Kla­re Wor­te ge­gen Het­zer

Der Zen­tral­rat der Ju­den er­in­nert an Po­gro­me vor 80 Jah­ren und warnt vor neu­em An­ti­se­mi­tis­mus.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

Ber­lin. Der Zen­tral­rat der Ju­den hat der AfD ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung für Atta­cken und Het­ze ge­gen jü­di­sche Men­schen, Mus­li­me und Flücht­lin­ge ge­ge­ben. „Ei­ne Par­tei, die im Bun­des­tag am ganz äu­ße­ren rech­ten Rand sitzt, hat die­se Het­ze per­fek­tio­niert. Sie sind geis­ti­ge Brand­stif­ter“, sag­te Zen­tral­rats­prä­si­dent Jo­sef Schus­ter am Frei­tag, oh­ne die AfD beim Na­men zu nen­nen.

Am 9. No­vem­ber 1938 hat­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten den Be­fehl für den in­sze­nier­ten „Volks­zorn“ge­gen die Ju­den in ganz Deutsch­land aus­ge­ge­ben. Tau­sen­de Sy­nago­gen und Ge­schäf­te wur­den an­ge­zün­det und ge­plün­dert, zehn­tau­sen­de Ju­den ge­de­mü­tigt und de­por­tiert. Die Po­gro­me gel­ten als Be­ginn der sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung und Ver­nich­tung der Ju­den in Deutsch­land.

Der Zen­tral­rat hat­te als ein­zi­ge die AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on nicht zu der Ge­denk­fei­er ein­ge­la­den. „Es wä­re für die jü­di­sche Ge­mein­schaft un­er­träg­lich ge­we­sen, heu­te, 80 Jah­re nach der Po­grom­nacht, Ver­tre­ter die­ser Par­tei un­ter uns zu wis­sen“, sag­te Schus­ter.

Bei ei­ner Ge­denk­stun­de im Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­haus am Tag zu­vor war ein AfD-Po­li­ti­ker mit ei­ner Korn­blu­me am Re­vers auf­ge­tre­ten – un­ter an­de­rem 1933 bis 1938 in Ös­ter­reich das Er­ken­nungs­zei­chen der da­mals ver­bo­te­nen Na­tio­nal­so­zia­lis­ten.

Mah­nung an Mus­li­me

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel warn­te bei der Ge­denk­stun­de in der Ber­li­ner Sy­nago­ge Ry­ke­stra­ße vor zu­neh­men­dem Ju­den­hass. „Es gibt in Deutsch­land wie­der blü­hen­des jü­di­sches Le­ben. Doch zu­gleich er­le­ben wir ei­nen be­sorg­nis­er­re­gen­den An­ti­se­mi­tis­mus, der jü­di­sches Le­ben in un­se­rem Land und an an­de­ren si­cher ge­glaub­ten Or­ten der Welt be­droht.“Die­ser An­ti­se­mi­tis­mus ent­la­de sich zu­neh­mend un­ge­hemmt im In­ter­net und im öf­fent­li­chen Raum.

Die CDU-Po­li­ti­ke­rin ging auch auf an­ti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen bei Mus­li­men ein: „Eben­so muss der Staat kon­se­quent han­deln, wenn Hass auf Ju­den und Hass auf Is­ra­el, ver­bal und non­ver­bal, von in un­se­rem Lan­de le­ben­den Men­schen aus­geht, die von ei­nem an­de­ren re­li­giö­sen und kul­tu­rel­len Hin­ter­grund ge­prägt wor­den sind“, sag­te Mer­kel. „So wie es nie­mals ei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht ge­gen mus­li­mi­sche Men­schen ge­ben darf, wenn im Na­men ih­rer Re­li­gi­on Ge­walt ver­übt wird, so ist zu­gleich klar, dass sich je­der, der in un­se­rem Land lebt, zu den Wer­ten un­se­res Grund­ge­set­zes be­ken­nen muss.“

Im Bun­des­tag er­in­ner­te Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er an die No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918. Viel Bei­fall er­hielt er, als er mit Blick auf rechts­ex­tre­me Pro­tes­te die deut­schen Na­tio­nal­far­ben für die De­mo­kra­tie re­kla­mier­te. „Wer heu­te Men­schen­rech­te und De­mo­kra­tie ver­ächt­lich macht, wer al­ten na­tio­na­lis­ti­schen Hass wie­der an­facht, der hat ge­wiss kein his­to­ri­sches Recht auf Schwarz-Rot-Gold.“

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