Von der Haus­halts­hil­fe aus­ge­späht

Ein­bre­cher tö­ten in Ulm ei­nen Haus­be­woh­ner. Jetzt steht ein Ehe­paar des­we­gen vor dem Land­ge­richt.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - SÜDWESTUMSCHAU - Hans-Uli May­er

Ulm. An Hän­den und Bei­nen ge­fes­selt ist ges­tern ein Ehe­paar in den Saal des Ul­mer Land­ge­richts ge­führt wor­den. Die 46-jäh­ri­ge Frau, die sich als Haus­halts­hil­fe in der Woh­nung in Ulm bes­tens aus­kann­te und den An­stoß für den Ein­bruch ge­ge­ben ha­ben soll, hat­te sich in ei­nen Ano­rak mit Ka­pu­ze ge­hüllt und ei­nen Ak­ten­ord­ner vors Ge­sicht ge­hal­ten. Auch ihr sie­ben Jah­re jün­ge­rer Ehe­mann hat­te sein Ge­sicht vor den Ka­me­ras ver­bor­gen.

Für die Staats­an­walt­schaft ist klar, dass das rus­sisch-ge­or­gi­sche Ehe­paar Initia­tor und Ide­en­ge­ber des Ein­bruchs war, der mit dem Tod ei­nes 59-jäh­ri­gen Man­nes in der Wohn­an­la­ge en­de­te. Die Frau war als An­ge­stell­te ei­ner Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on im­mer wie­der in den Haus­halt ge­kom­men, in dem der 59-Jäh­ri­ge mit sei­ner 91-jäh­ri­gen Mut­ter leb­te. Die Zu­geh­frau kann­te sich aus vor Ort, wuss­te vom Schmuck der Frau und kann­te auch den di­rek­ten Zu­gang von der Ga­ra­ge in die Woh­nung.

Schon im De­zem­ber 2017 hat­te sich das Ehe­paar zu Woh­nungs­ein­brü­chen ent­schlos­sen. Geld fehl­te, die Frau war ge­sund­heit­lich an­ge­schla­gen, der Mann oh­ne Ar­beit. Vor dem Ver­bre­chen im Ul­mer Wohn­quar­tier Esels­berg hat­te sich der Mann schon un­er­laub­ten Zu­tritt in ein Haus in Ulm-Jun­gin­gen ver­schafft und in die Wall­fahrts­kir­che in Zie­mets­hau­sen. Dort hat­te er sa­kra­le Ge­gen­stän­de mit­ge­nom­men.

Of­fen­bar wa­ren der 39-Jäh­ri­ge und sei­ne zwei Hel­fer – die An­kla­ge­be­hör­de geht von drei Män­nern am Tat­ort aus – vor­be­rei­tet. In der An­nah­me, dass der Be­woh­ner in Stress­si­tua­tio­nen zur Ge­walt neigt, hat­ten sie sich be­waff­net und so­fort zu­ge­schla­gen, als sie dem 59-Jäh­ri­gen ge­gen­über stan­den. Ein Schlag auf die Na­se führ­te zu ei­ner stark blu­ten­den Wun­de. Weil die Tä­ter dem Op­fer dann den Mund zu­kleb­ten, be­kam der Mann kaum mehr Luft. Er starb St­un­den spä­ter an den schwe­ren Schä­den des Ge­hirns.

Die An­kla­ge beim Ehe­mann lau­tet auf Mord, die der Frau auf schwe­ren Raub und ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung. Von den bei­den des Mor­des ver­däch­ti­gen Mit­tä­tern sitzt ei­ner in Is­ra­el in Aus­lie­fe­rungs­haft, der mög­li­che drit­te Be­tei­lig­te ist un­ter­ge­taucht.

Der 39-jäh­ri­ge An­ge­klag­te wird in den Ge­richts­saal ge­führt.

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