re die Stadt in ho­hem Maß über­for­dert.

Ver­än­der­te Schwer­punk­te

Eben we­gen der im­mer wie­der zu­ta­ge ge­för­der­ten Über­ra­schun­gen muss­te nun das der­zeit größ­te Vor­ha­ben im Be­reich der Stadt­sa­nie­rung wie­der um­ge­plant wer­den – mit ei­nem ver­än­der­ten Zeit­plan und ge­än­der­ten Schwer­punk­ten. De­tails da­zu ge­hen aus ei­nem Ar­beits­pa­pier der Stadt­ver­wal­tung zur ge­gen­wär­ti­gen und künf­ti­gen Stadt­sa­nie­rung her­vor, das Rat­haus­spre­cher Dr. Da­ni­el Kuhn am Mitt­woch­abend dem Ge­mein­de­rat prä­sen­tier­te.

An den Aus­bau des Süd­flü­gels, in dem Ver­an­stal­tungs­räu­me ein­ge­rich­tet wer­den sol­len, ist der­zeit nicht zu den­ken. Sta­ti­sche Pro­ble­me ha­ben laut Da­ni­el Kuhn da­zu ge­führt, dass in die­sem Jahr „kaum Mit­tel ver­baut“wer­den konn­ten. Le­dig­lich der „Wei­ße Saal“im Nord­flü­gel sei her­ge­rich­tet und neu mö­bliert wor­den und kön­ne nun als Trau­saal ge­nutzt wer­den. Der Über­sicht zu­fol­ge soll mit dem Ein­bau der ge­plan­ten Haus­meis­ter­woh­nung „um den Jah­res­wech­sel her­um“be­gon­nen wer­den.

Pro­ble­me sta­ti­scher Art be­rei­tet ein­mal mehr der Ost­flü­gel, der vor Jahr­hun­der­ten erst nach­träg­lich an das Haupt­ge­bäu­de an­ge­dockt wur­de und vor et­wa 20 Jah­ren, um die Jahr­tau­send­wen­de her­um, in den Schloss­gra­ben zu kip­pen droh­te. Um­fang­rei­che Si­che­rungs­maß­nah­men wa­ren da­mals nö­tig ge­wor­den, um das Ge­bäu­de zu er­hal­ten.

Vor­erst kein Auf­zugs­turm

Die­se Ar­bei­ten fin­den nun ei­ne Fort­set­zung, weil „die vor­läu­fi­gen Er­geb­nis­se der sta­ti­schen Un­ter­su­chung dar­auf hin­wei­sen, dass der Ost­flü­gel oh­ne wei­te­re Maß­nah­men nicht zu nut­zen ist.“So­weit das Ar­beits­pa­pier. Durch den seit Mo­na­ten be­kann­ten Zu­stand die­ses Ge­bäu­de­teils (wir

ha­ben mehr­fach be­rich­tet) soll es je­doch auf der Schloss­bau­stel­le nicht zum Still­stand kom­men. Das heißt: Die Bau­ar­bei­ten kon­zen­trie­ren sich nun zu­nächst auf den Nord­west­flü­gel, der aus­ge­baut wer­den soll. Die dor­ti­gen Räu­me sei­en „in ei­nem fer­ti­gen Roh­bau­zu­stand und kön­nen nun mit Sa­nie­rungs­mit­teln voll­stän­dig her­ge­stellt wer­den.“

Soll die­ser Teil par­al­lel zum Aus­bau der Räu­me durch den Ein­bau ei­nes Auf­zugs bar­rie­re­frei er­schlos­sen wer­den, liegt ein wei­te­res wich­ti­ges Pro­jekt, das der Ge­mein­de­rat be­schlos­sen hat­te, aus den ge­nann­ten sta­ti­schen Grün­den auf Eis: Der ge­plan­te Auf­zugs­turm zwi­schen Schloss und Stadt­bü­che­rei lässt sich laut Stadt­ver­wal­tung „der­zeit nicht rea­li­sie­ren“– und da­mit auch nicht die bar­rie­re­freie Er­schlie­ßung von Wurm­brand­saal und Wei­ßem Saal über die Ga­le­rie.

Fi­nan­zi­ell sieht es laut Da­ni­el Kuhn so aus: Das bis­he­ri­ge Pro­jekt­vo­lu­men be­trug 3,3 Mil­lio­nen Eu­ro, die För­de­rung 2 Mil­lio­nen Eu­ro. Durch ei­nen so­ge­nann­ten Auf­sto­ckungs- und Ver­län­ge­rungs­an­trag, den die Stadt stel­len muss, wür­de sich das Pro­jekt­vo­lu­men auf 5,7 Mil­lio­nen Eu­ro, die Sum­me der För­de­run­gen auf 3,3 Mil­lio­nen Eu­ro er­hö­hen. Die 2010 be­gon­ne­ne Sa­nie­rung wür­de sich um ein Jahr ver­län­gern.

An­trag auf mehr För­der­mit­tel

Der Ge­mein­de­rat stimm­te der Fort­schrei­bung die­ses städ­te­bau­li­chen Kon­zepts zu und be­auf­trag­te die Ver­wal­tung, ei­nen ent­spre­chen­den Auf­sto­ckungs­an­trag beim Land zu stel­len.

In­fo Rund um das Al­te Schloss gibt es noch wei­te­re städ­te­bau­li­che Vor­ha­ben. Dar­über be­rich­ten wir in der nächs­ten Fol­ge un­se­rer klei­nen Se­rie zum The­ma Stadt­sa­nie­rung.

Fo­to: Klaus Micha­el Oß­wald

Die wuch­ti­gen Tor­tür­me des Gaildor­fer Wahr­zei­chens wa­ren vor Jah­ren ein­mal die Sor­gen­kin­der der Sa­nie­rungs­pla­ner. Nun rich­tet sich de­ren Au­gen­merk auf an­de­re Be­rei­che.

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