Die Un­ter­grö­nin­ger Ober­hex’

Ger­rit Hor­la­cher hat am 11.11. um 11.11 Uhr ih­ren gro­ßen Tag. Als Bier­ap­pel ver­klei­det He­xen­schar dem Schloss­kel­ler. Am Ascher­mitt­woch ist der Spuk vor­bei. ent­steigt sie mit ih­rer

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - Von Cor­ne­lia Kauf­hold

Un­ter­grö­nin­gen. Ger­rit Hor­la­cher hat am 11. 11. um 11.11 Uhr ih­ren gro­ßen Tag. Als Bier­ap­pel ver­klei­det ent­steigt sie dem Schloss­kel­ler. Am Ascher­mitt­woch ist der Spuk vor­bei.

ier­trin­ker ken­nen Bier­ap­pel als na­tur­trü­bes Pils. Die Lamm­braue­rei braut es für die fünf­te Jah­res­zeit, denn die Sa­gen­ge­stalt ist das Mar­ken­zei­chen des Un­ter­grö­nin­ger Fa­schings. Und den fei­ert das Dorf, das nicht mal ka­tho­lisch ist, seit vie­len Jah­ren ganz groß. Un­ter dem Ko­s­tüm je­nes Schloss­geis­tes steckt Ger­rit Hor­la­cher. 1983 kam sie als Lehr­ling auf den Gschwend­hof, ei­nem An­we­sen über dem Ko­cher­tal mit lan­ger Tra­di­ti­on. „1489 wur­de es erst­mals ur­kund­lich er­wähnt“, sagt die Haus­her­rin. Sie lern­te Land­wirt­schaft und Haus­wirt­schaft, be­such­te die Win­ter­schu­le und hei­ra­te­te 1990 den Sohn ih­res Lehr­herrn. Zehn Jah­re spä­ter kür­te die Un­ter­grö­nin­ger Fa­schings­ge­sell­schaft die ge­bür­ti­ge Plochin­ge­rin zu ih­rer Bier­ap­pel.

Sie führt die Schloss­he­xen an, 15 Stück an der Zahl, dar­un­ter auch zwei Män­ner plus vier Kin­der. „Sie ha­ben halt ih­re Jun­gen mit­ge­bracht“, er­klärt Ger­rit Hor­la­cher. Als Vor­stand des Lie­der­kran­zes hat sie frü­her schon im Dorf Fa­sching ge­fei­ert und Büt­ten­re­den ge­hal­ten. Als die­se Ära zu En­de ging – „man muss halt im­mer wie­der was neu­es bie­ten“– ha­ben die Sän­ger mit dem TSV und dem Mu­sik­ver­ein die Fa­schings­ge­sell­schaft Un­ter­grö­nin­gen ge­grün­det. Das war 1997. Die Tra­di­ti­on hat in Un­ter­grö­nin­gen al­ler­dings ei­ne viel län­ge­re Ge­schich­te, sie reicht bis in die 1920er-Jah­re zu­rück. Die Fi­gur der Bier­ap­pel ha­ben die Un­ter­grö­nin­ger Kar­ne­va­lis­ten erst zur Jahr­tau­send­wen­de ins Le­ben ge­ru­fen. Seit­dem am­tiert Ger­rit Hor­la­cher als Un­ter­grö­nin­ger Ober­hex’. Um ih­re Gar­de­ro­be muss sie sich in der fünf­ten Jah­res­zeit kei­ne Ge­dan­ken ma­chen. Als Bier­ap­pel trägt sie ein bo­den­lan­ges, wei­ßes Kleid mit Trom­pe­ten­är­meln und die ro­te Pe­rü­cke.

„Es macht mir Spaß“, sagt sie la­chend. Ih­re Büt­ten­re­den schreibt Mar­tin Meh­rer von der Fa­schings­ge­sell­schaft „und wir lie­fern den Stoff“, ver­rät sie. Bei der Prunk­sit­zung am Fa­schings­sams­tag und beim Rat­haus­sturm an Wei­ber­fa­sching steht sie in der Bütt und hat vor­her or­dent­lich Lam­pen­fie­ber. „Das ist so, auch wenn’s mir kei­ner glaubt.“Die schwarz­haa­ri­ge Frau mit den leuch­tend blau­en Au­gen schaut jetzt ein­mal ernst. Von ih­rem Kü­chen­fens­ter aus fällt der Blick in den gro­ßen Of­fen­stall. 120 Milch­kü­he ver­sorgt die Bier­ap­pel mit ih­rem Mann im Voll­er­werb. Er ist seit die­sem Jahr zer­ti­fi­zier­ter Bio­land­be­trieb. Mor­gens um sechs, halb sie­ben be­ginnt ihr Ar­beits­tag und en­det abends um wie viel Uhr? „Spät“, meint die Bäue­rin lä­chelnd.

Die Kin­der im Dorf ken­nen Ger­rit Hor­la­cher nicht nur als Bier­ap­pel, son­dern auch als Eis­ver­käu­fe­rin. Seit 2004 stellt sie Bau­ern­hof­eis aus der Milch ih­rer Kü­he her und ver­kauft Märk­ten und bei Fes­ten.

Die dies­jäh­ri­ge Fa­schings­sai­son wird für die Bier­ap­pel und ihr Ge­fol­ge in die An­na­len ein­ge­hen. „Am 20. Ja­nu­ar ha­ben wir den Ostal­bum­zug hier bei uns“, meint die 52-jäh­ri­ge Mut­ter drei­er Kin­der. Mit 3000 bis 4000 Häs­trä­gern rech­net die Fa­schings­ge­sell­schaft, plus Gar­den und Gug­gen. Dann wird Abts­g­münd kopf­ste­hen. „Erst­mals fin­det da­mit der Ostal­bum­zug in ei­ner Ge­mein­de und nicht ei­ner Stadt statt, da sind wir ganz stolz drauf.“ es auf

Fo­to: Cor­ne­lia Kauf­hold

Ger­rit Hor­la­cher, die ers­te und un­er­müd­lich am­tie­ren­de Bier­ap­pel der Fa­schings­ge­sell­schaft Un­ter­grö­nin­gen, zieht sich ih­re ro­te Pe­rü­cke auf. Sie ist zu­sam­men mit ih­rer wei­ßen Schmin­ke und ei­nem wei­ßen, bo­den­lan­gen Kleid ihr Mar­ken­zei­chen.

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